Hunderttausende evakuiert, Urlauber-Hotspot getroffen: Unkontrollierte Waldbrände in Spanien und Frankreich

Waldbrände in Spanien und Frankreich außer Kontrolle: Urlauber evakuiert, Flughafen zu – „Katastrophe“

Stand: 25.07.2026, 08:05 Uhr

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Frankreich, Spanien und Italien kämpften weiter gegen schwere Waldbrände. Die Flammen nehmen mittlerweile Kurs auf zwei Großstädte. Die Lage spitzt sich zu.

Bordeaux/Madrid – Die Waldbrandlage in Frankreich und Spanien spitzt sich weiter zu. In Spanien wurde für zwei Regionen der Notstand ausgerufen, tausende Menschen mussten bereits evakuiert werden. Das Großfeuer in der Region Madrid sei aktuell auf seinem Höhepunkt, zuvor hatten sich mehrere kleinere Brände miteinander verbunden. Auch in Frankreich müssen sich tausende Menschen vor dem Inferno in Sicherheit bringen. Nach aktuellen Angaben wurden allein an der Atlantikküste 110.000 Menschen evakuiert. Das Feuer nimmt hier Kurs auf Bordeaux.

Waldbrand in Frankreich

Noch ist der beliebte Urlaubsort Lacanau nicht direkt von dem Waldbrand bedroht. © Maximilien Lamy/AFP/dpa

In Frankreich gestaltet sich die Waldbrandlage kritisch, die Brände sind weiterhin außer Kontrolle. Da sich der Wind gedreht habe, habe das Feuer nun zudem seine Ausbreitungsrichtung geändert, sagte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez dem Fernsehsender TF1. Jetzt breiten sich die Flammen nach Osten in Richtung des Ballungsraums von Bordeaux aus. Mittlerweile wurden an Frankreichs Atlantikküste laut Nuñez rund 110.000 Menschen evakuiert. Bordeaux sei aktuell nicht unmittelbar bedroht, doch wurde der Flughafen Bordeaux-Mérignac wegen der dichten Rauchentwicklung bereits geschlossen.

Tausende Urlauber von Waldbränden betroffen

Auch Urlauber sind bereits von den Waldbränden betroffen. An der auch bei deutschen Touristen beliebten Küste bei Bordeaux mussten weitere 24.000 Menschen zehn am Becken von Arcachon gelegene Orte verlassen, wie die Präfektin des Departements Gironde, Sophie Brocas, sagte. Rund 20.000 Menschen waren zuvor bereits vor allem von Campingplätzen und aus Ferienanlagen evakuiert worden. Von Cap Ferret aus wurden für die Evakuierung auch Schiffe eingesetzt.

Wegen eines weiteren Brandes an der Atlantikküste südlich von Bordeaux im Bereich des Ortes Biscarrosse wurden inzwischen 23.000 Menschen evakuiert. Auch hier waren vor allem Campingplätze und Urlaubsquartiere betroffen. Dort hatte ein Lieferwagen auf einer durch einen Wald führenden Landstraße wahrscheinlich wegen eines technischen Defekts Feuer gefangen. Die Flammen griffen schnell auf die Natur über. 100 Häuser wurden bei dem Brand beschädigt, 700 Feuerwehrleute sind im Einsatz.

Dramatische Szenen gab es auch bei einem Reitgestüt in Biscarrosse: Wie auf Videobildern der Zeitung „Le Figaro“ zu sehen war, wurden Pferde aus ihren Stallungen gelassen, damit sie sich über die Straße galoppierend vor dem heranrückenden Brand retten konnten.

Wann die Touristen in ihre Urlaubsquartiere zurückkönnen, ist noch offen. Vorläufig kamen die Betroffenen in Notunterkünften und Ausweichquartieren in angrenzenden Urlaubsorten unter. In Bordeaux wurde auch eine Messehalle zur Einquartierung evakuierter Touristen geöffnet, man rüstet sich auf die Aufnahme von bis zu 10.000 Evakuierten. Die Gendarmerie koordiniert die Evakuierungen und bewacht die verwaisten Campingplätze und Ferienzentren, wo viele Menschen Wohnwagen und Zelte zurücklassen mussten. 

Hitze macht Frankreich weiter zu schaffen, Wind erschwert Waldbrandlage zudem

Parallel zu den schweren Waldbränden macht weiter die Hitze dem Land zu schaffen. Es wurden erneut Temperaturen von bis zu 39 Grad in der Region erwartet. Es wehte zudem Wind, die Lage zur Eindämmung und Bekämpfung der Brände bleibe weiter sehr unbeständig und ungünstig. Das erklärte die Präfektur des Départements Landes mit Blick auf den Brand in Biscarrosse.

Unterstützung bei den Löscharbeiten erhält Frankreich auch über den Hilfsmechanismus der Europäischen Union. Wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, kämen zur Unterstützung unter anderem zwei Löschflugzeuge aus Kroatien sowie Hubschrauber aus Tschechien und der Slowakei. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz bot Frankreich Unterstützung an: „Wir sind bereit, Frankreich im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus zu helfen. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen und den Einsatzkräften.“

Lage spitzt sich auch in Spanien zu, Waldbrand in Region Madrid „auf seinem Höhepunkt“

Auch in Spanien spitzt sich die Lage vielerorts zu. Für die Umgebung der Hauptstadt Madrid und eine weitere Region wurde der Notstand ausgerufen. Nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE ist dies das erste Mal, dass wegen Waldbränden ein solcher Notstand erklärt wird. In den betroffenen Regionen mussten inzwischen mehr als 20.000 Menschen ihre Häuser verlassen, die meisten davon im Großraum Madrid. Bereits in den vergangenen Wochen setzten schwere Brände Spanien zu, auch Todesopfer wurden bestätigt.

Das Großfeuer in der Region der Hauptstadt Madrid sei „auf seinem Höhepunkt“ und derzeit „nicht zu löschen“, sagte der Leiter des Katastrophenschutzes der Regionalregierung, Carlos Novillo. Wegen starken Winds könne sich der Brand weiter ausbreiten. Auch Urlauber mussten mittlerweile ihre Unterkünfte verlassen. Darunter nach Angaben des spanischen Innenministeriums auch 5000 Urlauber auf einem Campingplatz. Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sprach vom „schlimmsten Brand in der Geschichte“ der Region Madrid und von einer „Katastrophe“.

Zwei der drei Brände westlich der spanischen Hauptstadt waren nach Behördenangaben bereits zu einem Großfeuer verschmolzen. Dieses zog auf die Gemeinde Navas del Rey zu, rund 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, und stand örtlichen Vertretern kurz davor, sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León zu verbinden.

Auch in Italien kämpfen Einsatzkräfte aktuell vielerorts gegen die Flammen. Ein nun veröffentlichtes Video sorgte zudem für Entsetzen. Es legt eine barbarische Praktik mancher Brandstifter offen. Diese würden für die rasche Verbreitung der Flammen unter anderem Katzen als lebende Fackeln missbrauchen. Quellen: dpa, AFP (jl)