Wiegert bremst Erwartung: „Vielleicht brauchen wir mal zwei, drei Jahre Entwicklung“
Rein sportlich gibt es nur wenige Auszeichnungen, die an Bennet Wiegert vorbeigegangen sind. Mit seinem Heimatverein, dem SC Magdeburg, hat der Coach und Geschäftsführer Sport unzählige Titel gewonnen, zudem wurde er zwischen 2021 und 2025 fünfmal in Folge zum Handball-Trainer des Jahres gewählt. Kürzlich ist nun eine besondere Ehrung dazugekommen: der Verdienstorden Sachsen-Anhalts.
Ministerpräsident Sven Schulze überreichte ihn Anfang August am Rande eines Vorbereitungsturniers, die Staatskanzlei flankierte den Akt mit einer entsprechenden Pressemitteilung. Demnach werde Wiegert für seine „herausragenden Verdienste als Spieler und Trainer sowie sein Engagement für den Jugendsport und für soziale Projekte“ ausgezeichnet.
Der 44-Jährige ist einer von ganz wenigen Handballern, denen das Kunststück gelang, die Champions League, also den wichtigsten Pokal des Vereinshandballs, sowohl als Aktiver als auch als Verantwortlicher an der Seitenlinie zu gewinnen.
Wiegert hat großen Respekt vor dem FC Bayern München
Ob das für Magdeburgs Handballer mit den Erfolgen und Titeln einfach immer so weitergeht wie zuletzt, da ist sich Bennet Wiegert vor dem Start in die Spielzeit 2026/27 allerdings nicht so sicher. „Ich habe wirklich allergrößten Respekt vor dem, was der FC Bayern München seit Jahrzehnten im Fußball macht und wie dominant die Bayern auftreten“, sagt der Trainer des Vereins, der den deutschen Handball zuletzt geprägt hat wie kein anderer.
„Aber mir fehlt die Fantasie, dass das in absehbarer Zeit auch nur ansatzweise einem Verein in der Handball-Bundesliga gelingen kann“, ergänzt Wiegert.
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So oder so geht es an diesem Sonnabend um den ersten Titel der noch jungen Saison: In München wird der Supercup-Sieger zwischen Meister Magdeburg und DHB-Pokalsieger Füchse Berlin ermittelt. Es könnte ein erster Vorgeschmack darauf werden, wohin die Reise der beiden besten deutschen Teams in diesem Jahr geht.
Dass sich Wiegert zurückhaltend gibt und keine klaren Saisonziele benennt, liegt nicht zuletzt in den Umstrukturierungen seines Kaders begründet. Im Sommer haben die Magdeburger unter anderem ihren langjährigen Kapitän Christian O’Sullivan sowie mit Tim Hornke einen extrem erfahrenen Rechtsaußen verloren.
Zudem müssen sie künftig ohne Ausnahmetorhüter Sergey Hernandez zurechtkommen, den es nach Barcelona verschlagen hat. „Es steht außer Frage, dass uns verdiente, großartige Handballer verlassen haben. Aber es gehört auch dazu, den Verjüngungsprozess in einer Mannschaft zu begleiten und nicht zu vernachlässigen“, sagt Wiegert.
Publikumsliebling Christian O’Sullivan hat den SC Magdeburg in diesem Sommer verlassen.
© Michael Taeger/Imago
In der vergangenen Saison hatte der SCM einen der ältesten Kader der Bundesliga und der Champions League. „Und bei mir gab es dieses Bauchgefühl, dass unsere Mannschaft jetzt Veränderungen nötig hat“, sagt Wiegert. „Denn eine Sache ist klar, dafür gibt es sportartenübergreifend unzählige Beispiele: Es ist immer einfacher, an die Spitze zu kommen, als sich dauerhaft an der Spitze zu behaupten.“
Und dazu gehören mitunter auch unangenehme Entscheidungen wie jene, den Vertrag des 35 Jahre alten Kapitäns und Publikumslieblings Christian O’Sullivan eben nicht zu verlängern.
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Andererseits waren die Magdeburger alles andere als untätig beim Schließen der entstandenen Lücken: Als Ersatz für Torhüter Sergey Hernandez etwa wurde der 23 Jahre junge Kroate Dominik Kuzmanovic verpflichtet, dem viele Experten eine große Zukunft vorhersagen.
Für Rechtsaußen Tim Hornke kommt ein junger Däne, nämlich Oskar Vind. Als Nachfolger für Abwehrspezialist O’Sullivan ist der Spanier Antonio Serradilla vorgesehen, der schon einmal das Trikot des SC Magdeburg getragen hat. „Ich habe volles Vertrauen in die Jungs, sonst hätten wir sie nicht geholt“, sagt Wiegert über seine Zugänge.
„Aber es wird natürlich nicht funktionieren, dass wir uns sofort auf jeder Position verbessern. Vielleicht brauchen wir auch mal zwei, drei Jahre Entwicklung, um perspektivisch wieder über lange Zeit oben mitzuspielen.“
Zumal die Magdeburger zum ersten Mal seit langer Zeit wieder zwei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die Profi-Mannschaft befördert haben: Kreisläufer Malte Elze und Regisseur Tim Thielicke, die in der vergangenen Saison maßgeblich am Gewinn der Deutschen A-Jugend-Meisterschaft des SCM beteiligt waren und eigentlich sogar noch ein Jahr in der A-Jugend spielen dürften.
„Malte und Tim haben sich mit herausragenden Leistungen im Jugendbereich einen Kaderplatz bei uns verdient“, sagt Bennet Wiegert. „Trotzdem müssen wir sehr vorsichtig mit ihnen umgehen und die Jungs langsam an das Niveau eines Bundesliga-Topteams heranführen, das ist auch meine Verantwortung als Trainer.“
Personelles Gerüst des SC Magdeburg steht
Grundsätzlich steht das personelle Gerüst beim SC Magdeburg: Bis auf ganz wenige Ausnahmen besitzen alle Leistungsträger langfristige Verträge beim Traditionsklub aus Sachsen-Anhalt, die Mannschaft ist über Jahre gewachsen und ebenso eingespielt wie verschworen.
Auch deshalb sind die Erwartungen an den Titelverteidiger mit Blick auf die neue Saison naturgemäß hoch. Für Bennet Wiegert stellt dieser Umstand allerdings kein Problem dar. „Wir müssen das als Kompliment begreifen und dürfen es nicht als Rucksack mit uns herumtragen“, sagt der Magdeburger Trainer, „weil wir uns die Situation, jedes Jahr um Titel mitzuspielen, über einen langen Zeitraum erarbeitet haben.“
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