Was kostet der Baustopp auf der Mathildenhöhe? Versagen bei Millionenprojekt soll aufgearbeitet werden

Stand: 28.08.2026, 18:33 Uhr

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Die Mathildenhöhe wurde 2021 zum Unesco-Welterbe erklärt. Bis heute gibt es kein Besucherzentrum.

Die Mathildenhöhe wurde 2021 zum Unesco-Welterbe erklärt. Ein Besucherzentrum gibt es noch nicht. © Rolf Oeser

Der Streit um das Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe in Darmstadt ist mit dem Baustopp nicht beendet. Im Gegenteil. Die politische Aufarbeitung hat gerade erst begonnen.

Darmstadt – Noch vor wenigen Monaten rollten am Osthang der Mathildenhöhe die Bagger. Bäume wurden gefällt, eine Baugrube ausgehoben. Zuvor wurde im Februar ein Protestcamp von einem Großaufgebot der Polizei geräumt. Nun liegt das Projekt auf Eis. Die überraschende Entscheidung von Oberbürgermeister Hanno Benz und dem Darmstädter Magistrat, den Neubau eines Besucher- und Informationszentrums für das Unesco-Welterbe vorerst zu stoppen, hat in der Stadt eine politische Debatte ausgelöst.

Am Donnerstagabend hatten die Stadtverordneten Gelegenheit, die von OB Benz (SPD) und Stadtrat Paul Georg Wandrey (CDU) gezeichnete Magistratsvorlage „zur Kenntnis“ zu nehmen. Darin wurde über die Veröffentlichung des Masterplans mit Standortuntersuchung zum Informationszentrum für das Welterbe Mathildenhöhe informiert sowie über ein befristetes Moratorium zum Neubau.

Obwohl man durch die Reihen aller Fraktionen den Baustopp begrüßte, führte die Art und Weise, wie und wann es dazu gekommen war, zu massiver Kritik.

Volt mahnte zum Beispiel an, dass ein solches Großprojekt nicht ohne Beschluss der Stadtverordneten gestoppt werden könne. „Das ist respektlos“, sagte Fraktionsvorsitzender Justin Krampe. Ayla Kara von der Fraktion Linke/Tierschutzpartei, die das Protestcamp unterstützt hatte, sagte: „Wenn Darmstadt gewusst hätte, dass der Oberbürgermeister nur mit dem Finger schnipsen muss, um den Bau zu stoppen, hätten wir uns alle viel Zeit sparen können.“ Zwar begrüße man den Baustopp, fordere aber eine Entschuldigung bei der Initiative „Osthang bleibt“ sowie die Wiederherstellung des alten Zustands mit Rückkehr der Künstlerinnen und Künstler, die das Areal zuvor bespielt hatten.

Die einzige Entschuldigung kam von Ordnungsdezernent Wandrey, der am Schluss der Aussprache einräumte: „Wir haben uns nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, mit dem, wie es da oben abgelaufen ist.“ Man habe Lebens- und Arbeitszeit von vielen Beschäftigten verschwendet, um die Räumung durchzuführen. Das hätte man ihnen gerne erspart.

Frage zu Zeitpunkt des Baustopps

Doch viel wichtiger schien die Frage: Warum wurde ausgerechnet jetzt die Reißleine gezogen, obwohl doch schon lange die Kostensteigerung auf 21 Millionen Euro bekannt war?

In der Magistratsvorlage, unterzeichnet von OB Benz und Stadtrat Wandrey, heißt es: „Die zentrale Erkenntnis lautet: Die Unesco verlangt nicht den Bau eines Informationszentrums.“ Sie verlangte eine qualitätsvolle Vermittlung des außergewöhnlichen, universellen Werts der Welterbestätte. Ein Informations- oder Besucherzentrum könne dafür ein geeignetes Instrument der Welterbevermittlung sein. Es sei aber nur dann sinnvoll, wenn es Teil eines schlüssigen Gesamtsystems sei. Jedoch fehle laut Vorlage ein Gesamtkonzept zur Vermittlung.

Dem widersprach Grünen-Vorsitzende Hildegard Förster-Heldmann. Es gebe sehr wohl ein Vermittlungskonzept. Ohne dieses hätte man gar keinen Welterbetitel erhalten. Zu finden sei es im Managementplan, der zur Bewerbung um den Welterbetitel eingereicht wurde. Tatsächlich ist dort auf den Seiten 125–135 zumindest schlagwortartig unter anderem beschrieben, mit welchen pädagogischen Ideen das Ensemble vermittelt werden soll oder an welche Zielgruppen man sich richtet.

„Ich will auch mit der Zahl von sechs Millionen Euro aufräumen“, sagte Förster-Heldmann. Dies sei nicht die Höhe der ursprünglichen Gesamtkosten gewesen, sondern die Differenz zu fünf Millionen Euro vom Bund und drei Millionen Euro Spenden. Ob man die Bundesgelder noch erhalte, sei fraglich. Hierzu verlangte auch Co-Vorsitzender Depner Aufklärung.

Die Grünen fordern deshalb Einsicht in die Aktenlage – nicht in einem Akteneinsichtsausschuss, sondern im Haupt- und Finanzausschuss. Geklärt werden sollen offene Fragen: Wie viel Geld wurde bereits investiert? Welche Verpflichtungen hat die Stadt gegenüber beauftragten Firmen? An welchem Punkt wurde klar, dass der Bau teurer werden würde?

Laut OB Benz sind derzeit die Zuständigkeiten für die Mathildenhöhe über alle Dezernate und mehrere Ämter und städtische Eigenbetriebe verteilt. Dies habe es erschwert, das gesamte Ausmaß der noch notwendigen Sanierungen auf der Mathildenhöhe zu eruieren. Diese liegen bei etwa 15 Millionen Euro. Es müsse nun darum gehen, gemeinsam ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Dabei muss es „zuerst um die Inhalte gehen und dann um den Raum, den man dafür benötigt“.