Wie Judenburg trotz trockener Quellen seine Wasserversorgung aufrecht hält | Kleine Zeitung
Einen Blick hinter die Kulissen der Trinkwasserversorgung in Judenburg gewährten am Mittwoch die Stadtwerke. Zu Gast war auch SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr, die sich quer durch Österreich ein Bild der Lage macht.
Leise plätschert das Wasser in den Hochbehälter Kühtürl. Die gefliesten Becken erinnern an ein Schwimmbad, nur Chlor kommt hier keines zum Einsatz. Hier, hoch über der Stadt Judenburg, liegt einer von vier Hochbehältern, die die Bezirkshauptstadt mit Trinkwasser versorgen. Wie kostbar das Gut Wasser ist, ist spätestens heuer im Dürresommer 2026 allen bewusst geworden. Quer durch Österreich können immer mehr Gemeinden ihre Trinkwasserversorgung nur mit Müh und Not aufrechterhalten, vielerorts braucht es schon Wasserlieferungen.
„Wir können ganz klar sagen: In Judenburg haben wir genug Wasser. Und das ist ein großes Glück“, erklärt Johannes Hinterleitner, seit April Abteilungsleiter für den Bereich Wasser bei den Stadtwerken Judenburg. Neun Quellen und zwei Brunnen versorgen rund 9500 Menschen mit bis zu 1,7 Millionen Liter Wasser täglich. „Wir sind breit aufgestellt, und das kommt uns jetzt zugute.“ Der niederschlagsarme Winter und die Trockenheit der letzten Monate wirken sich dramatisch aus: Bei den Quellschüttungen beträgt der Rückgang zum langjährigen Schnitt bis zu 100 Prozent.
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Quellen zu trocken
Wird die Stadt normal zu bis zu 60 Prozent aus den Bergquellen versorgt, sind es heuer nur 25 Prozent. Die Quellen reichen längst nicht mehr, die Rettung sind die Brunnen. Fast alle befinden sich im Raum Oberweg, sie liefern feinstes Trinkwasser, das keinerlei Aufbereitung bedarf. „Die Quellen kann man nicht steuern. Niederschlag, Schneeschmelze, all das spielt da eine Rolle“, erklärt Hinterleitner. Dank der Brunnen ist Judenburg in einer komfortablen Lage und könnte im Ernstfall sogar andere Gemeinden mit Wasser versorgen.
Generell sei das Aichfeld aber gesegnet: Hier gibt es einen der größten unterirdischen Grundwasserkörper, vorstellbar nicht wie ein See oder ein Hohlraum, sondern ein lockerer Boden, der von viel Wasser durchströmt wird. Durch den Wasserverband Aichfeld-Murboden ist gegenseitiger Wasseraustausch möglich.
Wasser auch ohne Strom
Doch zurück zum „Kühtürl“. Hier treffen wir die Wassermeister Kurt Liebminger und Bernhard Schmidt. Vier Millionen Liter Wasser strömen durch zwei separate Becken. Zutritt hat hier normalerweise niemand, das Gebäude ist innen und außen mit Kameras und Bewegungsmeldern bewacht. Verständlich, rinnt von hier doch pures Trinkwasser durch die Leitungen in ganz Judenburg. Der Eigendruck ist groß genug, um die Stadt im Falle eines Blackouts bis zu drei Tage ohne Strom mit Wasser zu versorgen.

© KLZ / Sarah Ruckhofer
Beeindruckt von der Judenburger Wasserversorgung zeigt sich auch Julia Herr. Die Nationalratsabgeordnete (SPÖ) ist Umweltsprecherin ihrer Partei und tourt gerade durch Österreich, um sich ein Bild von der Wasserversorgung zu machen. „Regional gibt es große Unterschiede, vielerorts hat der Grundpegel den roten Bereich erreicht.“ Die SPÖ fordert daher einmal mehr einen konsequenten Kampf gegen die Klimakrise ein, unter anderem ein striktes Verbot, Wasser zu privatisieren, eine Reform des Wasserrechts sowie rechtliche Sicherheit für Bürgermeister, die aufgrund von Wasserknappheit Verordnungen erlassen müssen.
Hitzeschutz und Entsiegelung
Soweit ist es in Judenburg zum Glück nicht. „Mit Wasser sind wir gut aufgestellt, unser großes Thema ist der Hitzeschutz bei kommunalen Gebäuden“, erzählt Bürgermeisterin Elke Florian. Kindergärten, Schulen und Krippen müssen nachgerüstet werden, die Fördermöglichkeiten fehlen. In der Innenstadt ist Entsiegelung das Schlagwort: „Beim neu gestalteten Körnerplatz zeigen Hitzemessungen, dass es durch die Begrünung deutlich kühler geworden ist“, so Florian. Auch beim Hauptplatz denkt man an eine Beschattung durch Bäume, auch hier hängt aber vieles am knappen Budget.

© KLZ / Sarah Ruckhofer
Der Regen der letzten Tage hat zwar kurzfristig Entspannung gebracht, aber „der nächste heiße Sommer steht uns bevor“, sagt der regionalen Nationalratsabgeordnete Wolfang Moitzi (SPÖ): „Wir müssen uns gegen die Hitze rüsten.“ Auch wenn langfristige Klimaschutzmaßnahmen sinnvoll seien, „braucht es jetzt konkrete Maßnahmen, gerade im Bereich der Kinderbetreuung“.