Erfolg und Crash: Aschenbrenners KI-Wetten führen zu Milliardenverlusten
Wie gewonnen, so zerronnen: Das Wunderkind Leopold Aschenbrenner schliesst grosse Wetten auf KI ab – und verliert Milliarden
Der Hedge-Fund Situational Awareness zeigt beispielhaft den KI-Hype: Innert Monaten vervielfacht der Fonds den Wert seines Portfolios – und muss es danach notfallmässig verkaufen.
02.08.2026, 05.30 Uhr
4 Leseminuten

Leopold Aschenbrenner verwaltet mit seinem Fonds Situational Awareness einen zweistelligen Milliardenbetrag.
Josh Edelson / Situational Awareness
In einem halben Jahr hat Leopold Aschenbrenner es geschafft, das Vermögen seines Hedge-Funds zu vervielfachen – und wieder Milliarden Dollar an Wert zu verlieren.
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Am Donnerstag verkaufte Aschenbrenner notfallmässig einen Grossteil des öffentlichen Portfolios seines Hedge-Funds Situational Awareness, der durch Fremdkapital von Brokern finanziert wurde. Den Deal sicherte sich Citadel, der Hedge-Fund-Riese des amerikanischen Milliardärs Ken Griffin.
Das Wunderkind aus Deutschland
Die Geschichte ist symptomatisch für die Turbulenzen auf dem Finanzmarkt, die dem KI-Hype geschuldet sind. Investoren schliessen riesige Wetten ab, KI-Chiphersteller gehen zirkuläre Deals mit KI-Modell-Entwicklern ein, Ökonomen und Ökonominnen sprechen längst von einer Blase.
Inmitten des KI-Hypes hat Aschenbrenner, Mitte zwanzig, aus Deutschland, 2024 seinen Hedge-Fund gestartet – ohne jegliche Erfahrung im Investmentgeschäft. Er verliess sich auf seine analytischen Fähigkeiten und sein Netzwerk im Silicon Valley.
Aschenbrenner galt schnell als Wunderkind und als KI-Orakel. Mit fünfzehn schloss er in Berlin das Gymnasium ab und ging an die Columbia University, die er mit neunzehn mit Auszeichnung abschloss. Später arbeitete er für das «Superalignment-Team» von Open AI, bis er wegen mutmasslicher Weitergabe von Dokumenten entlassen wurde. Danach schrieb er einen Essay über die Zukunft von KI, der viral ging.
Das 2024 veröffentlichte Papier heisst «Situational Awareness» und beschreibt auf über hundert Seiten, wie KI noch vor Ende des Jahrzehnts die menschliche Intelligenz überholt und die Wirtschaft verändert haben wird. Und dass auf diesem Weg eines besonders wichtig werde: KI-Infrastruktur für die nötige Rechenleistung. Also Rechenzentren, Server, Chips und genügend Energie, um alles am Laufen zu halten.
Auf dieser Prämisse baute Aschenbrenner den gleichnamigen Hedge-Fund Situational Awareness auf. Und dieser hob ab. Grosse Namen investierten, unter ihnen die Tech-Investoren Daniel Gross und Nat Friedman sowie Patrick und John Collison, die den Online-Zahlungsdienstleister Stripe gegründet hatten.
Aschenbrenners Hedge-Fund, für den mittlerweile etwa zwanzig Leute arbeiten, schaffte es gemäss Berichten von «Bloomberg» und «CNBC» ausserdem, sich Kredite von Goldman Sachs, Bank of America oder JP Morgan Chase zu sichern. Mit diesem finanziellen Hebel konnte er noch grössere Positionen an den Märkten eingehen und so in den letzten Monaten die Renditen von Situational Awareness steigern.
Die beiden KI-Wetten
Aschenbrenner schloss zwei Wetten ab: Wette eins: Halbleiterfirmen oder Cloud-Anbieter, welche die Infrastruktur hinter KI stellen, werden zu den Gewinnern des KI-Hypes gehören. Wette zwei: Softwarefirmen, deren Dienstleistungen künftig durch KI ersetzt werden könnten, werden zu den Verlierern gehören.
Zunächst schienen beide Wetten aufzugehen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres verkauften Anleger ihre Software-Aktien, gleichzeitig schritt der KI-Ausbau voran. Doch spätestens im Juni kippte die Stimmung an den Finanzmärkten.
Anleger blickten skeptisch auf die in die Höhe schiessenden Bewertungen und befürchteten eine Überbewertung. Die Aktien von Firmen, auf die Aschenbrenner gesetzt hatte, brachen ein. Gleichzeitig stieg etwa der Aktienkurs der Softwarefirma Adobe, gegen die Aschenbrenner gewettet hatte, unerwartet.
Beides traf Situational Awareness. Der Hedge-Fund hatte etwa in die Energiefirma Bloom Energy, den Speicherchiphersteller Sandisk, die südkoreanische Halbleiterfirma SK Hynix oder das Unternehmen Coreweave investiert, das auf KI spezialisierte Cloud-Dienste anbietet. Die Aktienkurse von Bloom Energy und Sandisk sind seit Ende Juni stark eingebrochen. Die Aktie der Firma SK Hynix ist seit deren spektakulärem Listing an der amerikanischen Tech-Börse Nasdaq um über 20 Prozent gefallen.
Der Verkauf an den Hedge-Fund-Riesen Citadel
Wie die «Financial Times», «CNBC» und die «New York Times» übereinstimmend berichten, erhielt Aschenbrenners Fonds von seinen Kreditgebern die dringende Aufforderung, Geld nachzuschiessen. Aschenbrenner geriet unter Druck und rief schliesslich Ken Griffin, den Chef des Hedge-Fund-Riesen Citadel, an. Dieser übernahm einen Grossteil des öffentlichen Portfolios von Aschenbrenners Fonds.
Gemäss Bloomberg ist das Vermögen von Situational Awareness mittlerweile noch rund 10 Milliarden Dollar wert, das entspricht der Hälfte seines Werts im Mai.
Im Sommer 2024, kurz bevor Aschenbrenner seinen Hedge-Fund gründete, wurde er im Podcast des Autors Dwarkesh Patel auf den Fonds Peter Thiels angesprochen. Dieser kollabierte, noch bevor Thiels Investmentthesen eintreten konnten.
Aschenbrenner antwortete darauf: «Offensichtlich ist die Aufgabe Nummer eins und zwei, nicht in Flammen aufzugehen.» Man müsse den richtigen Zeitpunkt treffen.
In der Kommentarspalte unter dem Video zum Podcast liest man seit Donnerstag schadenfreudige Bemerkungen. Dabei ist Aschenbrenner noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Sein Fonds besitzt noch immer ein relativ grosses Portfolio und hält Anteile an Anthropic. Sollte Anthropics angestrebter Börsengang ein Erfolg werden, könnte es Aschenbrenner und seinem Hedge-Fund auf einen Schlag erneut hohe Summen einbringen.
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