Windkraftausbau: Bayern legt zu und hinkt doch hinterher
Stand: 23.07.2026, 13:22 Uhr
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Prozentual wächst der Zubau kräftig - im bundesweiten Vergleich schneidet der Freistaat aber noch immer schlecht ab. Für die Zukunft gibt es gute und schlechte Nachrichten.
Berlin/München - Die Windenergie in Bayern wächst. Im ersten Halbjahr stieg die installierte Leistung im Freistaat um 59 Megawatt, wie aus einer aktuellen Bilanz der Branchenverbände BWE und VDMA Power Systems sowie der Fachagentur Wind und Solar hervorgeht. Insgesamt gingen 11 Anlagen in Bayern in Betrieb, eine wurde stillgelegt.
Rein prozentual ist der Zubau in Bayern damit zwar um mehr als 40 Prozent größer als im Vorjahreszeitraum, doch im Bundesvergleich ist das mit Abstand größte Bundesland weit hinten und nur für rund 3 Prozent des Nettozubaus verantwortlich. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen beträgt der Nettozubau 502 Megawatt, in Niedersachsen 381, in Schleswig-Holstein 340 Megawatt. Selbst in Baden-Württemberg, das wie Bayern schlechtere Bedingungen für Windkraft hat als die Länder im Norden, waren es 169 Megawatt.
Beim Bestand an Windenergieanlagen steht Bayern etwas besser da. Insgesamt 1.182 Windräder haben eine Leistung von 2,8 Gigawatt. Das sind 4 Prozent des bundesweiten Werts.
Viele Genehmigungen
Der Windkraftausbau in Bayern war durch die sogenannte 10-H-Regel zum Abstand zu Wohnbebauung zwischenzeitlich praktisch zum Erliegen gekommen. Seit sie nicht mehr gilt, gehen die Zahlen wieder nach oben. Bei den Genehmigungen für Windräder liegt Bayern mit 742 Megawatt bundesweit sogar auf Rang vier und sticht - wie schon im vergangenen Jahr - durch besonders schnelle Genehmigungen hervor.
Ob die Windräder wirklich gebaut werden, hängt aber vor allem daran, ob es Zuschläge für eine garantierte Abnahme des Stromes gibt. Und dabei schneidet Bayern derzeit eher schlecht ab: Das Zuschlagsvolumen von 86 Megawatt ist nur ein winziger Bruchteil der bundesweiten Mengen und um rund zwei Drittel niedriger als im Vorjahreszeitraum.
Wirtschaftsministerium: Mehr als 1.000 Anlagen in der Pipeline
Das bayerische Wirtschaftsministerium betont dagegen, dass man - Stand 31. Mai - mehr als 1.000 Windenergieanlagen in der Pipeline habe. Rund zwei Drittel davon mit einer Gesamtleistung von mindestens 4,1 Gigawatt seien beantragt und noch nicht genehmigt. Ein Drittel mit einer Leistung von rund 2,5 Gigawatt sei genehmigt aber noch nicht in Betrieb.
Bei den Zuschlägen in den jüngsten Ausschreibungsrunden sieht auch das Wirtschaftsministerium ein Defizit. Minister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat zuletzt gefordert, dass die süddeutschen Standorte hier stärker berücksichtigt werden müssten. „Bayern will Windräder bauen und der Bund blockiert es“, kritisierte er Ende Juni. Strom müsse dort erzeugt werden, wo man ihn brauche. Das entlaste die Netze und verbessere die regionale Versorgungssicherheit. Dafür müssten die Rahmenbedingungen geändert werden - unter anderem mit einem Zuschlagsmanagement, dass der Südregion mindestens 20 Prozent des Ausschreibungsvolumens sichere. dpa