Wie die Münchner Linke Wohnungsleerstand bekämpfen will – „darf sich nicht lohnen“
Stand: 22.09.2026, 20:00 Uhr
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Die Münchner Linke will Leerstand mit einer Abgabe von 20 Euro pro Quadratmeter belegen. Das Sozialreferat hält das für kompliziert.
München – Zwei Tage nach dem Erfolg bei der Berlin-Wahl macht die Linke auch in München auf sich aufmerksam. Am Dienstag lud die Partei zum Pressegespräch. Zwar nicht, um über das Berliner Ergebnis zu sprechen – sehr wohl aber über das Thema, das auch den Wahlkampf in der Bundeshauptstadt geprägt hatte: Wohnen und Miet-Wahnsinn.
Mit Quadratmeterpreisen von mehr als 20 Euro bleibt München die teuerste Stadt Deutschlands – auch in Berlin steigen die Mieten stark. Während die Berliner Linke unter anderem auf die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen setzt, setzt die Münchner Fraktion auf einen anderen Schwerpunkt: den Kampf gegen Leerstand.
„Jede leerstehende Wohnung ist eine zu viel“, sagt Stadtrat Christian Schwarzenberger. Doch wie viele Wohnungen tatsächlich leer stehen, weiß niemand genau. Der Zensus 2022 zählte 22.403 leerstehende Wohnungen – je nach Erhebungsmethode schwanken die Zahlen allerdings deutlich.
Die Linke fordert nun, Leerstände anhand von Stromzählerständen zu ermitteln. Das sei möglich, solange keine personenbezogenen Daten übermittelt würden, sagt Fraktionschef Stefan Jagel. Das zeige ein Bericht des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags. Es gehe nicht darum, einzelne Wohnungen und Eigentümer aufzudecken, sondern etwa Leerstände in ganzen Blöcken zu erkennen. Das Sozialreferat teilt mit, dass eine solche anonyme Aufstellung keinen „echten Mehrgewinn“ liefere – wenn es um Zweckentfremdung geht. Die Linke verweist dagegen auf Städte wie Dortmund, wo ähnliche Ermittlungen bereits laufen.
Außerdem fordert die Linke, dass künftig 20 Euro pro Quadratmeter zahlen soll, wer eine Wohnung länger als drei Monate leer stehen lässt. „Leerstand darf sich nicht mehr lohnen“, fordert Schwarzenberger. Die Einnahmen sollen in den Bau von Wohnraum fließen. Das Sozialreferat sieht dafür keinen Anlass, da schon jetzt Zwangsgelder möglich seien. Es gibt allerdings weitere Bedenken: In manchen Fällen ist Leerstand legal – etwa bei einer beabsichtigten Renovierung. Eine Abgabe wäre hier rechtlich nicht durchsetzbar, so das Referat.
Münchner Linke gibt sich als Mieterpartei
Bereits im Münchner Kommunalwahlkampf hatte sich die Linke als Mieterpartei präsentiert. Neben dem Kampf gegen Leerstand forderte sie etwa, illegal hohe Mieten stärker zu ahnden. Außerdem setzte sie sich für Mieter ein, die nach der Energiekrise unter hohen Nebenkostennachzahlungen litten.
Bei der Wahl im März kam die Partei auf 6,6 Prozent der Stimmen – doppelt so viel wie bei der Wahl zuvor. „Wir sind damit sehr zufrieden“, sagt Linken-Chef Jagel. Allerdings blieb die Partei hinter dem damaligen Bundestrend zurück. In Umfragen lagen die Linken im März auf Bundesebene teils bei mehr als zehn Prozent. Einen Höhepunkt dieses Trends bildet nun die Berlin-Wahl: Dort holte die Partei mit 25,7 Prozent die meisten Stimmen.
Dabei setzt die Linke auf ein politisch umstrittenes Thema: Sie hält an der Forderung fest, Wohnkonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen zu vergesellschaften. Kritiker befürchten, dass dies Investoren abschrecken und den Neubau bremsen könnte.
Ein Modell für die Münchner Linke? Nicht wirklich, sagt Jagel. „In Berlin gibt es einen klaren Auftrag“, sagt er. Er meint einen Volksentscheid, bei dem knapp 58 Prozent für eine Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen stimmten. Allein weil solche Entscheide Ländersache seien, sei ein ähnlicher Vorstoß in München nicht möglich. Grundsätzlich findet Jagel aber: „Die Berliner Linken haben das hervorragend gemacht.“