Was macht einen guten Bikini aus?

Mode

Was macht einen guten Bikini aus?

Anlässlich des 80. Jubiläums des Bikinis haben wir mit Designerin Rosa Rendl über Triangle-Oberteile, Körperfragen und Einkäufe bei Schwimmbadwetter gesprochen

Interview

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Anne Feldkamp

Triangel-Bikini von Rendl
Zweiteiler des Wiener Labels Rendl: "Man sollte sich in ihm sicher fühlen", sagt Rosa Rendl.

Der erste Bikini sorgte für einen Skandal. Dabei wäre die Präsentation im Juli 1946 nahezu in die Hose gegangen. Ihr Erfinder Louis Réard hatte erst kein Model gefunden, das seine Erfindung der Weltöffentlichkeit vorstellen wollte. Bis sich die Nackttänzerin Micheline Bernardini erbarmte. Die Schlagzeilen, die der Zweiteiler machte, halfen ihm wenig. Im Gegenteil. An vielen Stränden hatte der Badezweiteiler in den 1950ern Badeverbot, erst in den 1960ern wurde er populär.

In die Modegeschichte ging er dank Auftritten wie jenen von Ursula Andress ein. Sie stieg 1962 als erstes Bond-Girl in James Bond – 007 jagt Dr. No in einem weißen Bikini mit Messergürtel aus dem Meer. Vierzig Jahre später griff Halle Berry den legendären Bond-Auftritt mit einem orangefarbenen Exemplar auf. Und heute? Ist der Bikini selbstverständlicher Bestandteil im Bademodenangebot – so auch bei dem in Wien ansässigen, 2013 gegründeten Label Rendl. Wir haben Rosa Rendl in ihrem Atelier besucht und mit ihr über Bademode geplaudert.

STANDARD: Was zeichnet einen guten Bikini aus?

Rendl: Am wichtigsten ist der Sitz. Man sollte sich sicher fühlen, wenn man ins Bad oder an den Strand geht. Statt übers Outfit nachzudenken, sollte man den Tag genießen können.

STANDARD: Bademode steht immer im Zusammenhang mit Körperfragen. Ist das ein Thema im Austausch mit Kundinnen?

Rendl: Das spüre ich in den Gesprächen sehr stark. Hauptsächlich geht es darum, sich wohlzufühlen. Das ist auch verständlich. Während man mit ganzen Outfits spielen kann, muss der Bikini viele Wünsche auf einmal erfüllen. Er soll funktional sein, aber auch modischen Ansprüchen gerecht werden: Man will in ihm gut aussehen, es soll nichts herunterrutschen, das Material keine Falten werfen, es darf kein Zentimeter zu viel oder zu wenig sein.

STANDARD: Wie stellt man das als Designerin sicher?

Rendl: Ich setze auf bewährte Grundmodelle, die sich im Detail verändern. Oft sind diese Optimierungen von außen gar nicht sichtbar. Zwei meiner Bikinioberteile habe ich heuer nach unten um zwei Zentimeter ergänzt.

STANDARD: Wie herausfordernd ist der Verkauf von Bademode?

Rendl: Die Beratung braucht meist länger. Die Kundinnen probieren viel aus, der Kauf von Bademode ist eine sehr persönliche Sache. Umso schöner ist dann, wenn die Leute etwas finden, worin sie sich wohlfühlen.

STANDARD: Ist der Bikini derzeit gefragter oder doch eher der Badeanzug?

Rendl: Das ist von Saison zu Saison unterschiedlich. Heuer empfinde ich die Nachfrage als recht ausgeglichen. Meine Passion gilt eigentlich dem Badeanzug. Einerseits, weil ich viele Erinnerungen an die Badeanzüge von meiner Mutter habe, andererseits komme ich aus dem Sportschwimmen, wo man meist einen Badeanzug trägt. Meine Bikini-Modelle entwickle ich oft aus dem Einteiler heraus.

STANDARD: Was sind die Vorteile des Bikinis?

Rendl: Man kann ihn sehr flexibel tragen, Oberteile zum Beispiel als BH oder zum Sport anziehen. Eigentlich ist er ziemlich vielseitig.

STANDARD: Wie schnell ändern sich Trends im Bereich Bademode?

Rendl: Einige Jahre lang gab es einen Instagram-Hype um sehr knappe Triangel-Bikinis und hochgeschnittene Beinausschnitte. Momentan fällt mir mehr der Trend zur Activewear auf. Man geht ins Gym oder macht Pilates zu Hause und trägt dazu Bikini-Oberteile. Bademode ist ja auch Funktionskleidung, da ist der Schritt nicht mehr weit bis zur Fitness-Activewear.

STANDARD: Welches Bikini-Modell ist bei Ihnen am gefragtesten?

Rendl: Die letzten ein, zwei Jahre war der Triangel-Bikini besonders gefragt. Oft steigt die Nachfrage im Hochsommer nochmal. Aber unser Klassiker mit eckigem Ausschnitt und gekreuztem Rücken ist über die Jahre hinweg wohl am beliebtesten, weil er für viele Größen funktioniert. Müsste ich mich für eine Bikini-Hose entscheiden, wäre das eine klassische High-Waist-Pants, die über alle Moden erhaben ist.

STANDARD: 1946 war der Bikini ein Skandal!

Rendl: Das ist heute natürlich kein Thema mehr. Aber grundsätzlich wird Nacktheit bei Männern und Frauen immer noch sehr unterschiedlich bewertet. Als ich gestern vom Stadionbad nach Hause gefahren bin, wurde eine Frau, die "oben ohne" geradelt ist, von der Polizei aufgehalten. Ich vermute, dass der Grund ihr freier Oberkörper war. Zehn Sekunden später läuft mir ein älterer Mann ganz selbstverständlich oben ohne entgegen. Das hat mich schon zum Nachdenken gebracht. Auch auf Social Media werden männlich gelesene Körper anders oben bewertet als weiblich gelesene Körper, viele Labels haben Probleme mit Zensur.

STANDARD: Was ist beim Bikini-Schnitt eigentlich konstruktionstechnisch eine Herausforderung?

Rendl: Es geht darum, die Form der Brust gut zu treffen. Beim Sportbikini mag nicht so viel zu beachten sein, der Triangel-Bikini hingegen ist besonders schwierig. Vor allem, weil Frauen auch unterschiedliche Vorstellungen haben, wie die Brust geformt werden soll. Ich verzichte beispielsweise auf Pads und Cups, weil ich sie einfach nicht komfortabel finde.

Triangel-Bikini von Rendl
Triangel-Bikini von Rendl

STANDARD: Wird bei hohen Temperaturen mehr Bademode gekauft?

Rendl: Interessanterweise brauchen die Leute das heiße Wetter, um Badeanzüge zu kaufen: Kaum ist das Schwimmwetter da, kommen die Leute in den Shop.

STANDARD: Drei Tipps für den Bikinikauf?

Rendl: Ich empfehle, auf das Material zu achten. Es sollte sich gut anfühlen. Der Bikini muss gut und körpernah sitzen. Schwankt man zwischen zwei Größen, rate ich dazu, die kleinere Größe zu kaufen. Im Wasser wird der Stoff ein wenig weicher, man braucht trotzdem noch Halt. Im Shop hilft es oft, mehrere Modelle zu probieren und sich auf Stücke einzulassen, die man vielleicht nicht auf dem Radar hat, weil sie nicht im Trend sind. Und ja, sich beraten zu lassen, kann natürlich nicht schaden. (Anne Feldkamp, 18.7.2026)

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