Über 300’000 Studierende bis 2035: Sind die Hochschulen bereit?

Weniger Kinder, mehr Studenten Immer mehr Menschen in der Schweiz wollen studieren

Bis 2035 dürfte die Zahl der Studierenden um gut einen Fünftel steigen. Die Hochschulen fordern mehr Geld.

12.10.2026, 14:23

Der Druck auf die Primarschulen könnte in den kommenden Jahren nachlassen. Bis 2035 dürfte die Zahl der Primarschülerinnen und Primarschüler um rund acht Prozent sinken, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) berechnet hat. Der Grund: Es werden weniger Kinder geboren.

Medienmitteilung

Anders der Trend an den Hochschulen: Dort dürfte die Zahl der Studierenden in den nächsten Jahren um gut einen Fünftel steigen. Rund 250’000 Menschen studieren heute an Schweizer Universitäten, Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen. In zehn Jahren dürften es über 300’000 sein.

Für dieses starke Wachstum gebe es mehrere Gründe, sagt Jacques Babel, Leiter der Abteilung Bildungsperspektiven beim Bundesamt für Statistik (BFS). Ein Grund sind die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 2003 und 2018. Das heisst, es gibt immer mehr junge Menschen, die ins typische Studienalter kommen.

Das erkläre aber nur rund ein Drittel der Zunahme. «Der zweite Grund ist die Attraktivität der Schweizer Hochschulen. Immer mehr Junge erwerben nach der Grundausbildung die Berufsmaturität und gehen an eine Fachhochschule. Auch bei der gymnasialen Maturität sehen wir einen Anstieg», sagt Babel.

Mehr Studierende mit ausländischem Zulassungsausweis

Die Schweizer Hochschulen und Universitäten sind allerdings nicht nur im Inland beliebt. Es gibt auch immer mehr Studierende aus dem Ausland, die sich hierzulande für ein Studium anmelden – eine Entwicklung, die in den nächsten Jahren noch zunehmen dürfte, sagt Babel: «Wir beobachten immer mehr ausländische Studierende, vor allem auf der Masterstufe.»

Bis 2035 rechnet das Bundesamt für Statistik mit über einem Drittel mehr ausländischen Studierenden auf Masterstufe.

Für die Hochschulen bedeutet das: Sie müssen in den nächsten Jahren deutlich mehr Studierende aufnehmen. Um das zu bewältigen, brauche es mehr finanzielle Mittel, schreibt die Dachorganisation Swissuniversities auf Anfrage:

«Für den Zeitraum von 2029 bis 2032 fordert Swissuniversities eine jährliche Erhöhung der Grundbeiträge an die Hochschulen um 2.18 Prozent. Diese soll es den Hochschulen ermöglichen, den Anstieg der Studierendenzahlen und der Kosten zu bewältigen sowie die Qualität ihrer Leistungen zu sichern.»

Anstieg dürfte bis 2040 anhalten

Gleichzeitig fällt der Ansturm auf die Hochschulen in eine Zeit, in der junge Akademikerinnen und Akademiker beim Berufseinstieg vermehrt Mühe haben. Auf die Hochschulen werden also in Zukunft noch einige Fragen zukommen. Das BFS geht davon aus, dass die Zahl der Studierenden bis etwa 2040 weiter steigen wird.