Wie eine Mülldeponie in Guinea zur Todesfalle wurde
Pro Artikel
In Guineas Hauptstadt Conakry sind 34 Personen beim Erdrutsch an einer Mülldeponie ums Leben gekommen. Bereits vor neun Jahren kam es zu einem ähnlichen Unglück. Satellitenbilder zeigen: Anstatt die Deponie zu schliessen, erweiterte man sie danach.
30.08.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten
Es sind düstere Bilder, die am vergangenen Sonntag in Conakry entstanden sind, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes Guinea. Rettungskräfte suchen mit Baggern auf einem Müllberg nach Opfern und Überlebenden einer Katastrophe, die sich wenige Stunden zuvor dort abgespielt hat.
Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Mithilfe von Baggern wurde auf der Mülldeponie in Conakry nach Toten und Überlebenden gesucht.
Souleymane Camara / REUTERS
In der Nacht kam es auf der grössten Mülldeponie der Stadt zu einem Erdrutsch. Dabei kamen nach gegenwärtigem Stand 34 Personen ums Leben, 33 wurden verletzt. Die grossen Niederschlagsmengen während der Regenzeit führten vermutlich dazu, dass die Müllmasse unter dem Gewicht des Wassers ins Rutschen geriet.
In Conakry fallen laut Behördenangaben täglich mehr als 2000 Tonnen Abfall an. Das meiste davon landet auf der Mülldeponie La Minière. Die Abfallhalde liegt mitten in der Millionenstadt und erstreckt sich über mehrere hundert Meter. Auf allen Seiten ist sie von Häusern umgeben.
Diese räumliche Nähe wurde zur tödlichen Falle. Das Abrutschen des Müllbergs führte laut der Regierung zum Einsturz mehrerer Häuser. Wie viele genau zerstört wurden, ist auch eine Woche nach dem Unglück noch unklar. Bislang fehlen hochauflösende Satellitenbilder, die die Mülldeponie und Umgebung nach dem Erdrutsch zeigen. Der stark bewölkte Himmel in den vergangenen Tagen erschwerte entsprechende Aufnahmen.
Mithilfe aktueller Fotos und historischen Satellitenbildern lassen sich allerdings das Ausmass und die Hintergründe recherchieren. Inzwischen deutet einiges darauf hin, dass die Katastrophe vermeidbar gewesen wäre. Denn es war nicht das erste Unglück dieser Art.
Am 22. August 2017 – fast auf den Tag genau neun Jahre vor dem erneuten Unglück – kam es auf der Mülldeponie La Minière schon einmal zu einem schwerwiegenden Erdrutsch, bei dem umliegende Häuser zerstört wurden. Damals starben mindestens acht Menschen, die Angaben dazu variieren.
Doch anstatt die Mülldeponie nach diesem Unglück zu schliessen, passierte das Gegenteil: Satellitenbilder zeigen, dass sie in den Folgejahren sogar erweitert wurde und der Müllberg anwuchs. Auf einer Aufnahme vom Februar 2019 sind im Süden der Mülldeponie noch reihenweise Häuser zu erkennen. Zwischen Mai und Dezember wurden sie entfernt. Der frei gewordene Bereich wurde aber nicht als Puffer genutzt. Auf einem Satellitenbild vom Februar 2025 ist zu erkennen, dass sich stattdessen der Müllberg auf diesen Bereich ausgedehnt hatte. Nun sind die nächsten Häuser erneut nur noch wenige Meter vom Müllberg entfernt.
Dieses Bild eines zerstörten Hauses konnte die NZZ in unmittelbarer Nähe zu jenem Bereich verorten, in dem die Mülldeponie gewachsen ist.

Aufnahme eines zerstörten Hauses nahe der Mülldeponie, das von der NZZ verortet werden konnte.
Souleymane Camara / REUTERS
Immer wieder berichteten Anwohner in den vergangenen Jahren von gesundheitlichen Problemen und drängten auf die Schliessung. Andererseits war die Mülldeponie für einige Menschen in Conakry auch eine Einkommensquelle: Sie suchten im Müll nach Dingen, die sich rezyklieren oder weiterverkaufen liessen. Feuer wurden entfacht, um Metalle freizulegen.
Die Behörden beschrieben La Minière zuletzt selbst als «vollständig gefüllt» und drängen auf die Schliessung der Deponie. Als Ersatz war ein neuer Standort ausserhalb der Stadt vorgesehen, aber die Umsetzung dieser Pläne zog sich hin.
Noch am Donnerstag, zwei Tage vor der Katastrophe, trafen sich Behördenvertreter mit Anwohnern, um über die geplante Schliessung und entsprechende Massnahmen zu sprechen. Ende August sollten die entsprechenden Arbeiten beginnen, zunächst mit dem Bau eines Zauns um das Gelände. Der tödliche Erdrutsch kam dem zuvor.
Passend zum Artikel


