Nordkoreas Militärführung: Pak Jong-chon kehrt zurück

Nordkoreas Regime strukturiert seine Militärführung tiefgreifend um – und holt einen alten Bekannten zurück an die Spitze. Der erst im Februar abberufene Artilleriespezialist Pak Jong-chon wurde wieder an die Nummer zwei der Zentralen Militärkommission befördert, des obersten Führungsgremiums der Volksarmee. Dort steht er fortan direkt hinter Machthaber Kim Jong-un. Zudem nahm das Regime Pak wieder ins Zentralkomitee und das Politbüro der Machtpartei auf.

Die vergangenen Monate hatte Pak nur mehr als Berater im Verteidigungsministerium fungiert. Warum genau der alte General jetzt zurückkommt, gab das Regime in seiner Mitteilung von Sonntag nicht bekannt. Offenbar wird er gebraucht. Pak gilt als eine Schlüsselfigur der nordkoreanischen Volksarmee. Er war einst Generalstabschef und wird als Experte für Nuklearwaffen, Raketen und Artillerie beschrieben – Schlüsselindustrien, in denen das Regime die militärische Modernisierung vorantreibt. In die Entwicklung dieser Systeme war Pak eng eingebunden.

Zudem enthob das Regime den seit 2024 amtierenden Verteidigungsminister No Kwang-chol seines Amtes. Laut der Staatsnachrichtenagentur KCNA wurde No auch „von der Parteiführung zurückberufen“ und in die Abteilung für Rüstungsindustrie des Zentralkomitees versetzt. Degradiert wurde er aber nicht: No wird Erster stellvertretender Leiter der wichtigen Abteilung für Munitionsindustrie des Zentralkomitees. Neuer Verteidigungsminister wiederum wird Kim Song-gi, bis dahin Direktor des Allgemeinen Politbüros der Koreanischen Volksarmee.

Modernisierung, Kontrolle und Korruptionsbekämpfung

Über alle diese Änderungen berichteten Nordkoreas Staatsmedien am Sonntag, nachdem die Rotationen am Vortag auf der zweiten Sitzung der neunten Zentralen Militärkommission der nordkoreanischen Arbeiterpartei beschlossen wurden. Geleitet wurde sie von Kim Jong-un.

Begründungen für alle diese Wechsel gab das nordkoreanische Regime zunächst nicht bekannt. Ein unmittelbarer Hintergrund aber könnten Korruptionsfälle innerhalb der Streitkräfte sein, die das Regime im Juli in einer Sondersitzung öffentlich gemacht und gegen die es harte Maßnahmen angekündigt hatte. Die konservative südkoreanische Zeitung „Chosun Ilbo“ interpretierte die Personalwechsel denn auch als Teil von Antikorruptionsbemühungen.

Andere sprechen gleichzeitig vom Bemühen um weitere militärische Modernisierung auch im konventionellen Bereich, wofür die Rückholaktion des alten Pak spricht. Dazu passt, dass Machthaber Kim die Militärsitzung am Samstag mit einer Ehrung von Ingenieuren und Wissenschaftlern zelebrierte, die für das Regime zufriedenstellende Waffensysteme entwickelt haben.

Weitere Umbauten betrafen Yu Kwang-u, den Direktor des Sicherheitsbüros der Volksarmee: Dieser wurde zum ersten stellvertretenden Direktor des Allgemeinen Politischen Büros ernannt und ins Politbüro aufgenommen. Der bisherige Politkommissar der Luftwaffe Om Ju-ho wiederum wurde zu seinem Nachfolger im militärischen Sicherheitsdienst ernannt.

Nordkoreas Zentrale Militärkommission äußerte denn auch „ihre Erwartung und Zuversicht, dass die wichtigsten Kommandeure, die ihre neuen Aufgaben antreten“, ihre Aufgaben „mit unendlicher Hingabe“ erfüllen.