Wiesbaden plant gegen Hitze und Starkregen
Stand: 21.09.2026, 18:30 Uhr
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Wiesbaden erarbeitet ein Klimaanpassungskonzept, das die Stadtverordneten demnächst beschließen sollen. 80 Prozent der Flächen sind in privater Hand – ohne Eigentümer funktioniert der Plan nicht.
Auf dem Elsässer Platz in Wiesbaden, wo bis vor wenigen Jahren Autos auf einer weitgehend versiegelten Fläche parkten, wachsen die ersten Bäume. Eine 200 Kubikmeter große Zisterne ist eingebaut, Grünflächen entstehen, Fontänenfeld und Spielbereich sind im Bau.
Das Projekt im dicht besiedelten Westend zeigt, was Klimaanpassung bedeutet: Regenwasser wird gesammelt, Flächen werden entsiegelt, Bäume spenden Schatten. Der Park ist ein Beispiel für die Richtung, die Wiesbaden künftig systematischer einschlagen will. Dafür ist seit 2024 unter Federführung des Umweltamts ein rund 200 Seiten starkes Klimaanpassungskonzept erarbeitet worden, das die Stadtverordneten demnächst beschließen sollen.
„Klimaschutz und Klimaanpassung sind zwei Seiten einer Medaille“, sagt Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). Während Klimaschutz die Ursachen des Klimawandels begrenzen solle, müsse sich die Stadt auf dessen Folgen einstellen. „Es ist mehr als Hitzeschutz.“ Auch Trockenheit, Starkregen, Überflutungen und der Schutz von Böden, Grundwasser und Bäumen gehörten dazu.
Wie dringend das Thema ist, zeigte der diesjährige Sommer. An einem heißen Junitag seien zehnmal so viele Menschen gestorben wie an einem durchschnittlichen Junitag, verweist Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Grüne) auf die gesundheitlichen Folgen.
Das Konzept soll zeigen, wo Wiesbaden besonders handeln muss. Dafür wurde das Stadtgebiet kleinräumig untersucht: Wo ist es besonders heiß? Wo leben viele vulnerable Menschen? Wo drohen bei Starkregen Gefahren?
Rund 30 Bausteine bilden das Herzstück des Konzepts. Dazu gehören zusätzliche Straßenbäume, teilentsiegelte Parkflächen, Fassadenbegrünung und Sonnenschutz an Schulen. Nach dem Schwammstadtprinzip soll Regenwasser möglichst vor Ort gespeichert werden, statt in die Kanalisation abzufließen. Einige Projekte wie die „Klima-Kiste“ oder Sprühnebelanlagen sind bereits realisiert.
Die größte Herausforderung sieht Umweltamtsleiter Klaus Friedrich bei bestehenden Gebäuden und Flächen. Bei Neubauten werde Klimaanpassung inzwischen gut berücksichtigt, „aber die Musik spielt im Bestand“. Rund 80 Prozent der Flächen in Wiesbaden sind in privater Hand. Wenn Fassaden begrünt, Schottergärten zurückgebaut oder Flächen entsiegelt werden sollen, müssen deshalb Eigentümer:innen mitziehen.
„Ohne Bürgerschaft wird das nichts“
„Wir können das nicht alles allein bewältigen“, sagt Mende. Klimamanager Volker Wasgindt betont: „Ohne Bürgerschaft wird das nichts.“ Gerade in besonders belasteten Quartieren sei es schwierig, Eigentümer zu erreichen, die selbst nicht vor Ort wohnen. Zudem fehlt das Geld. Mende macht deutlich, dass die Stadt und die Bürgerschaft die notwendigen Investitionen nicht allein finanzieren können. Das Konzept soll deshalb auch helfen, Fördermittel von Bund und Land nach Wiesbaden zu holen.
Bei dem Konzept handelt es sich um keinen Bebauungsplan und keine Satzung, sondern um ein informelles Instrument. Es soll Klimaanpassung künftig bei der Planung und Umgestaltung von Straßen, Plätzen und Quartieren stärker verankern. Besonders belastete Hotspots sollen priorisiert werden. Ob aus dem Werkzeugkasten ein flächendeckendes Programm wird, hängt auch von der Finanzierung ab. Mende: „Da haben wir ein dickes Brett zu bohren.“