Windsurf-Unterricht auf dem Müggelsee: Aufstehen, Segel richten, Reinfallen

Ann-Kathrin Leclere

Unserer Autorin hat hohe Erwartungen an ihre erste Windsurfstunde und will dann gar nicht mehr aufhören. Schade, dass sie nicht in Rocky Beach wohnt.

Mehrere Windsurfer auf einem See
Wind­sur­fe­r:in­nen auf dem Müggelsee in Berlin

Foto: Jürgen Ritter/imago

I ch bin ein Meerestier. Das hab ich schon immer gedacht, und ich erinnere mich von Zeit zu Zeit daran, wenn ich mindestens bis in den Knien im Wasser stehe. Seit Neuestem verbringe ich deshalb jeden Tag im Freibad. Denn was interessiert mich die passiv-aggressive Mail eines Kollegen, wenn ich dabei in meinem Lieblingsbadeanzug auf dem Handtuch liege und Wasserperlen mein Gesicht runtertropfen?

Selbst jetzt, wo ich im Schlick des Badewannenwassers vom Berliner Müggelsee dümpel, denke ich das. Vor mir liegt das Board, an dem etwa in der Mitte ein Mast mit einem Segel befestigt ist. Eben haben wir ihn am Board befestigt, die Befestigung so fest reingedreht, wie man eine Bialetti drehen sollte, hab ich mir gemerkt.

Meine Erwartungen an meine erste Windsurfstunde sind hoch. Schon beim Wellenreiten hatte ich einen Höllenspaß, als ich es mal probiert habe. Ich weiß noch, wie ich damals ein Board mit zwei Freundinnen ausgeliehen habe – drei Boards waren uns damals zu teuer – und es am Ende nicht mehr abgeben wollte. In meinem Kopf schwirren die Worte, die ich eben auf der Autofahrt zum See gelernt habe: Luv, Lee, Bug, Heck, Mast, Board, Schwert usw. Sie vermischen sich mit den Liedzeilen vom H2O-Titelsong: „So come on this is our adventure, there's no telling where we'll go, and all I want is just to live amongst the H2O!“

Der ganze Prozess, um überhaupt auf das Brett zu kommen, ist komplex. Hände auf dem Brett abstützen, mit Schwung die Knie auf das Brett hieven, daraus in die Hocke und die Leine greifen, an der der Mast befestigt ist, und sich selbst aufrichten und den Mast auch. Dabei noch aufpassen, dass man nicht direkt wieder vom Board fällt.

Wenig Wind und ein malerischer Sonnenuntergang

Ich muss mich so sehr auf das Gleichgewicht konzentrieren, dass ich den Anweisungen, die ich dabei von einer Kollegin bekomme, die mir etwas Surfunterricht gibt, gar nicht mehr folgen kann. „Nun im Uhrzeigersinn drehen“, sagt sie. Ich bleibe wie erstarrt stehen. Wo ist mein linker Fuß, wo mein rechter und in welche Richtung jetzt? Wo halte ich jetzt den Mast und in welche Richtung kommt das Segel?

Man hat viel zu tun. Nur der Wind lässt sich an diesem Augusttag Zeit und füllt die Luft höchstens mit einem lauen Lüftchen. Um Wind einzufangen, kann man das Segel mit dem Arm näher an sich heranziehen bzw. „die Tür schließen“, wie es in der Segelsprache heißt. Das Gesicht dreht man dahin, wo der Wind herkommt. In diesem Fall schaue ich deshalb in die malerisch untergehende Sonne.

Während ich die Segeltür in weichen Bewegungen öffne und schließe, fühle ich mich wie eine Meerjungfrau. „The world is my oyster and I am the pearl“, singe ich. Wahrscheinlich sieht es von außen nur halb so grazil aus, wie ich mich gerade fühle. Aber ist ja egal. Und die Flaute hat sogar was Gutes: So kann ich alle Bewegungen ganz langsam lernen und werde nicht davon gestört, dass der Wind mich irgendwo hinträgt, wo ich dann eh nicht wüsste, wie ich zurückkommen würde. Denn Lenken habe ich in der ersten Surfstunde jetzt eh noch nicht gelernt. Von daher bleibt es einfach beim Aufstehen, Segel richten, Reinfallen. Und ich kann nicht damit aufhören.

Für ein neues Hobby ist es mir leider zu teuer, zu aufwendig und ich wohne leider auch nicht in Rostock oder in Rocky Beach. Und die Aussicht, das nur auf dem Müggelsee zu machen, ist mir dann doch ein bisschen zu unromantisch. Aber ich denke natürlich jetzt schon darüber nach, wann ich es das nächste Mal ausprobieren kann, und dann hoffentlich mit mehr Wind.

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Ann-Kathrin Leclere

Ann-Kathrin Leclere

Aus Kassel, lange Zeit in Erfurt gelebt und Kommunikationswissenschaft studiert. Dort hat sie ein Lokalmagazin gegründet. Danach Masterstudium Journalismus in Leipzig. Bis Oktober 2023 Volontärin bei der taz. Jetzt Redakteurin für Medien (& manchmal Witziges).

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