VW-Tochter - Audi lässt Trump im Wahlkampf Bau eines US-Werks verkünden - Auftritt von Audi-Chef verstößt gegen eigene Richtlinien
Der Auftritt von Audi-Vorstandschef Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Trump verstößt nach Medienangaben gegen Richtlinien des Autokonzerns. Dort hatte Döllner den Bau eines neuen Audiwerks in den USA verkündet. Kritik kommt von der SPD.
26.10.2026

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hatte Döllner vor rund einem halben Jahr eine Selbstverpflichtung unterzeichnet. Demnach dürften "in den drei letzten Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine" mit beteiligten Parteien oder Politikern mehr wahrgenommen werden. Audi verpflichte sich zudem zu Neutralität im Umgang mit Parteien und Interessengruppen, heißt es dort weiter. Damit verstoße der Auftritt gegen die eigenen Richtlinien.
Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Cademartori, hat den Auftritt Döllners kritisiert. Trump hatte bei dem Ereignis im Bundesstaat Georgia verkündet, dass Audi sein erstes Werk in den USA bauen wolle. Er rief Döllner auf die Bühne, der Trump für dessen Unterstützung dankte.
Die SPD-Politikerin sprach von Wahlkampfhilfe für einen Autokraten. Während Arbeitnehmer hier um ihre Jobs zitterten, verkünde Audi bei Trump Milliardeninvestitionen. Damit gäben Audi und der Mutterkonzern VW Trumps Strategie recht, mit einem Handelskrieg Arbeitsplätze in die USA zu holen, kritisierte Cademartori.
Eine Audi-Sprecherin erklärte, die geplante Investition in den USA solle Audis globale Wettbewerbsfähigkeit stärken. In dem Werk sollen jährlich 200.000 SUVs vom Band laufen. Audi zufolge sollen durch die Investition rund 4.500 Arbeitsplätze entstehen. Der Baubeginn sei für das kommende Jahr geplant, die Produktion solle Anfang der 2030er Jahre anlaufen.
Audi importiert bisher alle Fahrzeuge für den amerikanischen Markt aus Europa oder Mexiko. Die Volkswagen-Tochter wird deshalb von den US-Zöllen stark belastet. Trump hat Autohersteller wiederholt aufgefordert, in den USA zu produzieren. Anfang November finden in den Vereinigten Staaten die Zwischenwahlen statt.
Döllner sagte, der Respekt vor dem Amt gebiete es, eine Einladung des US-Präsidenten anzunehmen. Es sei ein "sehr spezieller Moment" gewesen und ein "besonderes Setup, in dem ich mich zu bewegen hatte", als er auf der Wahlkampfbühne zusammen mit Trump aufgetreten sei.
Lies: Wachstum in USA darf Arbeit in Deutschland nicht verdrängen
Ministerpräsident Lies, der als Vertreter der Landes Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat sitzt, sagte, die USA seien ein wichtiger Markt für Volkswagen und es sei strategisch richtig, ihn noch besser zu erschließen. "Mehr Produktion dort ist dann eine Chance, wenn auch die Werke und die Beschäftigten in Deutschland davon profitieren. Wachstum in Amerika muss Arbeit und Wertschöpfung hier sichern und darf sie nicht verdrängen", sagte der SPD-Politiker.
IG Metall mahnt Perspektiven für deutsche Standorte an
Die IG Metall äußerte sich zu den Werksplänen grundsätzlich positiv, verband dies aber auch mit einer Mahnung. "Den US-Markt durch ein neues Werk besser zu erschließen ist richtig und notwendig", sagte die Erste Vorsitzende Benner in einer Mitteilung. Jedoch müssten verbindliche Perspektiven für die Beschäftigten an allen Standorten klar definiert werden. Dabei sei der Vorstand in einer Bringschuld. Benner verwies außerdem darauf, die abschließende Entscheidung über einen möglichen Fabrikneubau in den USA stehe unter dem Vorbehalt der Gremienzustimmung. Im Aufsichtsrat der Volkswagen AG ist Benner stellvertretende Vorsitzende.
Krise bei VW
Volkswagen steckt in der Krise. Die Verkäufe von Elektroautos nehmen zwar an Fahrt auf, die Gewinnmargen sind dort jedoch kleiner. Zugleich belasten die Zölle der US-Regierung und vor allem das wegbrechende Geschäft in China die Unternehmen. Volkswagen setzt auf den Abbau zehntausender Stellen: Bis 2030 sollen bei Europas größtem Hersteller weltweit bis zu 100.000 der knapp 667.000 Jobs wegfallen, die meisten davon in Deutschland.
Diese Nachricht wurde am 26.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.