Trump, AfD und die Angst vor der Briefwahl: Was steckt dahinter?
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Wieso eigentlich verteufeln Donald Trump und die AfD die Briefwahl?
Nicht nur der US-Präsident, auch Rechtspopulisten in Deutschland oder Österreich behaupten, abstimmen per Post fördere Wahlbetrug.
30.08.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten

Donald Trump versucht seine Wähler zu überzeugen, dass die Briefwahl manipuliert werden könne.
Jason Henry / Bloomberg
Hört man Donald Trump zu, könnte man meinen, wählen per Brief sei das Ende der Demokratie. Manipulation, Wahlbetrug, Korruption! Er versucht, die Briefwahl einzuschränken, weshalb mehrere hängige Klagen und Gerichtsurteile zu einem Chaos bei den Zwischenwahlen im November führen könnten.
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Auch die Alternative für Deutschland (AfD) mahnt ihre Wähler, nur im Ausnahmefall per Post abzustimmen. Und die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) hat seit der Bundespräsidentenwahl 2016 gar wiederholt gefordert, die Briefwahl im Inland abzuschaffen. Wieso sind gerade rechtspopulistische Parteien gegen die Briefwahl?
Es gab tatsächlich einzelne Fälle von Wahlfälschung bei Briefstimmen. In Deutschland beispielsweise überredete eine Leiterin eines Altersheims ihre Bewohner, bei einer Kommunalwahl im Jahr 2006 in einer 8000-Einwohner-Gemeinde in Niedersachsen für ihren Mann und ihren Sohn zu stimmen. Der Betrug flog auf, und die Leiterin wurde wegen Wahlfälschung verurteilt.
Doch das System der Briefwahl gilt in den USA, Deutschland oder Österreich als grundsätzlich sehr sicher. Forscher der Brookings Institution, eines überparteilichen Think-Tanks, untersuchten Fälle von Wahlbetrug, die bei den Wahlen in den USA in den Jahren 2016, 2018, 2020 und 2022 gemeldet worden waren. Sie schätzten, dass es im Durchschnitt nur etwa 4 Betrugsfälle pro 10 Millionen abgegebener Briefwahlstimmen gegeben hatte.
Trump behauptet immer wieder, die Briefwahl verschaffe den Demokraten einen Vorteil. Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen in den USA stimmten laut einer MIT-Umfrage tatsächlich 37 Prozent der demokratischen Wähler, aber nur 24 Prozent der republikanischen per Post ab. Während der Wahl 2020, mitten in der Pandemie, war der Unterschied noch grösser.
Allerdings analysierten Forscher an der Stanford-Universität Wahldaten von 1996 bis 2018 in drei amerikanischen Gliedstaaten, die allen registrierten Wählern die Abstimmungsunterlagen automatisch per Post zugestellt hatten. Sie stellten fest, dass diese Praxis keinen nennenswerten Einfluss auf die Wahlergebnisse zu haben scheint.
Die AfD erhält ebenfalls weniger Briefstimmen als andere Parteien in Deutschland. Bei der Bundestagswahl 2025 lag der Anteil der per Post eingereichten Stimmen bei 13,2 Prozent, an der Urne wählten 25,3 Prozent die AfD. Bei anderen Parteien liegen die Werte deutlich näher beieinander.
Profile von Wählern, die per Brief abstimmen, sind von Land zu Land anders, und es ist schwierig, den typischen Briefwähler zu definieren. In Deutschland stimmten bei der Bundestagswahl 2025 Menschen über 70 Jahren am häufigsten per Brief ab. Etwas mehr Frauen als Männer beantragten zudem die Briefunterlagen.
Dass der Unterschied in den USA und Deutschland so stark geworden ist, dürfte auch schlicht damit zusammenhängen, dass Politiker wie Trump oder die Vertreter der AfD ihre Wähler gezielt gegen die Briefwahl mobilisiert haben. Dies dient oft dazu, die Legitimität des demokratischen Wahlsystems grundsätzlich in Zweifel zu ziehen. Ein Effekt kommt ihnen dabei gelegen: Urnenstimmen werden am Wahlabend oft am schnellsten ausgezählt. So kann eine Partei bei den ersten Hochrechnungen führen. Später, wenn die Briefwahlstimmen hinzukommen, verschiebt sich plötzlich das Ergebnis – eine Steilvorlage für Wahlbetrugsnarrative.
Donald Trump übrigens wählt selber per Post: eben erst Mitte August, bei den Vorwahlen der Republikaner in seinem Wahlgliedstaat Florida. Schon zuvor, Mitte März, liess er sich für eine Sonderwahl des Landesparlaments die Wahlunterlagen in sein Anwesen Mar-a-Lago schicken. Bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus darauf angesprochen, sagte er: Er sei nie gegen Ausnahmen gewesen. Wer beim Militär diene, auf Reisen sei, eine Behinderung oder Krankheit habe, dürfe per Brief abstimmen. Er selbst habe nicht vor Ort sein können, er sei ja der Präsident der Vereinigten Staaten.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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