«Wirtschaftskrieg» gegen Iran - USA wollen Iran wirtschaftlich isolieren – eine Übersicht
Ausmass und Wirksamkeit der neuen Sanktionen sind offen. Und eine wesentliche Frage ist ungelöst.
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Der Plan: US-Finanzminister Scott Bessent hat am Montag vor Medien den «Wirtschaftskrieg» skizziert, den die USA künftig gegen den Iran führen wollten. Die neuen Sanktionen der Operation «Wirtschaftlicher Verstossener» (Economic Outcast) zielten demnach darauf ab, Teheran komplett von der Weltwirtschaft zu isolieren. Konkret gelte es, jede potenzielle Einnahmequelle der iranischen Revolutionsgarden zu unterbinden. Der Fokus liege dabei auf digitalen Vermögenswerten, Technologie, Gold, der Luftfahrt und der Schifffahrt. Konkrete Massnahmen nannte der US-Finanzminister zunächst nicht. Stattdessen drohte er, dass jede Institution aus dem US-Dollar-System ausgeschossen werde, die im Auftrag des Irans Geldwäsche ermögliche.
Das Ausmass: Unklar blieb auch, was genau an den neuen Sanktionen verheerend sein soll. Noch vergangene Woche sprach Trump von «Massnahmen historischen Ausmasses» und der «verheerendsten Wirtschaftsoperation», die jemals gegen ein Land veranlasst worden sei. Sein Vorhaben verglich er gar mit einem «wirtschaftlichen D-Day» für den Iran. Bessent blieb allerdings vage: Man habe «jeden Knotenpunkt, jeden Vermittler und jedes Netzwerk erfasst, das der Iran für Ölschmuggel und die Umgehung von Sanktionen genutzt hat», und treffe sich mit «internationalen Partnern», um die Erwartungen Washingtons auf einen Stopp der Zusammenarbeit mit dem Iran zu adressieren. Konkrete Länder nannte der Finanzminister aber nicht, ebensowenig wie konkrete Massnahmen.
USA-Korrespondentin: «Strategie birgt Risiko weiterer Eskalation»
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SRF-USA-Korrespondentin Barbara Colpi: «Die USA wollen nun verstärkt auf wirtschaftliche Mittel setzen, um einen entscheidenden politischen Durchbruch zu erzielen. Ob diese Strategie aufgeht, bleibt allerdings fraglich. Entscheidend ist, ob die USA tatsächlich internationale Partner hinter sich bringen können. Gerade gegenüber Ländern wie China könnte eine aggressive Durchsetzung der Sanktionen zu neuen Konflikten führen. Chinesische Banken spielen eine wichtige Rolle beim Handel mit iranischem Öl. Zudem ist die Wirksamkeit von Sanktionen langfristig keineswegs garantiert. Gleichzeitig könnten Einschränkungen des iranischen Ölhandels und der Schifffahrt auch die internationale Wirtschaft zusätzlich belasten. Die Strategie birgt somit neben dem möglichen Druck auf Teheran auch das Risiko einer weiteren internationalen Eskalation.»
Die Wirkung: Anlegerinnen und Anleger zeigten sich von Bessents Rede unbeeindruckt: Rund zwei Stunden vor dem Börsenschluss legte der überwiegend mit Standardwerten bestückte Dow Jones Industrial um 0.1 Prozent auf 53.340 Punkte zu. Der marktbreite S&P 500 sank um 0.3 Prozent auf 7.654 Punkte, während der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 0.8 Prozent auf 29.070 Punkte einbüsste. Auch am Devisenmarkt blieben grosse Verwerfungen aus: Zwar verbuchte der US-Dollar leichte Tagesgewinne. Nachhaltigen Schub erfuhr die weltweit wichtigste Leit- und Reservewährung durch die Ankündigung des US-Finanzministers aber nicht.
Die Tradition: US-Sanktionen gegen den Iran sind denn auch nichts Neues. Im Laufe der Jahre hatten die Vereinten Nationen, die USA und die Europäischen Union umfangreiche Strafen verhängt. Grund dafür ist einerseits das umstrittene iranische Atomprogramm. Andere Sanktionen wurden auch mit Menschenrechtsverletzungen oder der iranischen Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine begründet.
Nicht zum ersten Mal sieht sich der Iran mit Sanktionen konfrontiert.
Reuters/Majid Asgaripour/WANA/Symbolbild.
Offene Frage: Aus weltwirtschaftlicher Sicht wiegt schwer, dass die Frage nach der Strasse von Hormus zum zentralen Streitpunkt nach wie vor ungelöst ist. Iranische Kontrollen des Schiffsverkehrs und die Seeblockade iranischer Häfen durch das US-Militär machen auch heute noch einen verlässlichen Ölhandel geradezu unmöglich.
Agenturen/spic;geta