Plötzlich König: Lino Keß aus Wuppertal hat jetzt ein Weingut - was er damit machen will
Jedes Jahr zur Weinlesezeit ist hier am Steilhang eine ganz besondere Stimmung für Lino. Etwa 10 Freiwillige sind gekommen, um bei der Lese zu helfen. Vor 6 Jahren hat Lino seine Frau Sophie kennengelernt. Sie kommt aus einer Winzerfamilie und ist auf dem Weingut aufgewachsen. Dass er einmal die Nachfolge mit übernimmt, hätte er früher nicht gedacht.
"Ich hatte schon immer Bock auf Wein. Das aber wirklich so zu machen, das war nie so geplant.“ Lino Keß
Gleichberechtigt und mit Freiwilligenhilfe
Deshalb sind die jungen Weinmacher froh, dass zur Lese so viele Freunde aus ganz Deutschland vorbeigekommen sind. "In flachen Lagen kann man auch mit einem automatischen Vollernter durchfahren. Das ist natürlich viel schneller, als die Arbeit per Hand." Am Ende sei das auch eine Kostenfrage. "Ohne den Support würde die Flasche zu teuer."
Und für die Städter ist so ein Weinlesetrip an die Mosel was ganz besonderes: "Die Leute kommen hier hin, feiern das total. Das ist schon süß.", sagt Lino.
Bioqualität macht Mehrarbeit
Da das Weinjahr eher warm und trocken war, ist die Lese etwas einfacher. "Für den Wasserhaushalt des Berges ist das Wetter zwar schlecht, da hat man weniger Ertrag." Die Trockenheit führt aber zu kaum Fäule und wenig Schädlingen an den Trauben. So gibt es weniger zu selektieren.
Großstädter wird Weinkönig
Zur Integration ins Dorf hat sich Lino zum Weinkönig krönen lassen. Als Repräsentant von Reil zieht er in traditioneller Kleidung durch die Region. Dabei macht er keine Werbung für das eigene Weingut. Er gibt dem Weinbaugebiet eine offizielle Stimme: Reden auf der Bühne halten, Festwagen fahren und Hände schütteln.
Wein- und Tourismusgeschäft im Wandel
Durch seinen Hintergrund als Designer bringt er frischen Wind aufs Dorf. Website und Etikettendesign, Social Media, Online-Vertrieb … Und auch eine eigene Gastronomie neben dem Weingut hat Lino hier mit seinem Cousin auf die Beine gestellt. Bio. Und etwas weniger gutbürgerlich.
Mit französischer Quiche, Antipasti, Käse-Schinkenplatte und Brezeln. "Das kommt auch nicht immer gut an." Aber so sei das eben, wenn man Dinge erst mal anders macht. "Damit versuchen wir natürlich, neue Leute an die Mosel zu locken."
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 14.10.2026, 19:30 Uhr