Warum ausgerechnet dieser Trainer Spanien zum Weltmeister gemacht hat
Warum Spanien den zweiten Titel am Ende verdient hat
Stand: 20.07.2026, 00:04 Uhr
Ohne Niederlage durchs Turnier gerauscht, nur ein Gegentor bis zum Endspiel – und dort dann Messi und Co. besiegt. Ein Kommentar zu Spaniens Pokal-Rausch.
New York – Die pompöse Inszenierung hat der Fußball-Weltverband am Sonntag im New York New Jersey Stadium auf die Spitze getrieben. Und dabei auch auf vielen Ebenen grandios überzogen, wie die vielen organisatorischen Mängel in East Rutherford belegten. Am Ende hat eine gefühlt ewige WM 2026 einen verdienten Weltmeister hervorgebracht. Spanien besiegte Argentinien mit 1:0 nach Verlängerung – hier der Endspiel-Ticker zum Nachlesen.

Spanien hat wie vor 16 Jahren in Südafrika die spielerischen Maßstäbe gesetzt – und deswegen kann niemand etwas gegen den Freudentaumel in Madrid und anderswo haben. Es war eine klare Handschrift in der Spielweise zu erkennen – und da laufen die Fäden nun mal beim Chef auf der Trainerbank zusammen. Luis de la Fuente ist das Gegenteil eines Entertainers, der mit kessen Sprüchen oder überzogenen Leitsätzen punktet.
WM-Titel für Spanien als verdienter Lohn exzellenter Trainerarbeit
Hat der 65-Jährige nicht nötig. Er ist tief in die Verbandslehre eingedrungen, und hat die Vita vieler Nationalspieler in jungen Jahren geprägt. Das schafft Vertrauen, Achtung und Respekt. Ihm geht es – anders als Julian Nagelsmann – nicht um Rechthaberei in eigener Sache, sondern um gemeinsamen Erfolg mit einer Mannschaft, die diese verlässliche Stütze schätzt.
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Sonst wäre nicht der Gewinn der Nations League 2023, der Titel bei der Europameisterschaft 2024 unter seiner Anleitung herausgesprungen. Der Gewinn der Weltmeisterschaft 2026 ist der Lohn für exzellente Trainerarbeit, wobei den Mann ja eine echte Freundschaft mit dem Kollegen Lionel Scaloni verbindet, seitdem dieser bei ihm die Schulbank drückte.
Der respektvolle Umgang der beiden schimmerte auch im abgehobenen Vorlauf des Finals mit Helikopterflug zur Pressekonferenz am Hudson River noch durch. Der Spielstil ist gegenüber der EM in Deutschland noch unabhängiger von individueller Klasse. Damals strahlten vor allem Lamine Yamal und Nico Williams an den Flügeln. Davon hat sich das Team gar nicht mehr abhängig gemacht.
Der große Unterschied zum Verlierer Argentinien, der (fast) alles auf Lionel Messi abgestellt hatte. Was bei „La Furia Roja“ auffällt: Die Ballzirkulation ist längst kein Selbstzweck mehr. Es wird nach vorn geduldig kombiniert, bis sich eine Lücke auftut. Nach hinten bauen die Iberer ein Spinnennetz, um sich mit fairen Mitteln wieder den Ball zu erobern.
Der spanische Verzicht auf taktische oder hässliche Fouls kann gegenüber dem argentinischen Vorgehen nicht hoch genug bewertet werden. Deswegen hat es in East Rutherford einen Sieger gegeben, der den ästhetischen Anspruch für eine übergroße Weltmeisterschaft am besten bedient hat. Glückwunsch, España.