Wahlkampfendspurt in Berlin: Wowereit stärkt Krach – „an den Vorwürfen nichts dran“

Wichtige Updates

Neue Umfrage: Linke und CDU liefern sich knappes Rennen um Platz eins  

Rund 1100 zusätzliche Polizisten am Wahltag in Berlin

Parteibüro der Linken mit Hakenkreuz und Nazi-Runen beschmiert

Evers attackiert Eralp wegen Antisemitismus bei Linken

Bölschefest: Evers absolviert weiteren Wahlkampf-Termin

Beim darauffolgenden Termin steht Evers dann weit weniger im Mittelpunkt. Kurz vor ihm hat Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) hier das Bölschefest eröffnet. In der guten Standrandluft liegt der Geruch von Pommes und – erneut – Bratwurst. Evers spürt, dass die Leute mit Union- und Harley-Davidson-T-Shirts auf den Bierbänken vor der Bühne jetzt keine tiefgründigen Reden hören wollen. Also spricht von derlei Festen als Gelegenheit des Zusammenseins, des Feierns und – als Verantwortlicher für das Senatsressort – der Kultur. Dafür bekommt er einen passablen Applaus.

Wieder unten zwischen Rummelbuden angekommen, spricht ihn ein etwa vierzigjähriger Köpenicker mit Dreitagebart, Basecap und teuren Laufschuhen an. Er drückt Evers die Hand. Dass er so nahtlos und – gefühlt – mitten im Rennen als Spitzenkandidat eingeschert sei: Dafür bewundere er ihn. „Kein Witz“, versichert er Evers.

Eine Feierabend-Cola in der Hand und im Gespräch mit Schulstadtrat Marco Brauchmann, ebenfalls CDU, lässt der Kandidat für den Posten des Regierenden Bürgermeisters den Wahlkampftag am Rand der Bühne ausklingen.

Leonard Laurig

Leonard Laurig

Wowereit zum Ermittlungsverfahren gegen Krach: "Stehen hinter ihm"

Zum Ende des Wahlkampfes hat sich der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu dem Ermittlungsverfahren gegen SPD-Spitzkandidat Steffen Krach geäußert. "Ich bin der festen Überzeugung, dass an den erhobenen Vorwürfen nichts dran ist", sagte Wowereit am Rande einer Veranstaltung in Charlottenburg der Berliner Morgenpost. Erstmal sei das natürlich eine Belastung, "vor allem für ihn persönlich", erklärte Wowereit. "Aber wir stehen hinter ihm."

Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft Krach Vorteilsannahme in zwei Fällen sowie den Verrat von Geschäftsgeheimnissen vor. Krach weist die Vorwürfe zurück.

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

Wie halten Sie es mit der AfD? BSW-Spitzenkandidat Alexander King im Morgenpost-Kurzinterview

Kurz nach Ende der Wahlkampfveranstaltung hat sich Alexander King Zeit für Fragen genommen. Auf der Bühne ging es größtenteils um Bundespolitik. Wie aber will die Partei Berlin voranbringen? Und würde das BSW in Berlin mit der AfD zusammenarbeiten. Die Antworten im Video:

Leonard Laurig

Leonard Laurig

Krach und Wowereit betonen Kampf gegen die AfD

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach und der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit haben zwei Tage vor der Wahl nochmals den Kampf gegen die AfD betont. "Als ich 2002 nach Berlin kam, hätte ich es niemals für möglich gehalten, dass eine rechtsextreme Partei in dieser Stadt 18 Prozent der Stimmen bekommen könnte", sagte Krach in Hinblick auf die Umfragen zur Abgeordnetenhauswahl. "Mein Kampf geht gegen die AfD", erklärte er. Die Wähler wolle er dagegen zurückgewinnen.

Unterstützung bekam Krach vom ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Auch er erklärte bei der Abschlusskundgebung in Charlottenburg: "Wir müssen die AfD bekämpfen." Und weiter: "Schauen Sie in das Wahlprogramm der AfD, dann sehen Sie, dass diese Partei nicht wählbar ist."

Außerdem appellierte Wowereit an den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn sich Minderheiten in einer Stadt nicht mehr sicher fühlten und Angst vor Übergriffen hätten, dann laufe etwas falsch. "Das müssen wir verhindern", sagte der SPD‑Politiker.

Leonard Laurig

Leonard Laurig

Krach wirbt um Familien: "Überlegen Sie sich ganz genau, wem Sie die Stimme geben"

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat auf der Abschlusskundgebung in Charlottenburg die Familienpolitik seiner Partei betont. Zwar habe seine Partei auch Fehler gemacht, aber auch viele erreicht. "Wir wollen die familienfreundlichste Metropole Europas werden", sagte er zwei Tage vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus. Das sei weiterhin nur mit der SPD möglich.

Gleichzeitig griff er die Familienpolitik der anderen Parteien an. "Ich will Umverteilung nicht beim Schulessen, sondern beim Finanzamt", sagte er in Anspielung auf die CDU-Forderung, die Kosten des Schulessens künftig abhängig vom Einkommen der Eltern zu machen. Den Linken warf er vor, "allen alles" zu versprechen. Er appellierte an die Familien: "Überlegen Sie sich daher ganz genau, wem Sie Ihre Stimme geben."

CDU-Spitzenkandidat Evers kämpft im eigenen Wahlkreis um letzte Stimmen

Zwei Tage vor der Berlinwahl geht es beim Kopf-an-Kopfrennen zwischen Linkspartei und CDU jetzt um jede Stimme. Und um die Wurst. Zumindest an diesem Freitagnachmittag in Alt-Glienicke. Kandidat Stefan Evers hat den Grill anwerfen lassen und ist pünktlich um 17 Uhr auf einer öffentlichen Wiese am Germanenplatz. Heimspiel.

Alt-Glienicke liegt in seinem Wahlkreis Treptow-Köpenick 3, der ihn 2023 ins Abgeordnetenhaus sandte. Die Umgebung ist dörflich, das Publikum mehrheitlich Ü-60. Hier wird Evers nicht von entnervten Innenstadtbewohnern angepampt, sondern von wohlhabenden Bürgern, wenn auch jovial, so doch stets respektvoll: befragt.

Einem Mittsechziger geht es um einen funktionierenden ÖPNV in seinem Vorortbezirk. „Welchen Einfluss können Sie auf die Verantwortlichen bei der S-Bahn nehmen?“, fragt er. „Ganz unmittelbaren“, antwortet Evers. „Ich kann dort immer wieder nerven.“ Ein Mann in himmelblauer Allwetterjacke hält dem Kandidaten vor: „Sie waren im Wahlkampf zu aggressiv. Sie haben gegen Links und Rechts ausgeteilt. Aber nicht gesagt, was Sie erreicht haben.“ Evers widerspricht, sagt, Letzteres habe den Mann dann offenbar nicht erreicht. Und: Dass er gegen radikale Positionen auf der linken und rechten Seite austeile, geschehe schon ganz bewusst. „Da lasse ich an Deutlichkeit nichts missen.“

Dann zieht Evers zur nächsten Gruppe von beieinanderstehenden Alt-Glienickern. Am Grillstand warten sie indes in der Schlange. „Vegane Wurst hatten wir bei früheren Veranstaltungen“, sagt einer der Freiwilligen und schneidet für die Gäste das nächste Brötchen auf. „Das haben wir inzwischen aber gelassen. Das lief damals nicht so gut.“ Ein Wartender mit grauem Vollbart blickt in die Ferne: „Au warte“, sagt er. „Jetzt ist der Evers in die Fänge meiner Frau geraten.“ Dann legt er nach: „Naja, er wird im Wahlkampf schon gelernt haben, sich zu verteidigen.“

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

Sahra Wagenknecht in Berlin: „Die wollen mich niederpfeifen“

Unter den Besuchern der Veranstaltung sind mittlerweile auch Gegner des BSW angekommen. „Die können pfeifen so viel sie wollen, das interessiert mich überhaupt nicht, sagt Partei-Gründerin Sahra Wagenknecht auf der Bühne. Wenige Minuten vorher sprach sie noch davon, dass man sie „niederpfeifen wolle“.

Auf den roten Stoff-Plakaten der Gegner steht „How it started (Rosa)“ und „How it‘s going (Hindenburg)“. Die Personen wurden von der Polizei zunächst auf die andere Seite des Platzes gebracht. Man habe den Sachverhalt klären wollen, sagt ein Polizist auf Nachfrage. Wenige Minuten später waren die Personen samt Schilder ganz weg. „Sie sind freiwillig gegangen“, so der Polizist.

Wagenknecht übt derweil auf der Bühne Kritik daran, dass man das BSW als Steigbügelhalter der AfD bezeichne. Grund für den Erfolg dieser Partei seien die großen, etablierten Parteien und ihre Politik. „Den dicksten Steigbügel hält Herr Merz persönlich und deshalb muss man diesen Mann stoppen“, sagt Wagenknecht und erntet lauten Applaus.

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

Berliner BSW setzt auf Unterstützung von Spitzenkandidatin aus Sachsen-Anhalt

Am 6. September ist es dem BSW in Sachsen-Anhalt gelungen, die 5-Prozent-Hürde zu erreichen. Die Partei zieht in den neuen Landtag ein. In Berlin unterstützt die Spitzenkandidatin Claudia Wittig im Wahlkampf. „Wir setzen uns ein für Frieden und für Meinungsfreiheit“, sagt sie auf der Bühne.

Später äußert sich Wittig noch zum Umgang mit der AfD. Man spreche mit allen Parteien, sagt sie und meint damit die Koalitionsverhandlungen in Sachsen-Anhalt, aber auch die in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

BSW will Corona-Politik in Berlin untersuchen 

„Am Sonntag ziehen wir in das Abgeordnetenhaus sein“, ruft Alexander King. Für Berlin kündigt er einen Corona-Untersuchungsausschuss an, wenn es die Partei am 20. September über die 5-Prozent-Hürde schafft.

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

Fabio de Masi: „Es gibt nur einen King in Berlin“

Vor der Bühne an der Weltzeituhr ist es ganz schön voll geworden. Einzelne halten blau, weiße Fahnen mit Friedenstauben in die Luft. Auf der Bühne geht es bisher lediglich um Kritik an der Bundesregierung und nicht um die Wahlkampfthemen der Hauptstadt, darunter Wohnen, Enteignungen, Sauberkeit und Verkehr.

Nach knapp zehn Minuten übergibt Fabio de Masi dann aber das Mikrofon an Alexander King und Michael Lüders. „Es gibt nur einen King in Berlin und das ist Alexander King“, waren de Masis Worte.

Leonard Laurig

Leonard Laurig

Steffen Krach: "Die letzten Wochen waren turbulent"

Zum Abschluss des Wahlkampfes hat sich SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach nochmals zu dem gegen ihn laufenden Ermittlungsverfahren geäußert. "Die letzten Wochen waren turbulent und auch persönlich anstrengend", sagte er der Berliner Morgenpost am Rande der Abschlusskundgebung in Charlottenburg. Er sei jedoch nach wie vor davon überzeugt, die Vorwürfe der Vorteilsnahme gegen ihn aus dem Weg räumen zu können. Ihm gehe es jetzt darum, noch für jede Stimme zu kämpfen.

Außerdem bekräftigte er seinen Standpunkt, auch im Falle einer Wahlniederlage in Berlin bleiben zu wollen. "Mein Platz ist hier in Berlin, dazu stehe ich", sagte er. Krach arbeitete zuletzt als Regionspräsident in Hannover, kandidiert aber auch in Steglitz-Zehlendorf auf Platz 1 der Bezirksliste und wird wahrscheinlich auf diesem Weg ins Abgeordnetenhaus einziehen.

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

Wahlkampfabschluss des BSW am Alexanderplatz

Nur wenige Meter von der Linken-Veranstaltung entfernt: das BSW. „Die Unzufriedenheit ist mit den Händen zu greifen“, sagt Fabio de Masi, Parteivorsitzender des BSW beim Wahlkampfabschluss am Alexanderplatz. Kritik gibt es an der Verteidigungs- und Energiepolitik der Bundesregierung.

Erwartet werden gleich noch die Berliner Spitzenkandidaten Alexander King, Direktkandidatin Sevim Dagdelen und Michael Lüders und BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht.

Paulina Cwiartka

Paulina Cwiartka

Linken-Kandidatin Eralp wirbt für „Politikwechsel“ in Berlin 

Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp sieht die Berlin-Wahl in zwei Tagen als Richtungswahl. „Am Sonntag geht es um einen Politikwechsel“, sagte die Politikerin der Deutschen Presse-Agentur zum Abschluss des Wahlkampfs. Es gehe um ein bezahlbares Berlin, in dem sich die Menschen die Miete und „die schönen Dinge des Lebens“ noch leisten könnten. „Für ein Berlin, das seinen Menschen gehört und nicht den Interessen einiger Weniger“, so Eralp.

„Diese Wahl ist auch eine Abstimmung über die Richtung, in die unser Land gehen soll, gegen Friedrich Merz und eine kalte Politik der sozialen Spaltung und Kürzungen.“ Sie kämpfe für Zusammenhalt, Respekt und ein besseres Leben für die Vielen, sagte Eralp. „Am Sonntag kann Berlin ein neues Kapitel aufschlagen. Überall sagen mir die Menschen, dass sie sich einen Neuanfang wünschen, für eine soziale, gerechte und zusammenführende Politik.“

Eralp wies nochmals den Vorwurf vor allem der CDU zurück, die Linke tue nicht genug gegen Antisemitismus in ihren Reihen. „Ich stehe ganz klar für den Schutz von jüdischem Leben“, sagte sie am Rande einer Kundgebung zum Wahlkampfabschluss in Mitte. „Dazu habe ich immer gestanden und habe mich klar und eindeutig positioniert.“ In Berlin müssten sich alle Menschen sicher fühlen können, egal ob jüdisch, muslimisch oder queer. 

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

Gregor Gysi: „Ich hoffe, wir laufen als Erste durchs Ziel“

Hätte er in der Vergangenheit gesagt, die Linke habe die Chance, stärkste Kraft in Berlin zu werden, wäre ihm direkt ein Platz „in der Geschlossenen“ angeboten worden. Sowohl die Partei als auch Berlin hätten sich aber verändert, sagt der Alterspräsident des Bundestags und der gebürtige Berliner.

Ines Schwerdtner kritisiert im Talk die Sozialkürzungen der Bundesregierung und kündigt für Berlin bezahlbare Mieten und die Umsetzung des Volksentscheids „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ an. Auch Gysi spart nicht an Kritik an der Regierung, teils wird es persönlich. Bundeskanzler Friedrich Merz nennt er etwa einen „verknitterten Burschen“.

Pia Pentzlin

Pia Pentzlin

Gysi, Schwerdtner und Pellmann im Talk

„Wir müssen endlich mal nach oben schauen“, sagt Ines Schwerdtner, Parteivorsitzende der Linken zum Auftakt des Talks vor dem Roten Rathaus. Direkt zu Beginn spricht sie sich für eine Vermögenssteuer aus und kommt dann aber direkt zur Berlin-Wahl. 
Die Stadt sei bereit für eine linke Bürgermeisterin. Mit Elif Eralp wolle man sich den wichtigen, überwiegend sozialen, Themen der Stadt widmen.

„Die Linke steht explizit für eine gute Bildungspolitik“, ergänzt Sören Pellmann, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Bundestag.

Am Rande der Veranstaltung hat das Orga-Team aktuell mit Zwischenrufen eines Mannes zu tun und versucht, ihn von der Bühne fernzuhalten. Trotz lauter Ansprachen sind seine „Free Palestine“-Rufe zu hören.

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