Dieser Mars-Fund lässt selbst erfahrene Forscher nicht mehr los – eine Erklärung gibt es bisher nicht
Was „Curiosity“ auf dem Mars fotografiert hat, lässt selbst erfahrene Forschende rätseln
Stand: 18.09.2026, 22:45 Uhr
Kommentare
Ein NASA-Rover hat auf dem Mars Strukturen fotografiert, die Forscher in 14 Jahren noch nie gesehen haben. Erklären kann sie bisher niemand.
Pasadena – Geologische Überraschung auf dem Mars: Der NASA-Rover „Curiosity“ ist am Mount Sharp auf eigenwillige Vertiefungen gestoßen, die auf Aufnahmen zunächst wie riesige Spuren im Sediment wirken. Was aus der Ferne spektakulär aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Extrem-Nahaufnahme: Die flachen Einkerbungen messen gerade einmal einen Zentimeter in der Breite.

Selbst nach mehr als 14 Einsatzjahren gibt es auf dem Mars damit noch Strukturen, die Forschende so noch nie gesehen haben. Wie Michelle Minitti, stellvertretende wissenschaftliche Leiterin des MAHLI-Kamera-Instruments, im NASA-Blog feststellt, zeigt sich das scheinbar gewöhnliche Grundgestein auf dem Mars einmal mehr von seiner faszinierenden Seite.
Pareidolie auf dem Mars: Menschliches Gehirn sieht Bekanntes in unbekannten Strukturen
Während übliche Mulden auf der Marsoberfläche entstehen, wenn harte Knollen oder Steinbrocken aus dem Fels herauswittern, fehlen bei den neuen Vertiefungen jegliche Spuren früherer Einschlüsse. Sie fallen zudem deutlich breiter und flacher aus als bisher dokumentierte Verwitterungsmuster. Um dem Ursprung auf die Spur zu kommen, kombinierten die Wissenschaftler die Daten mehrerer Messinstrumente: MAHLI und die Mastcam lieferten überlappende Bilddaten für dreidimensionale Höhenmodelle, während ChemCam und das Röntgenspektrometer APXS die raue, graue Gesteinsschicht analysierten. Das Resultat: Das Material unterscheidet sich chemisch spürbar vom umgebenden Fels.
Dass die winzigen Vertiefungen auf den ersten Blick wie vertraute Abdrücke wirken, liegt an einem evolutionären Trick unserer Wahrnehmung: der sogenannten Pareidolie. Das menschliche Gehirn ist darauf programmiert, in unvollständigen oder zufälligen Mustern vertraute Formen – hauptsächlich Gesichter, Figuren oder Spuren – zu erkennen. In der kargen, schattenreichen Landschaft des Mars führt dieser Mechanismus besonders oft zu optischen Täuschungen. Ein Zusammenspiel aus starkem Streiflicht, Kontrasten und bizarren Gesteinsformationen reicht aus, um der menschlichen Fantasie Streiche zu spielen.
Aus einem „Mars-Gesicht“ wurde ein erodierter Felshügel
Die Geschichte der Mars-Erkundung ist reich an solchen Trugbildern. Bereits im 19. Jahrhundert glaubten Astronomen, auf der Marsoberfläche künstliche Kanäle zu erkennen; 1976 sorgte das berühmte „Mars-Gesicht“ der Raumsonde „Viking 1“ weltweit für Spekulationen über außerirdische Monumente, ehe hochauflösendere Aufnahmen es schlicht als erodierten Felshügel enttarnten.
Auch die neuen Nahaufnahmen von „Curiosity“ zeigen keine echten Fußabdrücke, sondern ein faszinierendes Zusammenspiel aus Verwitterungsprozessen und Mineralablagerungen – und beweisen einmal mehr, wie leicht sich das menschliche Auge in fremden Welten verleiten lässt. (Quelle: NASA-Mitteilung, eigene Recherche) (tab)