Warum Apple Jony Ive in der Klage gegen OpenAI schont | ifun.de

Persönliche Beziehungen erschweren den Konflikt

Apple geht gerichtlich gegen OpenAI und zwei frühere Mitarbeiter vor. Der Konzern wirft dem ChatGPT-Anbieter vor, vertrauliche Informationen für den Aufbau einer eigenen Gerätesparte genutzt zu haben. In der rund 40 Seiten langen Klageschrift (PDF-Download) fehlt allerdings ein prominenter Name: Jony Ive, Apples ehemaliger Designchef und heutige Gestalter der geplanten OpenAI-Geräte.

Jony Ive Design Labor

Aus früheren Jahren: Jony Ive in seinem Design-Labor bei Apple

Eine Auslassung die auffällt auf, weil Ive eine zentrale Rolle bei den Hardwareplänen von OpenAI spielt. Das Unternehmen übernahm 2025 die von Ive gegründete Firma io für 6,5 Milliarden Dollar. Über sein Designstudio LoveFrom verantwortet Ive nun die Gestaltung einer Gerätefamilie, die langfristig auch mit dem iPhone konkurrieren könnte.

Vorwürfe richten sich gegen operative Verantwortliche

Apple beschuldigt OpenAI, Bewerber nach unveröffentlichten Produkten gefragt und zum Mitbringen von Bauteilen aufgefordert zu haben. Frühere Beschäftigte sollen zudem interne Dateien heruntergeladen und Hinweise zur Umgehung von Sicherheitskontrollen erhalten haben. Eine wichtige Rolle schreibt Apple dabei dem früheren iPhone-Manager Tang Tan, der inzwischen die Hardwareentwicklung bei OpenAI leitet. Weitere Einzelheiten zu den behaupteten Dateizugriffen und internen Nachrichten hatte Apple bereits in seiner Klageschrift dargelegt.

Altman Ive

Für eine Beteiligung Ives an diesen Vorgängen liegen offenbar keine Hinweise vor. Er prägt zwar die Produktidee und das Design, ist aber weniger stark in Personalgewinnung, Entwicklung und Tagesgeschäft eingebunden. Eine direkte Klage gegen ihn könnte außerdem den Eindruck erwecken, Apple wolle frühere Konflikte austragen. Ive hatte das Unternehmen 2019 verlassen und noch bis 2022 als Berater unterstützt.

Persönliche Beziehungen erschweren den Konflikt

Wie der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg berichtet, könnte bei Apples Vorgehen auch Ives enge Freundschaft mit Laurene Powell Jobs eine Rolle spielen. Die Witwe von Steve Jobs investierte in io und unterstützt LoveFrom. Zugleich pflegt sie weiterhin enge Kontakte zu Apple, zu Tim Cook und zu dessen vorgesehenem Nachfolger John Ternus.

  • Mit OpenAI: Jobs-Witwe unterstützt Jony Ives KI-Hardware

Eine öffentliche Konfrontation mit Ive könnte deshalb auch Apples Verhältnis zu Powell Jobs belasten. Ihr Name besitzt im Unternehmen weiterhin Gewicht, obwohl sie weder dem Verwaltungsrat angehört noch zu den größten Aktionären zählt. Bloomberg zufolge dürfte Apple die möglichen Folgen einer Erwähnung Ives in der Klageschrift berücksichtigt haben. Belegen lässt sich diese Abwägung bislang nicht.

Der Rechtsstreit zeigt, wie eng Apple und OpenAI trotz ihrer unterschiedlichen Interessen miteinander verbunden sind. Mehr als 400 frühere Apple Beschäftigte arbeiten inzwischen bei OpenAI. Gleichzeitig kooperieren beide Unternehmen seit 2024 bei der Einbindung von ChatGPT in Apples Betriebssysteme. Apple hat den Druck zuletzt zusätzlich erhöht und rund 40 frühere Mitarbeiter zur Sicherung von Unterlagen aufgefordert.