Vulkanische Aktivitäten formten einst Natur in Münden
Stand: 12.07.2026, 08:00 Uhr
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Eine Exkursion durch den Naturpark Münden wird zu einer Reise durch die Geschichte, die sogar in eine Zeit vor der Entstehung der Alpen zurückreicht.
Hann. Münden – Zu einer Feierabendwanderung am Hohen Hagen trafen sich am Mittwoch über 10 Teilnehmer auf dem Wanderparkplatz am Gaußturm, um von Ralf König Wissenswertes über die Geologie und die Geschichte des Basaltberges zu erfahren. Der zertifizierte Natur- und Landschaftsführer des Naturparks Münden referierte an markanten Punkten über die Entstehung und die Bergbaugeschichte des früher 508 Meter hohen Basaltberges, der zwischen Dransfeld und Jühnde liegt. „Er ist heute durch den Basaltabbau 100 Meter niedriger geworden“, erklärte König. „Ich finde es gut, dass uns so ein tolles Naturphänomen gezeigt wird. Mich begeistert, was die Gegend zu bieten hat“, sagte Steffen Luers aus dem naheliegenden Scheden. Vor sechs Jahren ist er aus Bremen hierhergezogen.
Auf schmalen Waldpfaden um den weithin sichtbaren Gaußturm führte König die Teilnehmer zu einer Zeitreise durch die Erdgeschichte. „Der Basalt ist entstanden durch vulkanische Aktivitäten aus der Erdmitte“, erläuterte König an einem Modell des ehemaligen Vulkans. Es ging entlang einer Abbruchkante zu einem etwa 100 Meter tiefen Krater, der von Menschenhand geschaffen war. König schilderte, wie berühmte Persönlichkeiten wie Goethe und Gauß sich schon vor 200 Jahren für den Basaltberg interessierten. Johann Wolfgang Goethe habe auf einer Reise hier Station gemacht und dabei die Anfänge des Basaltabbaus gesehen.
Steineklopfen nach Vorschrift
„Interessant ist, wie zur Zeit Goethes das Göttinger Straßenpflaster entstanden ist“, berichtete Naturführer König. So war es Teil seiner Exkursion, dass Teilnehmer mit einem Geologenhammer das Steine-Klopfen ausprobieren konnten. Der Versuch, einen Basaltstein zu spalten, stellte sich schwieriger heraus als gedacht. Auf Infozetteln erfuhren die Teilnehmer, welche Technik dahintersteht. Eine von zehn Arbeitsanweisungen für einen „Klipper“ war: „Halte überhaupt bei allen Steinsorten die vorgeschriebenen Maße genau ein.“ Anschaulich berichtete König, dass seit Napoleon der Basaltabbau erst attraktiv wurde. Er schilderte die Abbaumethoden über 150 Jahre im 19. und 20. Jahrhundert. Anfangs wurden alle Arbeiten per Hand als Knochenarbeit erledigt. Eine Seilbahn und Lastwagenverkehr kamen erst ab 1960 hinzu.
Dass sogar Sand hier entdeckt wurde, war eine weitere unerwartete Überraschung. Proben des „Dransfelder Sandstrandes“ waren der Beweis. „Der Sand gilt als Überrest einer Meeresverbindung zwischen Nord- und Mittelmeer vor 28 Millionen Jahren. Damals gab es die Alpen noch nicht“, beschrieb König die Entstehung der Sandvorkommen. „Beinahe sei der von der Natur und der Geologie interessante Krater verschwunden“, sagte König. Er sollte mit dem Abraum der ICE-Strecke verfüllt werden. Endpunkt der dreistündigen Wanderung war der Gaußturm an der höchsten Stelle des Berges. Zuvor hatten die Teilnehmer weitere Details über Carl Friedrich Gauß, den bedeutenden Mathematiker, erfahren. Einen Eckpunkt der Vermessungen des Königreichs Hannover durch Gauß konnte Naturführer König zeigen.