Wenn Papa im Gefängnis sitzt: Häftlinge schreiben Kinderbuch

Stand: 23.07.2026, 21:00 Uhr

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„Papazeit – nur anders!“ heißt ein neues Buch für Kinder von Inhaftierten.

„Papazeit – nur anders!“ heißt ein neues Buch für Kinder von Inhaftierten. © Justizressort

In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bremen haben inhaftierte Väter ein Kinderbuch entwickelt, das Kindern von Gefangenen Ängste nehmen und Fragen rund um die Haft beantworten soll.

Bremen – Das Buch trägt den Titel „Papazeit – nur anders!“ und ist im Rahmen eines Vater-Kind-Kurses in der JVA entstanden. Zehn Gefangene haben jeweils ein Kapitel geschrieben. Schritt für Schritt wird darin erklärt, was passiert: von „Papa wird von der Polizei abgeholt“ über die Gerichtsverhandlung und den Alltag in der Strafhaft bis zu „Papa kommt in den offenen Vollzug“ und „Papa wird entlassen“. Ein weiterer Inhaftierter illustrierte das Buch mit bunten Bildern rund um das Pinguin-Maskottchen Pico; die Zeichnungen wurden anschließend professionell nachbearbeitet.

Zunächst 500 Exemplare produziert

Die erste Auflage umfasst 500 Exemplare, die Kinder von Inhaftierten kostenlos erhalten. Kooperationspartner des Projekts war der Verein Hoppenbank, der auch Träger der neuen Landeskoordinierungsstelle „Kinder von Inhaftierten“ in Bremen ist.

„Das Erarbeiten des Buches mit den Teilnehmern des Vater-Kind-Kurses war eine spannende Abwechslung zum Vollzugsalltag. Jeder Gefangene hat ein Kapitel beigesteuert und so vielleicht auch ein wenig Selbsttherapie angewendet. Am Ende ist ein wirklich schön gestaltetes Buch herausgekommen, auf das die Autoren und der Zeichner zurecht sehr stolz sein können“, so die Familienbeauftragte der Justizvollzugsanstalt Bremen, Kim Schlangen.

Justizsenatorin Claudia Schilling (SPD) betont die Bedeutung des Angebots für betroffene Familien: „Dass wir die Kinder und Familien von Gefangenen stärker unterstützen und ansprechen, ist mir sehr wichtig. Für die Inhaftierten kann das Buch ein Einstieg sein, um mit ihren Kindern ehrlich und in einfachen Worten über ihre Fehler und ihre Haft zu sprechen. Außerdem werden den Familien ganz praktische Möglichkeiten der Unterstützung aufgezeigt. Damit senden wir ein wichtiges Signal: Ihr seid nicht allein, es gibt Hilfe in dieser schwierigen Situation. Die ersten Rückmeldungen, die wir aus der JVA erhalten haben, sind überaus positiv.“

Mira und Leo verstehen die Welt nicht mehr

Kindgerecht ist neben den Illustrationen auch die Sprache des Buches. Der Klappentext gibt einen Einblick in die Geschichte der Geschwister Mira und Leo, deren Vater ins Gefängnis muss: „Mira und Leo verstehen die Welt nicht mehr. Ihr Papa wird von der Polizei abgeholt und weggebracht. Erst viel später erfahren sie, dass ihr Papa ein Verbrechen begangen hat und ins Gefängnis muss. Die beiden leiden darunter und machen sich Sorgen um ihren Papa.“

Im Verlauf der Erzählung gelingt es dem Vater, seinen Kindern die Angst zu nehmen. Mira und Leo erfahren, dass es viele andere Kinder in einer ähnlichen Situation gibt – und am Ende können sie ihren Papa wieder zu Hause in die Arme schließen. Pico, das Pinguin-Maskottchen, begleitet sie dabei durch die schwere Zeit und führt spielerisch an den Alltag im Gefängnis heran.