Waldbrände nähern sich Bordeaux: „Wir bereiten uns auf jedes Szenario vor“
Wenn Khadija Ben Ammar aus dem Fenster schaut, kann sie die hohen Rauchsäulen sehen, die ihre Stadt bedrohen. „Wir haben auch den ganzen Tag Brandgeruch in der Nase“, sagt die Französin dem Tagesspiegel. Ben Ammar lebt etwas außerhalb von Bordeaux. Seit Tagen nähern sich schwere Waldbrände der Metropole an der französischen Atlantikküste. 20 bis 30 Kilometer waren sie am Sonntagmorgen noch entfernt.
Nach Angaben der Behörden wurden seit Mittwoch im Südwesten Frankreichs mehr als 200.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der größte Waldbrand im Département Gironde – in dessen Zentrum Bordeaux liegt – hat inzwischen rund 42.000 Hektar Wald und Buschland zerstört – eine Fläche halb so groß wie Berlin.
In der Nacht zum Sonntag ordnete die Präfektur die vorsorgliche Evakuierung von 55.000 weiteren Menschen in mehreren Gemeinden westlich und südwestlich von Bordeaux an. Nach Angaben der Feuerwehr entwickelte der Brand zeitweise einen sogenannten Pyrocumulonimbus – eine gewaltige Rauchwolke, die ihre eigenen Winde erzeugen kann und Feuer besonders unberechenbar macht. Rund 140 Wohnhäuser wurden bereits zerstört.

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Mehr als 2500 Feuerwehrleute sind in der Region im Einsatz.

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Doch auch sie können nicht alles retten. Etwa 140 Häuser sind in der Region um Bordeaux bereits zerstört worden.

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Dabei wirkt es fast wie ein Wunder, dass bislang noch keine Todesopfer bekannt sind.
In der Stadt selbst herrscht eine unheimliche Stille, berichtet Karsten Kurowski. Er lebt und arbeitet seit 40 Jahren in der Region. „Am Samstag waren die Straßen ziemlich leer, dabei ist das eigentlich der Haupteinkaufstag“, sagt Kurowski. „Die einzigen Menschen, die da herumliefen, waren Touristen. Die Stimmung ist schon sehr gedrückt.“ Auch er berichtet von verräucherter Luft. Die Stadt würde inzwischen sogar FFP2-Masken verteilen.
Nach Angaben des französischen Innenministeriums sind in der Region rund 2500 Feuerwehrleute im Einsatz, dazu etwa 1500 Militärangehörige und knapp 1200 Polizisten. Es ist einer der größten brandbedingten Notfalleinsätze in der Geschichte Frankreichs. „Dieses Feuer ist unberechenbar, und jedes Mal, wenn wir glauben, einen Kampf gewonnen zu haben, überrascht es uns leider auf die schlimmstmögliche Weise“, sagte Jérôme Steffe, Bürgermeister von Cestas, einer von den Evakuierungen betroffenen Gemeinde, dem Sender „BFMTV“.

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In der Kernstadt Bordeaux mit ihren mehr als 260.000 Einwohnern soll es vorerst keine Evakuierungen geben, sagte Bürgermeister Thomas Cazenave am Samstag. Gleichzeitig würde man sich aber „auf jedes Szenario vorbereiten“. Karsten Kurowski nimmt bislang auch noch keine Massenflucht aus der Stadt wahr. „Die Menschen verfolgen das alles mit großer Sorge, aber sind nicht in Panik“, sagt er. Schon 2022 gab es hier in der Region schwere Brände. „Es traf uns jetzt hier überraschend, aber nicht ganz unvorbereitet.“

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Für alle Menschen aus den umliegenden Orten, die ihre Häuser verlassen mussten, wurden mehrere Notfallzentren eingerichtet, das größte davon in den Messehallen im Norden der Stadt. „Die Halle ist riesig und sie bauen immer weitere Feldbetten auf. Aber das wird auch nötig sein“, sagt Kurowski, der am Samstagabend vor Ort war. „Man muss den Menschen dort nur ins Gesicht schauen, dann weiß man, wie denen zumute ist.“ Besonders belastend ist die Situation für Kranke und Pflegebedürftige, auch für Bewohner aus evakuierten Seniorenheimen. „Denen kann man mehrere Nächte auf Feldbetten eigentlich nicht zumuten“, sagt Kurowski.

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Beeindruckend sei aber die Hilfsbereitschaft. Mehrere Hundert Helfer hätten sich bereits freiwillig gemeldet, um in den Aufnahmezentren zu unterstützen. „Sie bereiten Mahlzeiten zu, verteilen Essen oder beruhigen die Menschen“, sagt Kurowski. Auch Khadija Ben Ammar lobt die Solidarität. „Hier bei uns in der Siedlung gibt es einige, die auch Zimmer anbieten oder Feuerwehrleute versorgen“, erzählt sie.
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez warnte unterdessen vor einem langwierigen Einsatz. „Das Feuer wird lange zu bekämpfen sein“, sagte er in einem Interview mit „La Tribune Dimanche“. Und selbst wenn die Flammen gelöscht sind, werden die Wunden lange sichtbar bleiben. „Ich kenne die Landschaft hier sehr gut“, sagt Kurowski. „Dass man statt der Kiefern nur noch verkohlte Stämme sieht, ein ganzer Wald nur noch grau, ohne Blätter, ohne Nadeln, das mag ich mir gar nicht vorstellen.“ (mit dpa)