Der neue VW-Zukunftsplan ist beschlossen – doch bei den schmerzhaften Fragen beginnt das Warten

VW streicht weitere 50.000 Stellen: Warum der neue Zukunftsplan vor allem nach Sparprogramm klingt

Stand: 04.09.2026, 19:00 Uhr

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50.000 Stellen sollen weg, Modelle und Kosten schrumpfen. Doch die entscheidende Frage bleibt offen: Womit will Volkswagen künftig wieder wachsen?

Wolfsburg – Der VW-Aufsichtsrat hat sich auf einen neuen Sparkurs verständigt. Rund 50.000 Stellen sollen wegfallen. Die Modellpalette soll kleiner werden, die Komplexität sinken, die Kosten sowieso. Wird Seat ganz verschwinden? Was wird aus den Werken in Emden, Zwickau, Hannover oder Neckarsulm? Das weiß man noch nicht so genau.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand

Klar wird: Die große Einigung hat lauter Haken. Überall dort, wo es konkret und damit schmerzhaft wird, ist erst einmal wenig entschieden. Welche Standorte bleiben? Wo wird tatsächlich produziert? Welche Modelle werden wo gebaut? Wo werden Kapazitäten gestrichen?

VW

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs. Doch Stellenabbau, weniger Modelle und geringere Kapazitäten beantworten noch nicht die entscheidende Frage: Womit will VW künftig wachsen? © pa

Darüber soll weiter verhandelt, geprüft und später entschieden werden. Der Aufsichtsrat hat sich also vor allem darauf geeinigt, sich später zu einigen. Das hat bei Volkswagen inzwischen Tradition. Denn einen Zukunftsplan gab es schon einmal. Im Dezember 2024 verkündeten Konzern und Arbeitnehmervertreter nach einem heftigen Tarifkonflikt ihren großen Kompromiss.

Damals sollten bis 2030 mehr als 35.000 Stellen in Deutschland sozialverträglich wegfallen. Die Kapazitäten der deutschen Werke sollten deutlich reduziert werden. Die Kosten sollten sinken. Die Wettbewerbsfähigkeit sollte steigen. Es klang ziemlich endgültig.

35.000 Stellen sollten reichen. Jetzt sollen weitere 50.000 weg

Nicht einmal zwei Jahre später wissen wir: Es hat nicht gereicht. Jetzt geht es um rund 50.000 weitere Stellen im Konzern. Wieder müssen die Kosten runter. Wieder müssen Strukturen schlanker werden. Wieder ist von Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung die Rede.

Und wieder darf man sich fragen: Wie viele Zukunftspläne braucht ein Unternehmen eigentlich, bis die Zukunft beginnt? Das Problem von Volkswagen ist längst größer als die eine oder andere Milliarde, die sich noch aus dem Unternehmen herausquetschen lässt. Das Problem ist, dass diesem Konzern zurzeit außer Sparen nichts einfällt.

Natürlich muss, wer zu teuer produziert, seine Kosten senken. Wer zu viele Mitarbeiter für zu wenige Autos beschäftigt, muss reagieren. Aber Sparen ist noch keine Strategie.

Ein Unternehmen kann sich nicht gesundschrumpfen, wenn es gleichzeitig keine überzeugende Antwort darauf hat, womit es morgen wachsen will. Wo ist das Auto, für das die Kunden wieder Schlange stehen? Wo ist die technologische Idee, bei der Wolfsburg den Ton angibt? Wo ist das Produkt, bei dem ein chinesischer Konkurrent sagt: So etwas müssen wir auch bauen?

Wo ist die neue Erzählung?

Die Marke hatte einmal ihre eigene große Erzählung. Sie hieß: Wir bauen tatsächlich Volkswagen. Wir bauen Käfer, Golf, Passat: Autos für Millionen Menschen, verlässlich, bezahlbar und selbstverständlich. VW musste seine Bedeutung nicht erklären. Man sah sie auf jeder Straße.

Später wurde daraus, mit einiger Grandezza, „Das Auto“. Volkswagen verstand sich nicht mehr nur als deutscher Hersteller, sondern als Weltkonzern mit Weltgeltung. Doch die Welt hat zurückgeschlagen. Anderswo werden ebenfalls gute Autos gebaut.

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Und VW fällt nichts anderes ein, als sich wie ein geschlagener Krieger zurückzuziehen, Plattformen zusammenzulegen, Modellpaletten zu verkleinern, Investitionen zu überprüfen, Stellen zu streichen und Werke zur Disposition zu stellen. So sieht die Verwaltung des Rückzugs aus.

Es war einmal der Volkswagen. Dann wurde daraus, etwas großspurig, das Weltauto. Und heute? Heute ist aus dem Volkswagen von einst ein Sparschwein auf vier Rädern geworden.