Kurz vor Sachsen-Anhalt-Wahl: AfD-Kandidat Siegmund im Live-Schlagabtausch mit Grünen
Vor Sachsen-Anhalt-Wahl: Siegmund weicht AfD-Programm auf – Grüne gehen auf ihn los
Stand: 03.09.2026, 19:07 Uhr
Kommentare
Kurz vor der Wahl gibt sich AfD-Spitzenkandidat Siegmund moderater als das eigene Programm – und liefert sich einen heftigen Streit mit den Grünen.
München – Am Sonntag (6. September) wählen die Menschen in Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD liegt in den Umfragen bei mehr als 40 Prozent und könnte erstmals in einem deutschen Bundesland eine absolute Mehrheit erreichen. In einem TV-Talk gibt sich Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bei zentralen AfD-Positionen auffällig moderat – während Grüne und SPD ihn scharf angreifen.

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Siegmund liefert sich Schlagabtausch mit Grünen
Schon beim Thema Ukraine-Krieg wird deutlich, wie Siegmund im TV-Talk von ntv und Radio Brocken argumentiert. Russland habe den Krieg begonnen, sagt der AfD-Spitzenkandidat, dieser habe aber auch eine „Vorgeschichte“. Deutschland solle sich nicht an fremden Konflikten beteiligen, sondern auf Verhandlungen setzen. Wenn Deutschland sich in fremde Konflikte einmische, kämen diese irgendwann nach Deutschland, so Siegmund. Waffenlieferungen, Geld und Ausbildung seien der falsche Weg.
Grünen-Kandidatin Susan Sziborra-Seidlitz hält dagegen und pocht auf das Völkerrecht. Wenn Russland einen Angriffskrieg vor Europas Haustür führe, müsse Deutschland darauf bestehen, dass internationales Recht gelte. „Dann frage ich Sie: Wie wollen Sie Frieden schaffen?“, fragt sie Siegmund. Der AfD-Kandidat reagiert scharf. Immer wieder fällt er der Grünen-Politikerin ins Wort und verweist auf ein Wahlplakat der Grünen aus dem Bundestagswahlkampf 2021. Darauf habe die Partei noch versprochen, keine Waffen und Rüstungsgüter in Kriegsgebiete zu liefern. Das Plakat hänge heute in seinem Büro – als „tägliche Motivation für die Doppelmoral in der deutschen Politik“, sagt Siegmund. CDU und Grüne seien inzwischen „mit die größten Kriegstreiber“.
Sziborra-Seidlitz lässt die Vorwürfe nicht stehen. Der Schlagabtausch gehört zu den hitzigsten Momenten der Wahlarena. Später wirft Siegmund ihr sogar vor, sie sei nicht in der Lage zuzuhören. Die Grünen-Kandidatin wird damit zugleich zu einem der deutlichsten Gegenpole zu Siegmund in der Runde.
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Siegmund weicht AfD-Programm auf
Auffällig ist dabei vor allem, wie moderat Siegmund seine Partei bei anderen Kernthemen darstellt. Beim Thema Migration etwa betont er, wer einen guten Job habe und sich an die Regeln halte, dürfe bleiben. Das AfD-Programm für Sachsen-Anhalt fällt deutlich schärfer aus. Dort wird unter anderem von „Kulturfremden“ gesprochen und eine weitreichende Begrenzung von Migration gefordert.
SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann verweist auf die Bedeutung ausländischer Fachkräfte für Sachsen-Anhalt. Allein rund 150 syrische Ärzte arbeiteten in Krankenhäusern des Landes. Siegmund bleibt bei seiner Linie: Wer sich an die Regeln halte und seinen Beitrag leiste, solle bleiben dürfen. Auch bei der Rente übernimmt Siegmund eine Aussage aus dem Publikum, wonach Menschen nach einem Arbeitsleben kaum mehr als Grundsicherung erhielten. Willingmann widerspricht unmittelbar. Die Darstellung sei objektiv falsch. Moderator Nikolaus Blome verweist auf eine durchschnittliche Rente nach 45 Beitragsjahren von rund 1913 Euro gegenüber 536 Euro Grundsicherung.
Ähnlich umstritten ist Siegmunds Umgang mit früheren Aussagen seiner Partei. Im Landtag hatte die AfD das Sondervermögen als „Geld der Schande“ bezeichnet. Siegmund weist das zurück und erklärt, das Zitat habe sich lediglich auf energetische Sanierungen bezogen. Die anderen Kandidaten nehmen ihm diese Erklärung nicht ab.
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD-Kandidat Siegmund will alleine regieren
Trotz seiner teilweise moderateren Töne bleibt Siegmund bei der entscheidenden politischen Frage kompromisslos: Die AfD will nach der Wahl allein regieren. Auf die Frage von Moderator Nikolaus Blome, ob die Partei bei einer fehlenden absoluten Mehrheit auf andere Parteien zugehen würde, antwortet Siegmund: „Es gibt aktuell keinen anderen demokratischen Partner hier in der deutschen Parteienlandschaft, mit dem wir die Grundprobleme dieses Landes wirklich in den Griff bekommen.“
Die anderen Parteien hätten sich über Jahre mit „Brandmauern“ beschäftigt, während die AfD politische Arbeit geleistet habe. Deshalb wolle man selbst regieren. Für Willingmann ist genau das ein Problem. Kompromiss, Konsenssuche und Interessenausgleich seien das Wesen einer parlamentarischen Demokratie. Siegmunds Versuch, kompromisslos zu regieren, sei „der Weg ins Autoritäre“.
CDU-Ministerpräsident Sven Schulze wiederum schließt eine Koalition mit der Linken weiterhin aus. Gleichzeitig könnte genau diese Frage nach der Wahl relevant werden, sollte die AfD die absolute Mehrheit verfehlen. Linken-Kandidatin Eva von Angern signalisiert zumindest Gesprächsbereitschaft, macht aber deutlich, dass es dafür inhaltliche Zugeständnisse geben müsse.
Während Schulze um seine politische Zukunft kämpft und die übrigen Parteien über mögliche Mehrheiten diskutieren, kann sich Siegmund angesichts der Umfragewerte zurücklehnen. Die AfD liegt bei mehr als 40 Prozent und damit weit vor der CDU. Damit zeigt sich der auffällige Widerspruch dieses Wahlkampfs: Bei Migration, Rente und anderen kontroversen Themen präsentiert Siegmund die AfD teilweise deutlich moderater, als es das eigene Programm vermuten lässt. Bei der Frage der politischen Zusammenarbeit bleibt er dagegen maximal konfrontativ. (Quellen: t-online, ntv) (bb)