Wenigstens hat die KI-Angst das Thema auf die politische Agenda gebracht
Künstliche Intelligenz
Wenigstens hat die KI-Angst das Thema auf die politische Agenda gebracht
Nach den jüngsten Vorfällen und Warnungen wird KI-Sicherheit auch von politischen Akteuren deutlich intensiver diskutiert
Kolumne
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Stefan Mey
Wenn die durch Anthropic-Chef Dario Amodei losgetretene Debatte um eine Verlangsamung der KI-Entwicklung für irgendetwas gut war, dann zumindest, dass das Thema zunehmend in das Blickfeld der breiten Öffentlichkeit sowie der politischen Entscheidungsträger gerückt ist.
So hatte US-Präsident Donald Trump die Bedenken zunächst als Teil einer "kranken Verschwörung" bezeichnet und in einem Posting auf Truth Social betont, dass ein "STARKER UND INTELLIGENTER (hoher IQ!) PRÄSIDENT" zur Kontrolle ausreiche. Am Samstag kündigte er jedoch auf dem gleichen Netzwerk an, in naher Zukunft einen KI-Beauftragten zu ernennen. Dieser soll das Wachstum der Branche nicht behindern, sondern unterstützen und beaufsichtigen.
Internationale Pläne
Es ist davon auszugehen, dass Trump auch bei seinem Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping am Donnerstag über das Thema sprechen wird: Immerhin will Trump auch deshalb die KI-Entwicklung nicht einbremsen, weil er eine Vormachtstellung Chinas in diesem Bereich fürchtet. Am selben Tag rückt KI auch erstmals in den Fokus der UN-Generaldebatte in New York. Einen Tag zuvor wird sich Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger dort zum Thema "Regulierung von autonomen Waffensystemen" äußern.
In Europa betonte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch, dass man die Regulierung der Branche vorantreiben und mit KI-Entwicklern darüber beraten wolle, wie mögliche Risiken eingedämmt werden können. Und in Österreich möchte man nachjustieren, indem Anfang November mit der "Artificial Intelligence Mission Austria 2030" (AIM AT 2030) eine neue KI-Strategie vorgestellt wird. Noch immer gibt es hierzulande zwar die von EU-Ebene vorgeschriebenen Regeln gegen Deepfakes, aber nicht die entsprechende Kontrollbehörde.
Agents als Hacker
Vergangenes Wochenende hatten die Chefs führender KI-Unternehmen, angetrieben von Amodei, mehr Regulierung und Aufsicht und somit eine Verlangsamung der KI-Entwicklung gefordert. Dem vorangegangen war, dass KI-Agenten von OpenAI die Plattform Hugging Face gehackt hatten. Vergangene Woche machte OpenAI weitere KI-Probleme öffentlich: So versuchte ein KI-Modell bei Tests zu schummeln, indem es von ihm selbst erstellte Dateien ins Netz lud, um später auf diese referenzieren zu können. Außerdem sollen nach jüngsten Erkenntnissen unter anderem auch die Modelle von Googles Gemini bei einem Test zum Thema Cybersecurity eigenständig Unternehmen gehackt haben.
Vielfach wurde das Thema im STANDARD in verschiedene Richtungen kommentiert. Benno Schwinghammer etwa schreibt, dass das Szenario der KI-Apokalypse real sei und ernst genommen werden solle. Ingrid Brodnig sieht Europa an der Reihe, mit passender Regulierung zu punkten, zumal dies von China und den USA nicht zu erwarten ist. Und Andreas Proschofsky betont, dass mit den Narrativen der sogenannten "KI-Doomer" ein weiteres Mal von realer Verantwortung und gegenwärtigen Problemen abgelenkt wird.
Erkenntnisse und Diebstähle
Und die Palette der Probleme ist breit, wie sich auch diese Woche wieder zeigt. So stellen sich Top-Stars der Mathematik derzeit gegen KI-Entwicklungen in ihrem Forschungsfeld, weil sie Entwertungen menschlicher Leistungen fürchten. Knackpunkt ist hier die Unterscheidung zwischen Ergebnis und Erkenntnis: Das eigentliche Ziel der Mathematik sei nämlich nicht das Produzieren von Wahr-oder-Falsch-Aussagen, sondern das Verständnis der dahinterstehenden Strukturen und Konzepte.
Außerdem verdächtigt ein weiterer Mathematiker OpenAI, seine Ergebnisse für eigene Forschungen verwendet und als eigene Lösung präsentiert zu haben. Derartige Vorwürfe rund um Urheberschaft sind in anderen Branchen schon länger ein Thema, und aktuellen Erkenntnissen zufolge dürfte man sich zumindest bei Microsoft bewusst gewesen sein, dass es sich dabei um "den größten Diebstahl von Arbeitskraft in der Geschichte" handelt.
Datenschutz und Deepfakes
Dem nicht genug, ist die Branche vermehrt mit dem Thema Datenschutz konfrontiert. So zeigt eine aktuelle Recherche, dass OpenAI externe Mitarbeiter echte ChatGPT-Chats lesen und bewerten ließ. Meta hingegen reagiert auf die Kritik an seinen "Perversling-Brillen" und will kamerafreie Smart Glasses vorstellen.
Dann wär da noch die Tatsache, dass KI-Influencer historische Ereignisse zeigen, die so nicht stattgefunden haben. Dass der Ressourcenverbrauch von KI zwar definitiv hoch, im Fall von Google in Kronstorf aber auch recht intransparent ist. Dass Kinder sich zunehmend in eine psychische Abhängigkeit zu KI-Chatbots begeben. Und dass es eine Leichtigkeit ist, mit KI Deepfakes zu generieren.
Und letztlich muss es nicht eine zukünftige "Killer-KI" sein, die Menschenleben auf dem Gewissen hat – dafür reicht es auch, dass böswillige Menschen KI-Tools verwenden. So hatte Anthropic Akteure aus risikoreichen Regionen bei Versuchen blockiert, Claude für sensible Projekte wie Vogelgrippe-Studien einzuspannen. Huthi-Rebellen wiederum haben Claude für die Entwicklung von Raketensoftware verwendet.
Zu tun gibt es für die staatlichen Akteure und multinationalen Organisationen also genug, wenn es um die Regulierung von KI und die Erhöhung der Sicherheit geht – dafür braucht es nicht mal ein Terminator-Szenario. Die Community des STANDARD kann indes in diesem Forum ausführlich über das Thema KI-Angst diskutieren. (Stefan Mey, 20.9.2026)
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