Wie zwei junge Hamburgerinnen beim Beachvolleyball auf ihre Kosten kommen
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Die deutschen Beachvolleyballerinnen und -volleyballer küren ihre Meister. Nach 33 Jahren zogen die Titelkämpfe vom Timmendorfer Strand in den Revierpark Wischlingen nach Dortmund. Profis und Amateure treffen hier vom Donnerstag bis zum Sonntag (Twitch.tv live) aufeinander. Für die Favoriten, zu denen die Hamburger Nils Ehlers/Lui Wüst und Svenja Müller/Cinja Tillmann gehören, ist es Berufsalltag, für die anderen ein zum Teil kostspieliges Hobby.
Mühsames Geschäft – Geld gibt es nur im Hauptfeld
Beachvolleyball auf diesem Niveau ist selbst für die zweite deutsche Garde kein Strandvergnügen mehr, es ist Leistungssport. Training, Reisen, Turniere, Sponsorenakquise – der zeitliche Aufwand ist beträchtlich, ebenso die Kosten. „Wenn alles gut geht, kommen wir aus der Saison mit einer schwarzen Null heraus“, erzählt Louisa Marunde (26). Preisgelder, meist wenige Hundert Euro, gibt es nur in den Hauptfeldern, beim Scheitern in der Qualifikation bleibt das Startgeld zwischen 45 und 80 Euro eine Fehlinvestition.
In diesem Jahr geht Marunde mit Emma Gangey (21) auf Tour. 16 Turniere haben sie 2026 schon gespielt, drei kleinere gewonnen. Beide sind Hamburgerinnen, studieren in Berlin; Marunde Sport und Englisch auf Lehramt, Gangey Bauingenieurwesen. Im Sommersemester sind ihre Leben durchgetaktet. Morgens Training, montags bis mittwochs Uni, den Rest der Woche warten Turniere. Wobei sie oft erst im letzten Moment erfahren, ob sie überhaupt einen Platz in der Qualifikation oder im Hauptfeld erhalten. In der aktuellen Weltrangliste stehen sie auf Platz 496 (Vorwoche: 482), im deutschen Ranking auf 15. Damit sind sie für die Deutschen Meisterschaften in Dortmund qualifiziert.
Das nationale Fördersystem greift in der Breite nicht
„Wir sitzen oft auf gepackten Koffern, hoffen auf den Anruf des Veranstalters“, sagt Marunde. Übernachtet wird bei Freunden oder in Jugendherbergen. Marunde ist die Tochter der ehemaligen Fischbeker Bundesligaspielerin Andrea Marunde und von Knut Rettig, der die Mannschaft in den 1990er- und den ersten 2000er-Jahren erfolgreich trainierte.

Louisa Marunde (l.) und Emma Gangey spielen in Berlin für die Hauptstadt Beacher.© Kevin Mattig
„Emma und Louisa stehen exemplarisch für den Leistungsbereich im deutschen Sport unterhalb des Topniveaus“, sagt Rettig. „Sie müssen extrem hohen Aufwand betreiben, alles selbst machen, finanzielle Risiken eingehen, um näher an die Spitze heranzukommen. Das klappt nur mit großem persönlichen Engagement und hoher Eigenmotivation. Das nationale Fördersystem greift in der Breite nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass dem deutschen Sport dadurch viele Talente verloren gehen.“
Gangey/Marunde haben zwei Sponsoren und 1000 Follower auf Instagram
Gangey/Marunde verfügen über ein begrenztes Budget. Um die Reisekasse aufzufüllen, geben sie in Berlin in den Abendstunden Training. Zwei Sponsoren unterstützen sie. „Mir sind besonders Underdogs sympathisch“, sagt Softwareunternehmer Peter Schwarz (Odoo). Trotz professionell gestalteter Sponsorenmappe kamen keine weiteren dazu, weil das Team auf Instagram nur rund 1000 Follower zählt. „Das ist heute die Währung“, weiß Marunde.
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Ein Crowdfunding bliesen sie ab, weil fast nur Freunde, Verwandte und Bekannte einzahlten. Spaß mache es dennoch. „Es gibt Schlimmeres, als im Sommer bei Sonnenschein Beachvolleyball zu spielen. Wir lernen viele schöne Orte in Deutschland und neue Freunde kennen, die Community ist cool.“
In Dortmund werden Emma Gangey und Louisa Marunde ihr Auskommen haben. 250 Euro sind ihnen selbst bei frühem Ausscheiden garantiert. Siegerinnen und Sieger dürfen sich über 4000 bis 5000 Euro freuen.