Warnsignal im Südpazifik: HIV-Notstand in Fidschi

Auf den Südpazifikinseln galt HIV lange als begrenztes Problem. Doch nun haben die Fidschi-Inseln einen der weltweit schnellsten Infektionsanstiege.

Auf einer Hand mit Schutzhandschuh liegen drei Spritzen
Fidschi erklärt HIV zur nationalen Krise und plant die Ausweitung kostenloser Tests und will sterile Nadeln bereitstellen

Foto: Bai Yongquan/picture alliance

Auf den nördlich von Neuseeland gelegenen Fidschi-Inseln sind 2.016 neue HIV-Infektionen im Jahr 2025 diagnostiziert worden. Auf den Inseln im Südpazifik lebt also etwa eine von 60 erwachsenen Personen mit dem Virus, das sind 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Denn nach Schätzungen von UNAIDS waren Ende 2025 rund 9.100 Menschen mit dem Virus infiziert. Vor fünf Jahren waren es erst 167 Personen gewesen.

Doch nur 39 Prozent der Infizierten wissen überhaupt von ihrer Infektion, und lediglich 22 Prozent erhalten eine antiretrovirale Behandlung. 2025 kamen 59 Kinder mit HIV zur Welt, davon starben 18 schon vor ihrem ersten Geburtstag.

Diese kritische Situation ist nicht plötzlich entstanden. Nach Angaben von UNAIDS haben sich die Neuinfektionen seit 2010 etwa verzwölffacht. Bereits im Januar 2025 hatte die Regierung wegen des Anstiegs einen HIV-Ausbruch ausgerufen. Jetzt folgte die Ausrufung des nationalen Notstands und die Einsetzung eines Krisen-Kabinettsausschusses aus fünf Ministern.

Intravenöse Drogen

Anders als im benachbarten Papua-Neuguinea, wo HIV seit Jahren vor allem durch sexuelle Übertragung verbreitet wird und inzwischen besonders Frauen und Kinder betroffen sind, verändert sich die Epidemiologie Fidschis seit einigen Jahren durch den intravenösen Drogenkonsum. Von den 2.016 Neuinfektionen des Jahres 2025, bei denen der Übertragungsweg bekannt war, entfielen 42 Prozent auf injizierenden Drogenkonsum; mehr als die Hälfte stand mit sexueller Übertragung in Verbindung. Allerdings blieb bei fast 58 Prozent der Fälle der Übertragungsweg unbekannt, so das Gesundheitsministerium von Fidschi.

Das Sexualverhalten liefert zwar Hinweise, bietet allerdings keine einfache Erklärung. Eine fidschianische Erhebung hatte 2021 ergeben, dass unter 15- bis 49-Jährigen mit mehreren Sexualpartnern beim letzten Geschlechtsverkehr nur 24,1 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen ein Kondom benutzt hatten. Bei jungen Menschen war zudem das Wissen über HIV-Prävention begrenzt: Nur 26,1 Prozent der Männer und 29,9 Prozent der Frauen zwischen 15 und 24 Jahren erfüllten die Kriterien für umfassendes Präventionswissen.

Fidschi steht damit nicht allein, aber seine Entwicklung ist ungewöhnlich steil. Die WHO verwies bereits 2025 auf Fidschi und Papua-Neuguinea als zwei pazifische Länder mit eskalierenden HIV-Epidemien.

In Papua-Neuguinea stieg die Zahl der Menschen mit dem Virus seit 2010 auf schätzungsweise 120.000; die Prävalenz unter 15- bis 49-Jährigen lag 2024 bei etwa 1,5 Prozent. In kleineren Pazifikstaaten wie Kiribati liegt sie deutlich niedriger.

Fidschis Regierung will nun kostenlose Tests ausweiten und sterile Nadeln bereitstellen. Jason Mitchell, der die nationale HIV-Einsatzgruppe leitet, rechnet mit mindestens fünf Jahren, um die Epidemie unter Kontrolle zu bringen.

UNAIDS-Chefin Winnie Byanyima formuliert den größeren Befund: „Aids ist nicht vorbei.“ Für einen Inselstaat mit weniger als einer Million Einwohner ist die Geschwindigkeit der Entwicklung ein Warnsignal für den gesamten Pazifik.

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