Neuer Getreide-Deal? Drohnenangriffen auf Handelsschiffe – Türkei drängt auf neues Memorandum

Welle von Drohnenangriffen auf Handelsschiffe: Türkei legt Russland und Ukraine neuen Entwurf vor

Stand: 18.09.2026, 20:25 Uhr

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Die Türkei will die Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer stoppen – und hat beiden Kriegsparteien einen Entwurf vorgelegt. Die Reaktionen lassen auf sich warten.

Ankara – Die Türkei hat einen Vorstoß unternommen, um die eskalierenden Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer zu beenden. Ankara hat sowohl Russland als auch der Ukraine einen Entwurf für eine Absichtserklärung vorgelegt, wie ein türkischer Diplomat der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag bestätigte.

Ein orangener Frachttanker im Schwarzen Meer. (Symbolbild)

Ein orangener Frachttanker im Schwarzen Meer. (Symbolbild) © IMAGO/imageBROKER/caboria

„Wir haben den Russen und den Ukrainern einen Text eines Memorandums, einen Entwurfstext, übermittelt, um eine Lösung für die Angriffe im Schwarzen Meer zu finden“, sagte der Diplomat. Wie beide Seiten auf den Entwurf reagiert haben, ist bislang nicht bekannt. Auch der genaue Inhalt des Memorandums wurde bislang nicht öffentlich gemacht.

Welle von Angriffen auf türkische Schiffe: Ankara bestellte ukrainischen Botschafter ein

Der Hintergrund der Initiative ist eine deutliche Zunahme von Attacken auf Handelsschiffe in der Region. Seit Ende Juni sind mindestens 25 türkische Schiffe getroffen worden, die meisten davon unter ausländischer Flagge, wie die türkische Handelskammer mitteilte. Mehrere Drohnenangriffe wurden der Ukraine zugeschrieben, die damit den Transport von Getreide und Kohlenwasserstoffen zugunsten Russlands behindern will.

Ende August hatte Ankara den ukrainischen Botschafter einberufen, nachdem zunächst ein Schiff im Schwarzen Meer angegriffen worden war und anschließend auch das Schiff, das es abschleppen sollte. Der Vorfall verdeutlichte, wie stark türkische Interessen durch den Konflikt unter Druck geraten sind. Die Türkei unterhält enge wirtschaftliche Beziehungen zu beiden Kriegsparteien und ist auf freie Schifffahrtswege im Schwarzen Meer angewiesen.

Anlehnung an das Getreideabkommen von 2022: Türkei will neuen Deal zwischen Russland und Ukraine

Der türkische Vorschlag orientiert sich dem Vernehmen nach am Schwarzmeer-Getreideabkommen von 2022, das die Türkei gemeinsam mit den Vereinten Nationen vermittelt hatte. Dieses Abkommen hatte es der Ukraine ermöglicht, trotz des laufenden Krieges Agrarprodukte über das Schwarze Meer zu exportieren. Russland trat im Juli 2023 aus dem Abkommen aus.

Bereits Anfang August hatte der türkische Außenminister Hakan Fidan ein Moratorium für die Angriffe auf Handelsschiffe gefordert. Russlands Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich jedoch skeptisch: Eine solche Initiative lasse sich „unmöglich überwachen“, erklärte er. Ob Russland den neuen Memorandum-Entwurf formal annehmen oder ablehnen wird, ist unklar.

Für Deutschland und Europa ist die Lage im Schwarzen Meer von erheblicher Bedeutung. Die Region ist ein wichtiger Korridor für Getreide- und Energielieferungen. Störungen des Schiffsverkehrs können sich direkt auf die Versorgungssicherheit und die Preise auf den europäischen Märkten auswirken. (Quellen: AFP, Kyiv Post, dpa) (nak)