Möglicher Defekt am Flugzeug: Söders Tagestrip nach Kroatien gerät auf der Zielgeraden ins Schlingern
Ein bösartiges Vorurteil über Kroatien besagt, dass man in dem südosteuropäischen Land zu allen Mahlzeiten am allerliebsten Fleisch mit Fleisch zu sich nehme. Es wird an diesem Donnerstag beim Besuch von Markus Söder (CSU) bei Premierminister Andrej Plenković in Zagreb zumindest insofern widerlegt, als zum Grillteller als Beilage Pommes und Gemüse gereicht werden. „Essen war gut“, lautet das zufriedene Urteil des bayerischen Ministerpräsidenten, der sich kulinarisch in Kroatien schon mal wohlzufühlen scheint.
Es ist Söders dritter Besuch als Ministerpräsident, in Zagreb wird er von Premierminister Andrej Plenković vor dessen Regierungssitz empfangen, er begrüßt ihn mit den Worten „mein Freund“. Plenković ist seit 2016 im Amt und damit der dienstälteste Regierungschef in der Europäischen Union. Bei der Kurzvisite aus Bayern handelt es sich vor allem um eine Geste der Freundschaft, die allerdings hochkarätig besetzt ist.

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Auf kroatischer Seite nehmen neben dem Premierminister der Innen- und der Außenminister an den Gesprächen teil. Aus Bayern sind Staatskanzleichef Florian Herrmann, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (beide CSU) sowie die Fraktionsvorsitzenden von CSU und Freien Wählern im Landtag, Klaus Holetschek und Florian Streibl, mit angereist. Alles ist perfekt organisiert – erst am Ende des Tages wird der Reiseplan der bayerischen Delegation auf dem Zagreber Flughafen etwas durcheinandergewirbelt.
Söder und Plenković fordern Tempo von Europa für ihr Pipeline-Projekt
„Europa muss sich endlich bewegen“, lautet die gemeinsame Botschaft, die Söder auf einer Pressekonferenz mit Plenković vorträgt. Bayern und Kroatien wollen Druck auf die Europäische Union ausüben, um ihren Plan für Gas- und Wasserstoffpipelines von der Insel Krk über Slowenien und Österreich bis in den Freistaat schneller als bisher voranzubringen. Entsprechende Absichten existieren schon länger, nur voran geht seit einer Weile: nichts.
Dabei wäre Kroatien gerne zentraler Energieknotenpunkt in Südosteuropa. Mit der Inbetriebnahme eines LNG-Terminals vor der Insel Krk hat das Land vor fünf Jahren dafür die Voraussetzungen geschaffen. Bayern wiederum möchte unabhängiger von Energie aus dem Norden werden, so stellt es Söder dar. Er fordert: „Wir müssen dieses Projekt zu einem vordringlichen Projekt in Europa machen.“

Fraktionsklausur in Kloster Banz
:Söders Empathie-OffensiveVolkspartei bleiben, Kanzler stützen, Familien bevorzugen – Ministerpräsident Söder reagiert mit allerhand Vorschlägen auf die jüngsten Wahlergebnisse. Auch für die Grundschulen gibt es Pläne.
Plenković kündigte dazu auch Gespräche mit den Ländern Slowenien und Österreich an, durch die die Pipelines laufen müssten. Bis in zwei Jahren könnte das Projekt im besten Fall Realität werden, sagt er. Kroatien habe seine Flüssiggaskapazität seit Söders letztem Besuch im Jahr 2022 von 3,9 auf 6,1 Milliarden Kubikmeter pro Jahr gesteigert, berichtet der Kroate. Weil sein Land lediglich 2,7 Milliarden Kubikmeter selbst brauche, sei der Rest verfügbar, „den könnten wir in Nachbarländer transportieren“.
Für Söder geht es bei dem Thema auch um bayerische Autarkie. Weil der Freistaat mehr Strom verbraucht, als er selbst produziert, muss er die Lücke unter anderem mit Energie aus Norddeutschland schließen. „Das wirtschaftliche Herz Deutschlands“ sei aber nicht der Norden, „es ist der Süden“. Mehr Tempo sei nötig, um „bei der Energieversorgung noch unabhängiger zu werden“. Das sei auch eine sicherheitspolitisch relevante Frage über Bayern und Deutschland hinaus: Die Anfälligkeit Europas beim Thema Energie wachse. Söder nennt die hohen Ölpreise und die unsichere Lage in der Straße von Hormus, um seine These zu untermauern.
Der Rückflug scheitert im ersten Anlauf
Die bayerische Delegation hat in Zagreb ein sportliches Programm zu absolvieren, direkt nach den Gesprächen im Regierungssitz geht es zum Mittagessen in ein zünftiges Lokal, danach weiter in die Altstadt zu einem kurzen Spaziergang. Dort läuft Söder einer Gruppe unterfränkischer Seniorinnen und Senioren in die Arme, die sich schnell als Fans entpuppen. Der Ministerpräsident macht sie glücklich mit Selfies, zum Dank drücken ihm die Rentner eine Frankenfahne in die Hand. Es scheint schon was dran zu sein am Talent der CSU, Nähe zu den Bürgern herzustellen. Dem Parteichef gelingt es sogar im Ausland.

Markus Söder trifft in Zagreb auf eine Besuchergruppe aus dem Fränkischen.
Dominik FürstDanach empfängt der Deutsche Botschafter Söder im Hotel Esplanade, um kurz gemeinsam den Tag der Deutschen Einheit zu feiern, wenn auch verfrüht. Staatskanzleichef Herrmann darf ein Fass anzapfen, er scheint in der bayerischen Staatsregierung der kompetenteste Mann für diese Aufgabe zu sein. Es bricht Herrmann dann allerdings nach dem ersten Schlag ein Stück des Zapfhahns weg, wofür er nichts kann, und das Bier gelangt nur tröpfchenweise nach draußen. Als Söder und seine Leute schließlich aufbrechen, bleiben die Kroaten mit einem vollen Fass zurück.
Ins Stocken gerät der penibel geplante Kurzbesuch erst auf dem Rückweg: Das Flugzeug mit der bayerischen Delegation an Bord beschleunigt bereits zum Abflug, als der Pilot den Start abbrechen muss. Eine auffällige Triebwerksanzeige. Weil weitere Tests am Boden kein befriedigendes Ergebnis liefern, müssen Söder und die anderen Passagiere raus aus der Maschine. Das Triebwerk selber sei zwar sauber gelaufen, erklärt der Pilot, aber auf seiner Armatur habe ein gelbes Licht geleuchtet, „und mit gelbem Licht fliegen Sie nicht los“. Sicherheit geht vor, womit alle einverstanden sind.
Am Ende kann die Delegation doch mit demselben Flugzeug zurückfliegen, nach einer Stunde ist es wieder startklar. Die Wartezeit bis dahin scheint dem Ministerpräsidenten nichts auszumachen. Er ist zu Scherzen aufgelegt. Vielleicht freut er sich auch noch über die Zusage des kroatischen Premierministers vom Mittag. Da hatte Plenković versichert, die Münchner Bewerbung für Olympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 „auf jede mögliche Art zu unterstützen“. Und das Thema Olympia ist auf Markus Söders Reisen in diesen Tagen insgeheim ohnehin das Wichtigste. Da nimmt der Ministerpräsident auch mal eine verspätete Heimreise in Kauf.