Warum Tesla sein China-Geschäft überdenkt – und was das für Musk bedeutet

Stand: 01.08.2026, 08:08 Uhr

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Die Präsenz in Shanghai könnte ein Problem für eine mögliche Fusion zwischen Elon Musks Elektroautokonzern und SpaceX darstellen.

Elon Musks Unternehmen Tesla erwägt Insidern zufolge den Verkauf oder die Schließung seines China-Geschäfts, um eine mögliche Fusion mit SpaceX vorzubereiten. Demnach prüft der Elektroautobauer strategische Optionen für seine Aktivitäten in der Volksrepublik, die für das Wachstum des Konzerns in den vergangenen Jahren eine zentrale Rolle spielten.

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Dieser Artikel von Emma Taggart und Matthew Field entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.

Berater von Tesla haben laut dem US-Wirtschaftsblatt The Wall Street Journal darüber gesprochen, das Werk in Shanghai zu verkaufen, abzuspalten oder zu schließen, während einigen Führungskräften signalisiert worden sei, sie müssten sich auf eine mögliche „Trennung“ des Geschäfts einstellen. Damit rückt ein grundlegender Umbau der China-Präsenz von Tesla in den Bereich des Möglichen, auch wenn noch keine Entscheidung gefallen ist.

Elon Musk

Elon Musk denkt über China nach. (Archivbild) © Allison Robbert/AFP Pool via AP/dpa

Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, wies den Bericht jedoch als „Fake News“ zurück und bestritt damit öffentlich, dass konkrete Pläne zum Rückzug aus China existieren. Seine Zurückweisung steht im Kontrast zu den Spekulationen an den Finanzmärkten, die sich seit Bekanntwerden der Überlegungen deutlich verstärkt haben.

Teslas Rolle in China und zunehmender Wettbewerbsdruck

Der Elektroautobauer begann 2014 mit dem Verkauf von Fahrzeugen in China und eröffnete fünf Jahre später seine sogenannte Gigafactory in Shanghai. Die Fabrik ist inzwischen das größte Autowerk von Tesla weltweit und bildet einen Pfeiler der globalen Produktionsstrategie des Unternehmens.

Gleichzeitig sind die Autoverkäufe von Tesla in China rückläufig, da das US-Unternehmen einem harten Wettbewerb durch heimische Rivalen wie BYD und einem Preiskampf ausgesetzt ist, der auf die Gewinne drückt. Der Markt gilt zwar als der wichtigste Absatzort für Elektrofahrzeuge weltweit, doch die Margen stehen aufgrund aggressiver Rabatte und zahlreicher neuer Modelle unter Druck.

Musk bewegt sich mit seinem Engagement in China seit Langem auf einem schmalen Grat. Seine Fabrik im Land blieb vollständig unter der Kontrolle von Tesla, während viele Wettbewerber zu Joint Ventures mit einheimischen Unternehmen gezwungen wurden. Diese Sonderstellung verschaffte Tesla zunächst Vorteile, birgt nun aber geopolitische und regulatorische Risiken.

Fokus auf Robotaxis und Roboter – und gleichzeitig starke Beschränkungen

Zudem widmet Tesla zunehmend Flächen in seinen Fabriken der Produktion selbstfahrender Taxis und der Optimus-Roboterreihe, von denen einige Exemplare voraussichtlich in Shanghai gebaut werden sollen. Die Erweiterung des Produktportfolios hin zu Robotik und autonomen Fahrdiensten gilt als wichtiger Baustein in Musks langfristiger Vision.

Gleichzeitig sind Musks Satelliten-Internetdienst Starlink sowie die Social-Media-Plattform X in China vollständig blockiert. Die Abriegelung dieser Dienste zeigt die Grenzen, die Peking aus sicherheits- und informationspolitischen Gründen für ausländische Tech-Unternehmen zieht, selbst wenn sie in anderen Bereichen eng mit dem Land verflochten sind.

Musk hatte die chinesische Regierung in der Vergangenheit wiederholt für ihre Förderung von Elektroautos und Solartechnik gelobt. Anfang dieses Jahres sagte er: „China ist eine erstaunliche Macht im Bereich der Fertigung und versteht sehr gut, dass Solar die Zukunft ist.“ Seine öffentlichen Äußerungen unterstreichen die Ambivalenz zwischen politischer Spannung und wirtschaftlicher Abhängigkeit.

Pläne für eine mögliche Fusion von Tesla und SpaceX

Analysten spekulieren seit Längerem, dass Musk seine Raketenfirma SpaceX langfristig mit Tesla verschmelzen könnte. Eine solche Struktur würde seine verschiedenen Technologieprojekte noch enger verzahnen und könnte Synergien bei Forschung, Entwicklung und Kapitalbeschaffung schaffen.

Musk behält die vollständige Kontrolle über SpaceX und hält rund 20 Prozent der Stimmrechte an Tesla. Diese Stimmrechtsmacht verschafft ihm erheblichen Einfluss auf die strategische Ausrichtung beider Unternehmen und ermöglicht ihm, weitreichende Strukturentscheidungen durchzusetzen, sofern Regulierer und Investoren mitziehen.

Eine Fusion von Tesla mit SpaceX – einem wichtigen US-Rüstungsauftragnehmer und zentral für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten – würde jedoch durch die starke Präsenz des Autobauers in China erheblich erschwert. Sicherheitsbehörden in Washington könnten Bedenken äußern, dass sensible Technologien indirekt chinesischem Einfluss ausgesetzt wären.

Szenarien für eine Abspaltung des China-Geschäfts

Berater bei Tesla prüfen einem Bericht des Wall Street Journal zufolge verschiedene Strukturmodelle für das China-Geschäft. Das Unternehmen bereitet sich demnach auch auf die Möglichkeit eines Konflikts zwischen China und Taiwan vor, mit dem Ziel, bis 2027 in der Lage zu sein, das Geschäft gegebenenfalls abzutrennen.

Führungskräfte haben zudem darüber diskutiert, ein separates Vertriebsunternehmen für Fahrzeuge zu schaffen, die aus der Fabrik in Shanghai exportiert werden. Eine weitere Option wäre der Aufbau eines eigenständigen IT-Systems, um den Zugang von in China ansässigen Mitarbeitern zu den globalen Abläufen des Konzerns zu beschränken und so sicherheitssensible Bereiche stärker abzuschirmen.

Musk, der sowohl Tesla als auch SpaceX als Vorstandschef führt, hat bislang keine Pläne zur Fusion der beiden Konzerne angekündigt, äußert sich jedoch zunehmend zu den wachsenden Überschneidungen der Geschäftsbereiche. Beobachter sehen darin ein mögliches Indiz, dass strukturelle Veränderungen zumindest geprüft werden.

Marktbewertung und Kursverluste an der Börse

Der Aktienkurs von Tesla ist in diesem Jahr bislang um rund 29 Prozent gefallen, wodurch der Autobauer derzeit knapp unter 1 Bio. US-Dollar (740 Mrd. Pfund) bewertet wird. Die Korrektur spiegelt Sorgen der Anleger über sinkende Margen, wachsenden Wettbewerb und die Unsicherheit über die strategische Ausrichtung wider.

Die Anteile von SpaceX sind seit dem Börsengang im Juni um etwa ein Drittel gefallen, was den Wert des Raketenunternehmens auf 1,5 Bio. US-Dollar sinken ließ. Die Kursverluste beider Firmen nähren Spekulationen, dass Musk nach neuen Wegen suchen könnte, seine Geschäftsbereiche zu bündeln und gegenüber Investoren als integrierten Technologiekonzern zu positionieren.