„Müssen auf die Abnehmermärkte reagieren“: Das erwartet den Krösche-Nachfolger bei Eintracht Frankfurt
Was kommt nach Markus Krösche bei Eintracht Frankfurt?
Stand: 23.10.2026, 22:29 Uhr
Eintracht Frankfurt muss den Abgang von Markus Krösche kompensieren. Gesucht ist ein Sportvorstand, der das Erfolgsmodell an neue Bedingungen anpasst.
Frankfurt – Eintracht Frankfurt braucht einen Nachfolger für Markus Krösche. Dabei geht es um mehr als die Besetzung eines Vorstandspostens: Der Klub muss sein Erfolgsmodell an einen Transfermarkt anpassen, auf dem bisherige Einnahmequellen weniger verlässlich erscheinen. Zugleich will die Eintracht stärker auf deutsche Spieler und den eigenen Nachwuchs setzen. Gesucht ist also jemand, der neue Transferchancen erschließt, Talente entwickelt und dennoch die internationale Ausrichtung des Klubs bewahrt.

Die vergangenen 18 Monate haben am Selbstverständnis der Eintracht genagt. Erstmals seit zehn Jahren gab es wieder eine Trainerentlassung innerhalb einer Saison: Auf Dino Toppmöller folgte Albert Riera. Zudem verpassten die Hessen nach fünf Europapokalteilnahmen in Serie das internationale Geschäft. Auch bei einzelnen Spielern wie Hugo Larsson oder Jean-Mattéo Bahoya blieb die erhoffte Entwicklung zuletzt aus.
Premier League hat vor allem in Frankreich zugegriffen
Nach dem Einzug in die Champions League im Sommer 2025 schienen für einige Profis Ablösesummen von weit über 100 Millionen Euro möglich. Doch der Markt entwickelte sich anders als erhofft. In England und Saudi-Arabien veränderten sich die Bedingungen, und für Spieler wie Larsson oder Bahoya wurden offenbar nicht mehr dieselben Summen aufgerufen.
Absolut Eintracht – der Newsletter ⚽

Seien Sie näher an der Eintracht dran als je zuvor! Unser SGE-Newsletter versorgt Sie mit den wichtigsten News, liefert Ihnen Videos, Reportagen und exklusive Interviews direkt und ganz bequem in Ihr Postfach.
Jetzt den kostenlosen Newsletter abonnieren und Teil der SGE-Community werden. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden!
Sind Sie dabei?
HIER geht‘s direkt zur Anmeldung!
Hinzu kommt eine Entwicklung innerhalb der Premier League: Die Klubs haben vor Beginn der Weltmeisterschaft eine Vereinbarung getroffen, zunächst verstärkt Spieler innerhalb der eigenen Liga zu transferieren. Für Vereine wie Eintracht Frankfurt könnte es dadurch schwieriger werden, bei Verkäufen auf die gewohnte Nachfrage aus England zu setzen.
Weitere Faktoren kommen hinzu. Einige teure Transfers aus der Bundesliga auf die Insel haben nicht wie gewünscht funktioniert. Das DFB-Team spielte eine enttäuschende WM, während England das Turnier als Dritter beendete. Zugleich war der französische Markt besonders umkämpft: Von den insgesamt 4,1 Milliarden Euro, die ausgegeben wurden, flossen knapp 800 Millionen Euro in die Ligue 1. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor hatte England 350 Millionen Euro für Spieler aus der französischen Liga ausgegeben.
Für Eintracht Frankfurt ergibt sich daraus eine klare strategische Frage: Wie verlässlich bleiben die bisherigen Abnehmermärkte – und wo entstehen neue Chancen? Auf eine Rückkehr der Premier-League-Klubs zu früheren Transfermustern zu hoffen, wäre naiv. Die Eintracht wird auch künftig hohe Transfererlöse benötigen. Es wäre allerdings riskant, das gesamte Geschäftsmodell auf die Zahlungsbereitschaft englischer Vereine auszurichten.
Transfermodell: Eintracht will Anpassungen vornehmen
Der Klub verfügt weiterhin über Spieler, die für finanzstarke Vereine interessant sind. Allerdings können sportliche Entwicklungen nach einem Wechsel ebenso wie ausbleibende Entwicklungsschritte den Blick potenzieller Käufer beeinflussen. Auch solche Erfahrungen prägen den Markt und die Einschätzung einzelner Spieler.
Vorstandschef Axel Hellmann sieht deshalb Anpassungsbedarf: „Wir müssen auf die Abnahmemärkte reagieren. Dort wurden Veränderungen vorgenommen. Das macht für uns eine Anpassung erforderlich. Wir benötigen aber keinen Paradigmenwechsel.“ Das ist der entscheidende Punkt. Zwar knackte die Eintracht die Marke von 100 Millionen Euro an Transfererlösen nicht zum vierten Mal in Serie. Nach einer schwächeren Saison nahm der Klub dennoch 86,25 Millionen Euro ein. Das Geschäftsmodell ist also keineswegs gescheitert. Es muss sich aber auf veränderte Bedingungen einstellen.
Sollten die teilweise mit einer Kaufpflicht versehenen Leihspieler allesamt von ihren aktuellen Klubs verpflichtet werden, könnten der Eintracht im nächsten Geschäftsjahr weitere Einnahmen von rund 90 Millionen Euro zufließen. Bei Hugo Larsson, für den Fulham demnach 25 Millionen Euro zahlen soll, hat die Kaufpflicht bereits gegriffen. Mit Can Uzun, Younes Ebnoutalib, Keita Kosugi, Nnamdi Collins und Noel Aseko verfügt Frankfurt zudem über weitere Spieler mit erheblichem Entwicklungspotenzial.
Der Nachfolger muss deshalb kein Krösche 2.0 sein. Er muss aber frühzeitig erkennen, wo sich neue Chancen eröffnen – und schneller handeln als finanziell stärkere Konkurrenten aus dem In- und Ausland. Denn Frankfurt kann sich im Wettbewerb mit Leverkusen, Leipzig oder den englischen Klubs weniger Fehlgriffe leisten. Gelingt das nicht, droht der Verlust jener Position, die sich die Eintracht in den vergangenen Jahren erarbeitet hat.
Eintracht braucht den Mix aus eigenen Talenten und internationalem Markt
Präsident und Aufsichtsratschef Mathias Beck hat bei Bild seine Vorstellungen umrissen: „Wir wollen künftig noch stärker auf Talente, den deutschen Markt und unseren eigenen Nachwuchs setzen. Der neue Sportvorstand muss deshalb viel Erfahrung in diesen Bereichen mitbringen und sich insbesondere mit Nachwuchsförderung und unserem Nachwuchsleistungszentrum auskennen.“
Krösche hat seit seiner Ankunft im Sommer 2021 an vielen Stellschrauben gedreht. Ein wichtiger Schritt war die Wiedereinführung der zweiten Mannschaft im Frühjahr 2022. Seither haben mehrere Spieler den Sprung in höhere Ligen geschafft. Noel Futkeu, Kaan Inanoglu, Fynn Otto, Nacho Ferri und Daniel Starodid sind Beispiele dafür.
Auch die Profimannschaft beginnt, von dieser Arbeit zu profitieren. Elias Baum durchlief sämtliche U-Mannschaften der Eintracht. Jeremiaha Maluze wechselte vor zwölf Monaten aus Erfurt in die U21. Der erst 16 Jahre alt werdende Niko Ilicevic gilt als großes Talent. Wie nachhaltig die Nachwuchsarbeit ist, muss sich allerdings noch zeigen. Entscheidend wird sein, wie viele Spieler sich dauerhaft bei den Profis etablieren – und welchen sportlichen wie wirtschaftlichen Beitrag sie leisten.
Beck betont, dass die Eintracht ihre eigene Identität stärker in den Mittelpunkt rücken soll. Eigengewächse können dazu beitragen, diese Identität mit Leben zu füllen. Entwickeln sie sich zu Leistungsträgern, können sie zugleich erhebliche Transfererlöse ermöglichen. Nachwuchsförderung ist damit nicht nur eine Frage der Vereinsphilosophie, sondern auch ein Baustein des Geschäftsmodells.
Ex-Eintracht-Profi Spycher ist ein Kandidat als Krösche-Nachfolger
Allein darauf kann Frankfurt jedoch nicht setzen. Hellmann warnte überspitzt vor der Vorstellung, die Eintracht könne ihre Ambitionen mit „elf Jungs aus dem Odenwald“ aufrechterhalten. Für eine weltoffene Stadt wie Frankfurt bleibt der internationale Spielermarkt elementar. Die Aufgabe besteht darin, beide Wege miteinander zu verbinden: eigene Talente entwickeln und zugleich auf ausländischen Märkten Spieler finden, deren Potenzial andere Klubs noch nicht ausgeschöpft haben.
Als Topkandidat für den Posten gilt Christoph Spycher. Bei Young Boys Bern hat er über Jahre Transfererlöse erzielt und den Klub sportlich mitentwickelt. 2018 gewann er gemeinsam mit Trainer Adi Hütter, der später erstmals in Frankfurt arbeitete, den ersten Meistertitel der Berner nach 32 Jahren. Auch der Kontakt zur Eintracht ist nie ganz abgerissen. In der Vergangenheit war Spycher immer wieder als Gast in der Loge seines früheren Klubs.
Der Schweizer bringt zudem Frankfurter Vergangenheit mit: Von 2005 bis 2010 spielte er für die Eintracht und führte die Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Zu seinen Erfolgen in Bern zählt auch der Verkauf von Spielern, deren Entwicklung der Klub vorangetrieben hatte. Fabian Rieder, der zu Stade Rennes wechselte, und Aurèle Amenda, der nach Frankfurt kam, brachten im Sommer 2024 zusammen knapp 25 Millionen Euro ein. Die Nachwuchsarbeit der Young Boys war ein wichtiger Teil dieser Strategie.
Spycher setzte allerdings nicht allein auf Eigengewächse. Auch auf dem internationalen Markt fand er Spieler, deren Wert sich bei den Young Boys deutlich steigerte. Zachary Athekame von Neuchâtel Xamax, Jaouen Hadjam vom FC Nantes und Jordan Lotomba von Servette Genf stehen für diesen Ansatz. Nach den genannten Transferdaten summierten sich die Ablösen für ihre Verpflichtungen auf knapp drei Millionen Euro, während die späteren Verkäufe mehr als 30 Millionen Euro eingebracht haben sollen. Spycher gilt als menschlich zugewandter, zugleich aber harter Verhandlungspartner. Seine Erfahrung könnte der Eintracht helfen, zusätzliche Märkte zu erschließen.
Eintracht-Präsident Beck ist offen für neue Ansätze
Doch Erfolge in Bern lassen sich nicht automatisch auf Frankfurt übertragen. Die Voraussetzungen, die Konkurrenz und die Erwartungen unterscheiden sich. Entscheidend wäre deshalb nicht nur, ob Spycher bereits gewinnbringende Transfers umgesetzt hat, sondern auch, wie er Scouting, Nachwuchsförderung und Kaderplanung unter den Bedingungen der Bundesliga miteinander verbinden würde.
Ob Spycher tatsächlich zur Eintracht wechselt, steht bislang nicht fest. Beck betonte, dass der Verein nicht nur ein festes Anforderungsprofil abarbeiten wolle, sondern auch die Ideen der Kandidaten hören müsse: „Natürlich haben wir klare Vorstellungen von unserer Zukunft. Aber ich möchte genauso hören, welche Ideen ein Kandidat mitbringt. Es hätte keinen Sinn, jemanden zu verpflichten, der völlig anders denkt und den wir erst komplett umdrehen müssten. Gleichzeitig bin ich offen für neue Ansätze.“
Der Nachfolger von Markus Krösche muss also nicht alles neu erfinden. Das Frankfurter Geschäftsmodell hat sich in einer schwierigen Phase bewährt, steht aber vor veränderten Bedingungen. Die Eintracht will mehr eigene Talente entwickeln und den deutschen Markt stärker nutzen, ohne ihre internationale Ausrichtung aufzugeben. Dafür braucht sie einen Sportvorstand, der Nachwuchsarbeit, Scouting und Kaderplanung zusammenführt – und frühzeitig erkennt, wo neue Transferchancen entstehen.
Christoph Spycher bringt Erfahrungen mit, die zu diesem Profil passen. Ob sie sich auf Frankfurt übertragen lassen, ist jedoch offen. Entscheidend wird sein, welche Ideen er mitbringt, wie viel Gestaltungsspielraum ihm die Vereinsführung gibt und ob es ihm gelingt, Nachwuchsförderung und internationales Scouting zu einem tragfähigen Modell zu verbinden. Die Nachfolge Krösches ist damit mehr als eine Personalentscheidung: Sie bestimmt mit, wie die Eintracht ihren sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg langfristig sichern will.