Zu viel Solarstrom landet in der "Tonne": In NRW fehlen Netz-Kapazitäten für Strombatterien

Fast endlos ziehen sich die Solarpanele über die Dächer der Gewächshäuser in Südlohn im Münsterland. Etwa 77.000 Module hat das Unternehmen Westhoff hier verbaut. Seit einigen Monaten produzieren sie Strom, die Anlage soll künftig eine Spitzenleistung von 32 Megawatt erreichen.

Doch Christian Westhoff hat ein Problem: Gerade dann, wenn besonders viel Strom produziert werden könnte, kann er ihn nicht immer vollständig loswerden. An sonnigen und gleichzeitig windigen Tagen stößt das Netz in der Region teilweise an seine Grenzen. "Wir haben schon teilweise Netzengpässe, dann wird vom Netzbetreiber gedrosselt", sagt Westhoff.

Wenn zu viel Strom da ist

Das Problem betrifft nicht nur Westhoff. Mit immer mehr Wind- und Solaranlagen steigt zeitweise die Menge an Strom, die ins Netz eingespeist werden soll. Doch Leitungen, Transformatoren und Umspannwerke können nur eine begrenzte Leistung transportieren. Ist diese Grenze erreicht, müssen Anlagen ihre Einspeisung reduzieren.

Batteriespeicher könnten einen Teil des Problems lösen. Sie nehmen Strom auf, wenn gerade besonders viel davon produziert wird, und geben ihn später wieder ab. Genau deshalb will auch Westhoff im kommenden Jahr einen großen Speicher neben seiner Solaranlage in Betrieb nehmen.

"Somit können wir Strom zunächst in die Batterie einspeisen und dann zeitversetzt ins Netz einspeisen, wenn er benötigt wird", erklärt Westhoff. Der Speicher soll also dafür sorgen, dass bei Netzengpässen weniger mögliche Solarproduktion ungenutzt bleibt.

Doch auch Speicher brauchen einen Anschluss

Damit beginnt allerdings das nächste Problem: Auch Batteriespeicher müssen ans Stromnetz angeschlossen werden. Und genau dafür sind die Kapazitäten vielerorts knapp.

Alexander Montebaur steht vor einem Hörsaal.
Die schiere Anzahl der Batteriespeicher, die an unser Netz angeschlossen werden wollen, übersteigt die heute vorhandene Netzkapazität bei weitem. Alexander Montebaur, Geschäftsführer von Westnetz

Wie groß der Andrang inzwischen ist, zeigen Zahlen von Westnetz: Bis Ende des zweiten Quartals 2026 lagen dort Anfragen für Batteriespeicher mit zusammen rund 116 Gigawatt Leistung vor. Zum Vergleich: Die höchste gleichzeitige Stromlast im gesamten Westnetz-Gebiet lag 2024 bei rund zwölf Gigawatt.

Das heißt: Es wollen viel mehr und viel größere Batteriespeicher ans Netz, als das heutige Stromnetz ohne Weiteres aufnehmen kann. Nicht alle dieser Speicher werden tatsächlich gebaut. Die Zahlen zeigen aber, welche Dimension die Anschlussanfragen inzwischen erreicht haben.

Westhoff darf nur eigenen Solarstrom speichern

Auch Westhoff bekam zunächst nicht die gewünschte Lösung. Das Unternehmen wollte einen Speicher, der sowohl Strom aus der eigenen Solaranlage als auch aus dem öffentlichen Netz aufnehmen kann, um in zum Beispiel später wieder zu verkaufen. Dafür gab es keine Zusage.

Zugelassen wurde schließlich ein Speicher, der ausschließlich mit dem eigenen Solarstrom geladen werden darf - und diesen auch nur begrenzt ins Stromnetz geben kann. Dadurch kann Westhoff zwar seine Produktion vom Mittag in spätere Stunden verschieben – Strom aus anderen Anlagen kann die Batterie aber nicht aufnehmen.

Das macht sich besonders im Winter bemerkbar. Dann produziert die eigene Solaranlage deutlich weniger. "Im Winter werden wir es nicht schaffen, die Batterie mit unserer PV-Anlage vollständig zu füllen", sagt Westhoff. Auch günstigen Strom aus dem Netz kaufen, speichern und später wieder verkaufen kann das Unternehmen damit nicht.

Flexible Anschlüsse sollen mehr möglich machen

Eine Lösung für knappe Netzkapazitäten sollen sogenannte flexible Netzanschlussvereinbarungen sein. Dabei wird vorher festgelegt, wie viel Leistung eine Anlage maximal einspeisen oder aus dem Netz beziehen darf. So können neue Anlagen teilweise schon angeschlossen werden, bevor das Netz vollständig ausgebaut ist.

Westnetz-Geschäftsführer Alexander Montebaur sagt zu diesen flexiblen Netzanschlüssen: "So haben wir Möglichkeiten, überhaupt [Batteriespeicher-]Anschlüsse zu realisieren." Damit könnten mehr Anlagen angeschlossen werden, als es mit den bisherigen Betriebsweisen möglich wäre.

Ohne Netzausbau geht es trotzdem nicht

Langfristig helfen aber auch die flexiblen Netzanschlüsse allein nicht aus, sagt Andreas Ulbig, Experte für Energieverteilnetze an der RWTH Aachen: "Weil wir einfach mehr Strom verbrauchen, zum Beispiel für Wärme oder Mobilität. Wir sollten schauen, dass wir den Netzausbau intelligent machen, indem wir besser vorausschauen, wo mehr Strombedarf entsteht und die Infrastruktur eben passgenau erweitern."

Andeas Ulbig steht in einem Hörsaal.
Wir kommen nicht um einen Netzausbau herum. Andreas Ulbig, RWTH Aachen

Bis 2028 plant Westnetz Maßnahmen an rund 250 Umspannanlagen sowie die Modernisierung oder den Neubau von mehr als 10.000 Kilometern Stromleitungen. Für Westhoff soll der Speicher schon vorher kommen. Dann kann zumindest ein Teil des Solarstroms, der mittags gerade nicht gebraucht oder nicht eingespeist werden kann, für später aufgehoben werden.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Christian Westhoff von Westhoff Engergy
  • WDR-Gespräch mit Andreas Ulbig, Experte für Energieverteilnetze an der RWTH Aachen
  • WDR-Gespräch mit Alexander Montebaur, Geschäftsführer von Westnetz
  • Schriftliches Statement von Westnetz
  • Bundesnetzagentur
  • § 8a EEG

Sendung: WDR.de, Knappe Kapazitäten für Batteriespeicher, 19.09.2026, 12:03 Uhr