Warum es die Weltmeister des Ordnungswahns auf der Rolltreppe nicht hinkriegen: Links geh’n, rechts steh’n
Ja, Sie haben ja recht, die meisten funktionieren eh kaum, warum also aufregen über Berliner Rolltreppen. Weil ich’s kann! Denn gerade in Berlin, dieser hektischen Hauptstadt des „Ich bin gleich da“, wird dieses Menschenbeförderungstool zum sozialen Experiment. Unten hetzen Menschen zur Arbeit, oben warten Termine, Züge und das nächste Chaos.
Dazwischen steht eine Wand aus Rucksäcken, Einkaufstaschen und stoischer Gleichgültigkeit. Als ein Land, dessen Einwohner sehr viel reisen und das sich auch sonst noch für ziemlich großartig hält, hätten wir uns längst einmal abgucken können, wie London, Taiwan und Singapur die Sache lösen.
Versteht auch ein Goldfisch nach zwei Minuten
Frage also: Warum schaffen ausgerechnet wir Deutschen es nicht – selbsternannte Weltmeister der Ordnung, der Regeln, der Hinweisschilder und der DIN-Normen –, eine der einfachsten Verkehrsregeln der Menschheit auf Rolltreppen umzusetzen: links geh’n, rechts steh’n? Eine Regel, so simpel, dass sie sogar ein Goldfisch versteht.
Aber der deutsche Großstadtbürger, respektive der Berliner, steht auf der Rolltreppe wie auf einem Podest, das er sich selbst geschaffen hat: breitbeinig und blickleer und mit der Ruhe eines Menschen, der davon überzeugt ist, dass die Welt sich gefälligst um ihn herum zu organisieren hat.
Warum wird hier eigentlich nicht derselbe Einsatz gezeigt wie beim Einsteigen in den Regio? Wer an einem Samstagmorgen im Sommer mal versucht hat, eine dieser Deutschlandticket-Verladeschwitzhütten der Deutschen Bahn zu entern, wird wissen, wozu seine Mitmenschen fähig sind, wenn sie als Erste irgendwo sein wollen – in diesem Fall rechtzeitig am letzten Sitzplatz in der Gepäckablage.
Ich bin für den digitalen Rolltreppenführerschein
Da wird gedrängelt und aneinander vorbeigekeult, dass es beinahe Tote gibt. Nur auf der Rolltreppe mopst man sich selig breitärschig und plump und beschenkt die nicht Vorbeikommenden von oben herab mit hämischen Blicken: „Blöd, wenn man es eilig hat, oder?“
Ich bin dezidiert für eine neue Verordnung „zur Förderung der effizienten Nutzung beweglicher Treppenanlagen“. Mit Schulungen, Warnwesten, Strafgebühren fürs Auf-der falschen-Seite-Stehen und einem digitalen Rolltreppenführerschein. Natürlich mit Termin, natürlich online zu beantragen. Doch nur nach vorheriger Identitätsprüfung.
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