„Wie viele Morddrohungen braucht’s noch?“ OB Krause findet deutliche Worte gegen Rechtsextremismus
Stand: 12.09.2026, 22:11 Uhr
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Zur Prüf-Demo in München kamen viel mehr Menschen als angekündigt. OB Krause sprach sich deutlich für ein Prüfverfahren für rechtsextreme Parteien aus.
München – Mehrere Demonstrationen haben München am heutigen Samstag (12. September) beschäftigt. Neben dem Aufeinandertreffen einer rechtsgesinnten Kundgebung und eines linken Gegenprotests am Königsplatz sorgte vor allem eine Veranstaltung im Rahmen des Zamanand-Festivals für Aufsehen. Die sogenannte Prüf-Demo fand mit 12.000 anwesenden Teilnehmern statt – also mit viermal so vielen wie ursprünglich angemeldet. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) trat dort auf – und wählte deutliche Worte in Richtung des Rechtsextremismus.

Bei Prüf-Demo in München: OB Krause findet deutliche Worte gegen Rechtsextremismus
„Die Landeshauptstadt München, der demokratische, ehrenamtliche Stadtrat, wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um die Menschen in unserer Stadt vor Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu beschützen“, sagte er am Rednerpult. Das sei „die oberste Leitlinie unseres Handelns“. Er sei sehr froh und dankbar darüber, dass die Stadt damit nicht allein sei, und dankte der breiten Zivilgesellschaft in München dafür, dass sie „auch an unserer Seite steht“. Dafür erntete Krause direkt Applaus der Anwesenden.
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Im Anschluss richtete der OB klare Worte an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Es wäre so wichtig gewesen, dass der Bundeskanzler sich nach der historischen Wahl hinstellt und Menschen mit Migrationsgeschichte, queeren Menschen, Jüdinnen und Juden, Muslimen, Menschen mit Behinderungen und vielen anderen, die Sorge haben, verfolgt zu werden – auch wieder staatlich verfolgt zu werden –, ein Schutzversprechen gibt“, sagte er im Hinblick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD mit deutlichem Abstand stärkste Kraft geworden war. „Leider ist das nicht passiert“, ergänzte Krause.
„Wie viele Morddrohungen braucht‘s eigentlich noch?“
Dann stellte er eine Frage: „Wie lange wollen wir eigentlich noch zuschauen und wie lang wollen wir noch falsche Toleranz gegenüber jenen üben, die unsere freiheitliche Demokratie hassen und die davon träumen, einen autoritären Staat zu errichten?“ Bevor er weiterreden konnte, übertönte ihn kurz Applaus.
Als die Demoteilnehmer wieder ruhiger wurden, setzte Krause fort – und fand deutliche Worte: „Wie viele Morddrohungen, wie viel Nazi-Rhetorik, wie viele Deportationsankündigungen braucht’s eigentlich noch?“ Damit dürfte er auch Bezug genommen haben auf eine Drohung gegen die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Ermittler hatten jüngst eine Schmierschrift im Bereich Lerchenfeld- und Seeausstaße gefunden, in der die 93-Jährige mit dem Tod bedroht worden war. Der Vorfall sorgte für Entsetzen und Kritik.
Krause fordert Prüfverfahren für rechtsextreme Parteien
Krause appellierte, man müsse endlich aufhören, zu zaudern und wertvolle Zeit verstreichen zu lassen, und das tun, was längst hätte getan werden sollen: „Nämlich ein Prüfverfahren einzuleiten, und zwar genau jetzt!“ Es folgte erneut großer Applaus. Das ist auch, was die Organisatoren der bundesweiten Prüf-Demo fordern: „Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden.“
Am heutigen Samstag waren allein in München, Bamberg und Regensburg an die 20.000 Menschen gegen Rechts auf die Straße gegangen. Deutschlandweit waren es den Prüf-Veranstaltern zufolge rund 133.000 Personen. Weitere Demonstrationen in München und Bamberg richteten sich gegen die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Gefordert wurde der Rücktritt der Regierenden. Daran nahmen nach Angaben der Polizei insgesamt etwa 2000 Menschen teil. (Quellen: Instagram-Video von „gruenebayern“, eigene Recherche) (bes)