Münchner Wirtshaus schließt nach 20 Jahren: „Wir haben wirklich gekämpft“
Stand: 26.10.2026, 21:23 Uhr
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Wirt Josef Schlenc kämpfte zwei Jahre lang mit seinen Rücklagen gegen steigende Kosten. Jetzt spricht er über das Aus seiner Bogenhausener Wirtschaft.
München – In knapp zwei Monaten enden 20 Jahre Gastro-Geschichte: Das Wirtshaus Lohengrins in Bogenhausen schließt. „Die Kosten in den vergangenen Jahren sind enorm gestiegen, die Umsätze nicht“, sagt Wirt Josef Schlenc (56) zu unserer Redaktion. Die vergangenen beiden Jahre habe er finanziell dank seiner Rücklagen stemmen können.
Aus in Bogenhausen: Das Lohengrins ist Teil einer aussterbenden Gattung
„Wir haben wirklich gekämpft.“ Immer mit der Sorge im Kopf, ob er den Lohn seiner Mitarbeiter noch zahlen kann, sagt er. Die meisten seien seit vielen Jahren mit an Bord. Am 26. Dezember sperrt er dann endgültig zu. Unsere Redaktion war vorher nochmal da – für einen letzten Abend im Kult-Lokal.

Also ab an die Lohengrinstraße (von der die Wirtschaft auch ihren Namen hat). Das Restaurant in der Nähe des Prinz-Eugen-Parks ist beliebt im Viertel und drüber hinaus. Nicht, weil‘s wahnsinnig spektakulär wäre – sondern wahrscheinlich deshalb, weil‘s Teil einer aussterbenden Gattung ist.
Kasspatzn für 16,50 Euro, die Halbe für 5,20 Euro: Ein bezahlbares Lokal schließt
Gutbürgerliche bayerische Küche von den Kasspatzn bis zum Tafelspitz. Im besten Sinne „normal“ – und bezahlbar. Konkret: Die Kasspatzn mit Röstzwiebeln und Salat stehen aktuell zum Beispiel mit 16,50 Euro auf der Karte, die Halbe Spaten gibt‘s für 5,20 Euro.
Die Kosten sind enorm gestiegen, die Umsätze nicht
Für viele Leute aus dem Viertel ist das Lohengrins der bestmögliche Familien-Kompromiss für Abende, an denen der Papa keine Lust auf Thai-Curry hat, die Mama nicht weit fahren will und die Kinder auf alle Fälle was mit guter Soße mögen.
Lohengrins-Wirt: „Stammgäste reservieren meist sehr rechtzeitig bei uns“
Im Januar 2006 startete Josef Schlenc im Lohengrins. Das Gebäude gehöre der Brauerei, sagt er – und Spaten gehört zur AB-InBev-Gruppe. Ganz aufhören wird Schlenc aber nicht. Er hat zwei Geschäftspartner, Andreas und Christian Ertl. Die drei führen mit ihrer GbR seit 2004 auch das Wirtshaus zur Marienburg in Denning (Hohensalzaer Straße 1) sowie seit 2017 das Wirtshaus Zamdorfer in Bogenhausen (Schwarzwaldstraße 2a). „Ich werde wahrscheinlich erstmal in unserer GbR weiterarbeiten“, sagt Schlenc.

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An Heiligabend hat das Wirtshaus traditionell geschlossen. Wer nochmal dort feiern will: An den zwei Weihnachtsfeiertagen gibt es je zwei Reservierungszeiträume mittags, aber auch abends ist geöffnet. „Stammgäste reservieren meist sehr rechtzeitig für die Feiertage bei uns“, sagt Schlenc. Telefon: 089/95927424.
Hohe Kosten, niedrige Umsätze: München verliert immer wieder Kult-Betriebe
Viele Gastronomen in München kämpfen mit hohen Kosten und niedrigen Umsätzen. Im Januar 2025 machte etwa das Sushi & Soul im Glockenbach dicht – nach 26 Jahren. Um die Zeit damals kapitulierten gleich mehrere Kult-Lokale kurz hintereinander, darunter das Tresznjewski in der Barer Straße in der Maxvorstadt (dort zog stattdessen die Kneipe 80 ein), das Wirtshaus Siebenbrunn am Tierpark oder das Schwabinger Occam Deli.
Hohe Mietkosten machen auch einigen Händlern und Geschäftsleuten zu schaffen. So schließt Hans Döbert zum Jahresende 2026 die Filiale seines Ledergeschäfts Hetzenecker in der Neuhauser Straße 2. Für ihn sind 23.000 Euro Monatsmiete einfach zu viel. Und Giesing hat im September 2026 nach 24 Jahren den beliebten „Mekong Markt“ verloren – wegen einer Mieterhöhung.