VW ID. Polo GTI: Schneller als angekündigt, aber auch teurer
Die Volkswagen AG hat mit dem Bestellstart die vorläufigen Werte des ID. Polo GTI vom Mai 2026 durch finale ersetzt. Die Höchstgeschwindigkeit steigt auf Basis von Kundenfeedback von 175 auf 190 km/h, die WLTP-Reichweite von 424 auf 431 km.
Wer im Elektro-GTI weniger das Kurvenwerkzeug als den rollenden Rechner sieht, findet die interessanteren Neuerungen allerdings in der Software. Beim Infotainment zieht die Sportversion des elektronischen Kleinwagens mit den großen ID-Modellen gleich.
Die Elektronik bleibt eine Evolutionsstufe des MEB ("Modulare E-Antriebs-Baukasten"). Welche Funktionen sich beim GTI später kostenpflichtig freischalten lassen, verrät Volkswagen allerdings noch nicht.
- Käufer des ID. Polo GTI erhalten das neue Android-basierte Innovision-System mit App-Store und serienmäßiger Navigation, während einzelne Fahrzeugfunktionen künftig per Software freigeschaltet werden können.
- Welche Zusatzfunktionen beim GTI später Geld kosten, lässt Volkswagen noch offen – Interessenten sollten daher Preise und Bedingungen für nachträgliche Freischaltungen im Blick behalten.
- Technikfans sollten beachten, dass der GTI noch auf der weiterentwickelten MEB+-Elektronik basiert; die neue zonale Rivian-Architektur mit deutlich weniger Steuergeräten folgt erst in späteren Modellen.
VW ID. Polo GTI: Android mit App-Store und Freischaltungen
Im ID. Polo GTI läuft auf einem 12,9 Zoll großen Touchscreen das Infotainmentsystem Innovision, das den bisherigen Unterbau Discover ablöst. Laut der Website Electrive hat Volkswagen das System auf Basis von Android neu entwickelt, zuerst bestellbar wurde es im März dieses Jahres für den ID.4, ID.5 und ID.7.
Für die nächste Fahrzeuggeneration ist allerdings schon der nächste Wechsel geplant: Die Volkswagen AG hat die Weichen bei Infotainment und autonomem Fahren bereits neu gestellt.
Zum System gehört ein App-Store im In-Car-Shop, über den sich laut Volkswagen auch Funktionen fahrzeugbezogen freischalten lassen.
Beim Basis-ID. Polo sind Navigationssystem, Lenkrad- und Sitzheizung sowie die Klimaregelung für zwei Zonen ab Werk "vorbereitet für spätere Freischaltung". Die nötige Hardware steckt also bereits im Auto. Freigeschaltet wird per Software. Der GTI bringt das Navigationssystem samt E-Routenplaner immerhin serienmäßig mit.
Vor dem Fahrer sitzt ein Digital Cockpit mit 10,25 Zoll, das per View-Taste die Instrumente eines späten Golf I nachbildet; der Musikplayer erscheint dann als Kassette. Klima und Lautstärke laufen wieder über physische Tasten und einen Drehregler. Als Schlüssel dient per Mobile Device Key das Smartphone.
Steuergeräte im ID. Polo GTI: MEB+ statt Rivian-Architektur
Der ID. Polo GTI basiert auf dem MEB+ ("Modularer E-Antriebs-Baukasten"), einer Evolutionsstufe jenes Baukastens, den Volkswagen 2019 mit dem ID.3 und der Elektronikarchitektur E³ 1.1 eingeführt hat. Wie viele Steuergeräte verbaut sind und welche Zentralrechner die Funktionen bündeln, nennt der Hersteller nicht.
Im MEB übernehmen ICAS ("In-Car Application Server") diese Aufgaben. ICAS1 arbeitet als Gateway und verwaltet Karosseriefunktionen, Lademanagement sowie OTA-Updates ("Over the Air"), ICAS3 betreibt das Infotainment. Ob unter Innovision weiterhin ein ICAS3 rechnet, lässt Volkswagen offen.
Die Rivian-Architektur kommt erst später. Das zonale System aus dem Joint Venture mit Rivian, das mit deutlich weniger Steuergeräten auskommt, soll zuerst im Einstiegsmodell ID. Every1 zum Einsatz kommen.
Assistenzsysteme: Ampelerkennung nur gegen Aufpreis
Volkswagen nennt für den ID. Polo GTI lediglich "eine Vielzahl" serienmäßiger Assistenzsysteme. Schon der Basis-ID. Polo überwacht den Fahrer per Innenraumkamera. Sie gehört zur Müdigkeitswarnung.
Dazu kommen Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, Abbiegebremsfunktion sowie Kreuzungs- und Spurwechselassistent samt Ausstiegswarnung. Wo die Bilder der Innenraumkamera verarbeitet werden, beantworten die Pressetexte nicht.
Der optionale Connected Travel Assist übernimmt mithilfe von Onlinedaten Quer- und Längsführung. Erkennt er eine rote Ampel, bremst er bis zum Stillstand. Serienmäßig ist das Fahren mit nur einem Pedal (One Pedal Driving), zwei Schaltwippen am Lenkrad regeln die Rekuperation.
Antrieb und Preis: Quersperre und NMC-Akku ab Werk
Der ID. Polo GTI schickt 166 kW (226 PS) an die Vorderräder. Eine elektronisch geregelte Vorderachsquersperre verteilt die Kraft zwischen linkem und rechtem Rad. Die E-Maschine APP290 ("Axial Parallel Position") trägt ihr maximales Drehmoment in Newtonmetern im Namen.
Das adaptive Sportfahrwerk DCC ("Dynamic Chassis Control") und eine Progressivlenkung sind Serie. Die GTI-Taste im Lenkrad schaltet beides samt Antrieb auf die sportlichste Stufe.
Den Strom liefert ein NMC-Akku ("Nickel-Mangan-Kobalt") mit 52 kWh netto, dessen Einheitszellen ohne Modulebene im Pack sitzen. Beim Schnellladen sind bis zu 105 kW drin. Laut Volkswagen steigt der Ladestand damit in rund 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Per Vehicle to Load gibt der GTI bis zu 3,6 kW an externe Geräte ab.
Die ID. Kaufprämie gilt laut Electrive für Privatkunden und gewerbliche Einzelkunden. Zum Basis-ID. Polo für 24.995 Euro bleiben 15.000 Euro Abstand.
Optional gibt es Panorama-Glasdach, Massagesitze, Premium-Sportreifen in 19 Zoll und ein Harman-Kardon-System mit 425 Watt. Einen Liefertermin nennt Volkswagen nicht. Als zweiter Elektro-GTI ist bereits der ID.3 GTI angekündigt.
Die Werte sind nach Relevanz für unsere Leser sortiert, nicht in der Reihenfolge des Datenblatts.
Plattform: MEB+, Frontantrieb (APP290) mit Vorderachsquersperre
Infotainment: Innovision (Android-Basis), Touchscreen mit 12,9 Zoll
Kombiinstrument: Digital Cockpit mit 10,25 Zoll
Leistung / Drehmoment: 166 kW (226 PS) / 290 Nm
0 auf 100 km/h / Höchstgeschwindigkeit: 6,8 s / 190 km/h
Akku: 52 kWh netto, NMC
DC-Laden: bis 105 kW, 10 auf 80 Prozent in rund 24 Minuten
WLTP-Reichweite / Verbrauch: bis 431 km / 15,7 bis 14,2 kWh/100 km
Kofferraum: 441 bis 1.240 Liter
Anhänge- / Stützlast: 1,2 t (gebremst) / 75 kg
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Quelle: Volkswagen, via: Golem