In Berlin: Evers und die CDU unter Druck - Regierungsbeteiligung abhängig von Gesprächen anderer Parteien
Vor der Wahl: Evers und die CDU in Berlin unter Druck – Regierungsbeteiligung nicht sicher
Stand: 19.09.2026, 08:19 Uhr
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Am Sonntag wird auch in Berlin gewählt. Sollte CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers die Wahl nicht gewinnen, könnte er trotzdem eine zweite Chance bekommen.
Berlin – Erst seit Mitte Juli ist Stefan Evers CDU-Spitzenkandidat für die Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am Sonntag (20. September). Es deutet sich ein knapper Ausgang an: Nach aktuellen Umfragen liegen die Linken hauchdünn vor der CDU. Dennoch könnte Evers nach den Wahlen eine zweite Chance erhalten – als Oppositionsführer im neu zusammengesetzten Parlament.

Nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) löste Finanzsenator Evers Mitte Juli den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner als CDU‑Spitzenkandidaten für die Wahl am 20. September ab. Wegner hatte über sein Handeln nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang Januar gelogen. Ende Juni erzwang die Zeitung „Der Tagesspiegel“ gerichtlich Auskünfte über Wegners Telefonate am Anschlagstag. Dadurch wurde bekannt, dass dessen frühere Angaben falsch waren.
Strategie von CDU-Spitzenkandidat Evers: Konfrontation mit den Linken
Ein Problem: Zu diesem Zeitpunkt war die Wahlkampagne bereits auf Wegner zugeschnitten. Evers galt im Vergleich zu diesem als schwieriger zu vermarkten, da er nicht so natürlich auf die Menschen zugeht und lieber Zeit am Schreibtisch verbringt. Inhaltlich suchte Evers in seinen zehn Wochen Wahlkampf die Konfrontation mit den Linken: Er prangerte etwa an, dass Antisemiten in der Linkspartei Einfluss haben. So möchte er Grünen und SPD erschweren, nach der Wahl Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp zur Regierenden Bürgermeisterin zu wählen.
Dennoch dürfte Schwarz-Rot die Mehrheit im Abgeordnetenhaus verlieren. Auch die Grünen möchten wegen inhaltlicher Übereinstimmungen, etwa bei der Enteignung großer Wohnungsunternehmen, lieber mit den Linken zusammenarbeiten. Die CDU ist strikt dagegen. Manche Parteifunktionäre kritisieren, Evers habe jenseits der Linkspartei kein zündendes Thema gefunden. Mit etwa 20 Prozent liegt die CDU in der neuesten INSA-Umfrage aktuell nur noch knapp hinter den 21 Prozent der Linkspartei. Aber dafür deutlich hinter dem Wahlergebnis von 2023, nämlich mehr als 28 Prozent, wie die FAZ mitteilt.
Viele Berliner machen CDU für Missstände in ihrer Stadt verantwortlich
Viele Berliner lasten der regierenden CDU Baustellen und Staus an. Auch die vielen vermüllten Straßen der Stadt ärgern etliche Anwohner. Manche CDU-Abgeordnete meinen, Evers hätte sich deshalb stärker von Wegner distanzieren sollen. Andere argumentieren, ein sichtbarer Bruch Evers’ mit dem Regierenden Bürgermeister hätte mehr geschadet. Der Spitzenkandidat sei schließlich darauf angewiesen, dass Wegner im Wahlkampf nicht quer treibe, was gelungen sei.
Anders als etwa Sven Schulze in Sachsen-Anhalt stellte Evers auch nicht die Reformen von Bundeskanzler Merz infrage. Gründe dafür sind, dass Evers inhaltlich hinter den Reformen steht. Außerdem habe er wegen der Verhandlungen über den Hauptstadtfinanzierungsvertrag auf gute Beziehungen achten müssen: Am Dienstag (15. September) unterzeichneten Bundesregierung und Senat diesen Vertrag. Demnach wird der Bund Berlin künftig mehr Geld überweisen.
Evers könnte auf Scheitern der Gespräche von Linken, Grünen und SPD hoffen müssen
Nach der Wahl muss die CDU wohl auf ein Scheitern der Koalitionsgespräche zwischen Linken, Grünen und SPD hoffen: Nur dann kann die CDU ernsthaft mit Grünen und SPD verhandeln. Sollte Linken-Spitzenkandidatin Eralp Regierende Bürgermeisterin werden, hoffen viele Christdemokraten auf ihr Scheitern. Ihrer Ansicht nach werde Eralp wegen der schlechten Haushaltslage keine fünf Jahre durchhalten. Evers könnte dann als Oppositionsführer eine zweite Chance bekommen.
Dafür müsste sich seine Partei aber dauerhaft hinter ihn stellen. Nach einem schlechten Wahlergebnis könnten in der Berliner CDU jedoch innere Konflikte aufkommen, die dann Evers lösen müsste. Freude am Management solcher Streitigkeiten wird Evers nicht nachgesagt. Ein weiterer Diskussionspunkt könnte sein, ob AfD-Abgeordnete weiterhin keine Ausschüsse im Abgeordnetenhaus leiten sollen. (Quellen: FAZ, wahlrecht.de) (jws)