Eidgenosse Schneider lebt völlig anders als Vollprofi Giger
Warum er nicht Profi sein will
Eidgenosse Schneider ist der Anti-Giger
Domenic Schneider und Samuel Giger sind Freunde. Ihre Herangehensweise im Schwingsport könnte aber nicht unterschiedlicher sein.
Publiziert: 17:48 Uhr
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Aktualisiert: 18:21 Uhr
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Domenic Schneider ist das Gegenmodell zu Vollprofi Samuel Giger
- Er arbeitet täglich auf seinem 104-jährigen Familienbetrieb mit 40 Kühen
- Im Schwingsport sind beide erfolgreich – Schneider verblüfft, weil er selten verletzt ist
Nicola AbtReporter Sport
Sie sind Freunde, Kranzfestsieger und Eidgenossen. Die beiden Thurgauer zählen seit Jahren zur Spitze. Doch während sich Samuel Giger (28) als Vollprofi ganz auf den Schwingsport konzentriert, beginnt für Domenic Schneider (32) jeder Tag im Stall. «Um fünf Uhr starte ich mit dem Melken», erklärt er.
Der Publikumsliebling besitzt mehr als 40 Kühe auf seinem Hof in Friltschen TG und arbeitet jeden Tag. Er ist damit das krasse Gegenmodell zu Giger. Neben der Milchwirtschaft gehören auch Kirschbäume und eine Obstanlage zum 104-jährigen Familienbetrieb. «Aktuell ist es etwas ruhiger, weil es so trocken ist und keine Mäharbeiten anstehen. Doch schon bald beginnt die Obsternte.»
Dankeschön an seinen Vater
Dass Giger als Vollprofi lebt, stört Schneider nicht – im Gegenteil. «Ich mag es ihm gönnen. Das muss schliesslich jeder für sich selbst entscheiden. Zudem ist Sämi ja nicht der einzige Vollprofi im Schwingen.»
Für Schneider selbst käme dieser Weg allerdings nicht infrage. «Ich könnte auch weniger arbeiten. Aber ich will nicht. Mir gefallen die Aufgaben auf dem Hof. Da erlebst du jeden Tag ganz viele Sachen.» Dass Schneider Beruf, Sport und Familie aneinander vorbeibringt, verdankt er seinem engsten Umfeld.
Gemeinsam mit seiner Frau Olivia kümmert er sich um die drei Kinder. Sein Vater Andreas schaut zum Hof, wenn Schneider an den Schwingfesten ist. «Dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Ohne seine Hilfe könnte ich den Schwingsport nicht in dieser Form betreiben.»
Kinder überraschten Schneider
Schneiders Mutter hilft ebenfalls auf dem Betrieb mit. «Wir sind ein super Team.» Wie viel ihm seine Familie bedeutet, zeigte sich erst vor wenigen Wochen auf dem Weissenstein. Nach dem 100. Kranz überraschten ihn seine Kinder im Festzelt.
Auf der Bühne setzten sie ihrem Vater den goldenen Kranz auf den Kopf. Daraufhin brachte dieser das Strahlen nicht mehr aus dem Gesicht. «Meine Kinder müssen auf vieles verzichten, weil ich oft weg bin. Dass sie mir den Kranz überreichten, war ein unglaublich schöner Moment.»
Fünf Trainings in der Woche
Dreimal pro Woche tauscht Schneider die Gummistiefel gegen die Zwilchhose und fährt zum Training des Schwingklubs Ottenberg. Dort schwitzt er Seite an Seite mit Vollprofi Giger. Im Sägemehl sind sie alle gleich. Die Vorbereitung darauf könnte unterschiedlicher aber kaum sein.
Während Giger seinen Alltag ganz auf das Training ausrichten kann, kommt Schneider direkt vom Bauernhof. «Ein ‹zu müde› gibt es nicht. Das Training ist für mich ein Pflichttermin – egal wie streng die Arbeit zuvor war.»
Neben den drei Sägemehleinheiten absolviert Schneider zwei Athletiktrainings pro Woche. Daneben findet er genug Bewegung auf dem Bauernhof. «Gerade die Obsternte ist körperlich anstrengend.»
Schneider ist kaum einmal verletzt
Die Unterschiede zwischen den beiden Freunden enden jedoch nicht beim Beruf. Auch körperlich könnten sie verschiedener kaum sein. Während Giger als Modellathlet gilt, bringt Schneider deutlich mehr Gewicht auf die Waage.
Trotzdem blieb der Thurgauer in seiner gesamten Karriere von einer schweren Verletzung verschont. Giger hingegen wurde in den vergangenen Jahren immer wieder monatelang ausgebremst. Schneider führt seine Verletzungsfreiheit vor allem auf das intensive Schwingtraining zurück.
Sein Körper habe sich über die Jahre an die enormen Belastungen gewöhnt. «Zudem habe ich sicher auch Glück mit den Genen.» Entscheidend sei aber etwas anderes: «Ich weiss, wann ich im Kampf nachgeben muss. Teilweise muss man vernünftig sein.»
Intensive Wochen stehen bevor
Obwohl bei Schneider aufgrund des hohen Arbeitspensums die Erholung zeitweise zu kurz kommt, sieht er viele Vorteile in seinem Beruf. Als selbständiger Landwirt kann er seine Zeit frei einteilen. «Ich geniesse es, mit den Kindern zu frühstücken. Genauso schätze ich es, am Mittag mit ihnen am Tisch zu sitzen.»
Auch spontane Ausflüge liegen drin. «Da ich mein eigener Chef bin, kann ich am Nachmittag mit den Kindern baden gehen.» Erst diese Woche gönnte sich die Familie einige Ferientage in den Bergen.
Finanziell möglich ist das auch dank der Einnahmen aus dem Schwingsport. «Ich musste nie betteln gehen. Alle meine Sponsoren kamen auf mich zu. Das ist sehr schön und zeigt, dass ich nicht alles falsch mache.» Die paar freien Tage konnte Schneider gut gebrauchen. Schon bald beginnt auf dem Hof wieder die intensive Obsternte.
Gleichzeitig stehen mit dem Kilchberger Schwinget und der Schwägalp die letzten grossen Wettkämpfe der Saison an. «Ich bin es mir gewohnt, viel um die Ohren zu haben», sagt Schneider. Giger dagegen kann sich voll und ganz auf das Saisonhighlight fokussieren. Unterschiedlicher könnte ihr Leben kaum sein. Freunde bleiben sie trotzdem.
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