Webcam für Teilhabe am Goetheturm
Stand: 10.08.2026, 18:00 Uhr
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Die Kamera soll Möglichkeiten eröffnen, Frankfurt auch von unten aus der Vogelperspektive zu sehen – doch es gibt Kritik am Projekt, weil es weiter an Barrierefreiheit mangele.
Der Goetheturm im Stadtwald in Sachsenhausen mit seinen rund 43 Metern Höhe zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen Frankfurts. Jetzt hat er eine Webcam bekommen, die auch Menschen, die nicht auf den Turm steigen können, einen Rundumblick über die Stadt und die Region ermöglicht. Dies soll ein Schritt zu mehr Teilhabe sein. Es gibt jedoch auch Kritik.
Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) betont die Wichtigkeit des Goetheturms als Frankfurter Wahrzeichen und stellt am Montag zusammen mit ihrer Parteifreundin Tina Zapf-Rodriguez, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen, die Webcam vor. „Das bedeutet mehr Teilhabe für unsere Stadt“, erläutert Eskandari-Grünberg. „Denn so können wir Menschen den Ausblick ermöglichen, die es sonst vielleicht nicht auf den Goetheturm geschafft hätten.“
Auf diese Weise lasse sich die Barriere, die 197 Treppenstufen für viele Besucherinnen und Besucher bildeten, zwar nicht vollkommen, aber zumindest teilweise abbauen. Diese Barriere müsse gar nicht unbedingt körperlich sein. Denn es gebe auch Menschen, die unter Höhenangst leiden. „Es ist vollkommen normal, unterschiedlich zu sein. Deswegen soll aber niemand ausgeschlossen werden.“
Zapf-Rodriguez freut sich ebenso über die Webcam. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie digitale Möglichkeiten das Miteinander fördern“, sagt sie. Auch von der gelungenen Zusammenarbeit, die zur Errichtung der Kamera geführt habe, zeigt sich die Dezernentin angetan. Ursprünglich sei die Idee zur Errichtung einer Webcam aus einer Kooperation des Grünflächenamts mit der University of Applied Sciences entstanden. Die Stabsstelle Integration finanzierte die Kamera mit rund 27.600 Euro, das Grünflächenamt setzte die Installation um.
Nicht alle vollends überzeugt
Doch nicht alle sind vom Zweck der Webcam vollends überzeugt. „Das ist keine Lösung, nicht mal ein schlechter Scherz“, sagt Hannes Heiler von der Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft (FBAG). „Wer so etwas als einen Schritt zu mehr Inklusion verkaufen will, hat nichts verstanden.“ Das Ganze sei keineswegs barrierefrei, bemängelt der FBAG-Sprecher.
„Ich habe das Wort ‚barrierefrei‘ extra nicht verwendet“, sagt Nargess Eskandari-Grünberg zu der Kritik der Arbeitsgemeinschaft. „Das Thema schaffen wir mit der Einrichtung der Kamera auch nicht aus der Welt. Dafür sorgen wir aber für mehr Teilhabe.“ Die Bürgermeisterin hält die Errichtung der Webcam für eine „kreative Lösung“, durch die sich ein neuer Blick eröffne – schließlich solle eine Stadt für alle sichtbar sein.
Infotafel mit QR-Code enthüllt
Damit alle Interessierten künftig auf die Webcam zugreifen können, enthüllen Eskandari-Grünberg und Zapf-Rodriguez eine Infotafel, auf der sich ein QR-Code befindet. Wer einen Blick aus der Kameraperspektive vom Goetheturm werfen möchte, kann dies dank des Codes nun auch direkt vor dem Bauwerk tun. Oder von überall sonst die Aussicht unter goetheturm.panocloud.webcam abrufen.
Auch Nachahmerinnen kann sich Eskandari-Grünberg vorstellen. „Ich bin gespannt, ob andere Städte so etwas zukünftig ebenfalls machen werden.“