Waldbrand trifft Frankreichs Rüstung: Ariane, Dassault, Thales in der Feuerzone

Frankreich evakuiert Region

Waldbrände bedrohen Rüstungsstandorte

Von afp

Aktualisiert am 28.07.2026 - 18:55 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Brände in Frankreich haben schon Zehntausende Hektar Wald vernichtet. Jetzt geraten auch wichtige Industriebetriebe in Gefahr.

Eine Sprengstofffabrik, ein Raketenwerk und mehrere Forschungszentren: Der verheerende Waldbrand im Südwesten Frankreichs bedroht auch die Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtindustrie. Die Region Bordeaux ist ein wichtiger Standort der Branchen; manche der Einrichtungen liegen mitten im Kiefernwald.

Das Feuer, das seit Mittwoch zwischen dem Atlantik und der Metropole wütet, verwüstete bereits mehr als 42.000 Hektar Land. "Experten und Mittel" seien "zum Schutz der Industriestandorte" im Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in Paris mit. Allein die ArianeGroup hat vier Standorte in dem gefährdeten Gebiet. Zwei davon liegen in Saint-Médard-en-Jalles, einer evakuierten Gemeinde.

Dort werden M51-Raketen mit hochentzündlichem Treibstoff befüllt. Eine weitere Produktionsstätte, die vor allem Triebwerke für die Trägerrakete Ariane 6 herstellt, befindet sich in der Kleinstadt Le Haillan, die die Bewohner ebenfalls verlassen mussten. Das Unternehmen teilte der Nachrichtenagentur AFP mit: "Die ArianeGroup steht in ständigem Kontakt mit den örtlichen und nationalen Behörden. Die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Schutz der Standorte der ArianeGroup werden berücksichtigt."

Auch Roxel France, eine auf Raketentriebwerke spezialisierte Tochtergesellschaft des europäischen Rüstungsunternehmens MBDA, produziert in der Region, genauso wie Dassault, Safran und Thales, die drei wichtigsten französischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne.

"In der Nacht haben wir rund um eine Reihe kritischer Standorte Erdarbeiten ausgeführt, um Brandschneisen anzulegen, jegliche Vegetation zu entfernen und so dem Feuer keine Nahrung zu bieten", hatte die Präfektin des Département Gironde, Sophie Brocas, am Samstag mitgeteilt und den Einsatz der Bauunternehmen gewürdigt.

Weiter südlich, in der ebenfalls evakuierten Gemeinde Le Barp, betreibt die Atomenergiebehörde CEA die Forschungsstätte Cesta für das französische Verteidigungs- und Atomprogramm. Sie liegt in sicherer Entfernung zum Wald, wie eine AFP-Journalistin am Sonntag feststellte.

220.000 Menschen mussten evakuiert werden

"Alles ist unter Kontrolle, machen Sie sich keine Sorgen, die Absicherung ist im Gange", sagte Philippe Bérisset, Forscher am Cesta und Leiter der Kommunikation, und versicherte, dass zum jetzigen Zeitpunkt "kein Risiko" bestehe. Laut der Verwaltung von Le Barp wurden Lehren aus den Großbränden 2022 gezogen, die die Gemeinde bedrohten.

Damals sei die Armee eingeschritten und habe eine "Mega-Feuerbarriere" errichtet, sagt Jacques Moretto, erster stellvertretender Bürgermeister von Le Barp, der lange Zeit für die Atomenergiebehörde arbeitete. "Es ist eine Einrichtung, die an der nuklearen Abschreckung arbeitet, und daher von großer Bedeutung für den Staat", betont er. "Außerdem steht dort der Megajoule-Laser, der ebenfalls mehrere Milliarden Euro wert ist." In der derzeitigen Lage sei die Anlage ein Trumpf für den Ort und seinen Schutz, so der Vizebürgermeister.

Bis Montag mussten bereits rund 220.000 Menschen vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Am Dienstagmorgen war die Lage laut Behörden stabil. Der Wetterdienst prognostiziert allerdings steigende Temperaturen und auffrischende Winde.