Wahltag in Sachsen-Anhalt: Internationale Presse sieht Zäsur und zieht historische Vergleiche

Zum ersten Mal seit dem Ende der NS-Zeit könnten Rechtsextreme in einem Bundesland die Macht übernehmen, schreibt die »New York Times«. Auch in Brasilien ist man besorgt.

Quelle: DIE ZEIT, dpa,

jsp

Aktualisiert am 6. September 2026, 22:12 Uhr

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Wahltag in Sachsen-Anhalt: Ulrich Siegmunds AfD hat die Landtagswahl mit großem Abstand gewonnen.
Ulrich Siegmunds AfD hat die Landtagswahl mit großem Abstand gewonnen. © Anna Tiessen für DIE ZEIT

Die internationale Presse reagiert bestürzt auf das starke Abschneiden der rechtsextremen AfD in Sachsen-Anhalt – und verweist auf historische Zusammenhänge. Die New York Times (NYT) sieht die Möglichkeit, »dass die extreme Rechte zum ersten Mal seit dem Ende der Nazizeit in einem Teil des Landes die Macht übernehmen könnte«. Unabhängig davon, ob die AfD an die Macht komme oder knapp daran scheitere – »das prognostizierte Ergebnis erschüttert bereits jetzt das politische Establishment des Landes«, schreibt die NYT, die die Wahl in einem eigenen Liveblog prominent auf ihrer Seite begleitete.

Die britische Financial Times spricht von einem schweren Rückschlag für die etablierten politischen Parteien, die Times von einer »persönlichen Demütigung« für Bundeskanzler Friedrich Merz, »dem geraten worden war, den Wahlkampf fast gänzlich zu meiden – aus Angst, seine persönliche Unbeliebtheit könnte der AfD Auftrieb geben«.

Für den Standard aus Österreich markiert dieser Sonntag den »völligen Absturz der CDU«. Ein klareres Votum als dieses »gegen die Weiter-wie-bisher-Politik« sei undenkbar. »Noch nie, seit Deutschland von den rechtsextremen Nationalsozialisten befreit wurde, waren Rechtsextreme so nah daran, eine Regierung zu übernehmen«, schreibt der Standard. »Was in Sachsen-Anhalt seinen Höhepunkt erreicht hat, wird nicht in Sachsen-Anhalt enden.«

  • Stimmenverteilung: Hochrechnung

    76,9 % Wahlbeteiligung

    Stand: So., 23.22 Uhr •

    Quelle:

    • AfD

      44,4 %

      +23,6

      ’21

      2026

    • CDU

      17,2 %

      −19,9

    • SPD

      9,1 %

      +0,7

    • Grüne

      8,9 %

      +3,0

    • Linke

      8,6 %

      −2,4

    • BSW

      5,2 %

    • FDP

      2,5 %

      −3,9

  • Mögliche Koalitionen

    Mehrheit mit 42 Sitzen

    • AfD +BSW (Duldung)

      44 Sitze

    • AfD allein

      39 Sitze

    • CDU +SPD +Grüne +Linke (Duldung)

      39 Sitze

    • CDU +SPD +Grüne

      31 Sitze

  • Wahlkreise

    40 / 41 ausgezählt

    Deutschlandkarte

Alle Wahlergebnisse aus Sachsen-Anhalt

Die AfD habe von der Frustration über eine schwächelnde Wirtschaft und steigende Energiepreise profitiert, analysiert die belgische Zeitung De Tijd. In den Niederlanden stellt de Volkskrant die Frage, ob CDU-Ministerpräsident Sven Schulze »dieses Wahlergebnis politisch überleben wird«.

Sollte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt werden, wäre das ein »seit dem Zweiten Weltkrieg beispielloses Ereignis in Deutschland«, schreibt die brasilianische Tageszeitung Folha de São Paulo. Siegmund habe »einen populistischen Wahlkampf auf TikTok geführt und dabei emotionale Erinnerungen an die ehemalige DDR geweckt«.

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