Kleiner als eine Hauskatze: Forscher entdecken erste neue Katzenart seit 100 Jahren
Wissenschaftliche Sensation: Erste neue Katzenart seit 100 Jahren entdeckt
Stand: 21.09.2026, 13:38 Uhr
Ein Anruf aus einem Tierheim brachte alles ins Rollen. Am Ende stand eine Sensation: Die erste neue Katzenart seit mehr als einem Jahrhundert wurde entdeckt.
La Paz – Es begann mit einer merkwürdigen Katze. Mitarbeiter eines bolivianischen Wildtierreservats meldeten sich bei Forschenden – sie hatten ein Tier, das irgendwie anders aussah als bekannte Tigerkatzen. Was wie eine Verwechslung wirkte, entpuppte sich als wissenschaftliche Entdeckung der Extraklasse.

In den Nebelwäldern der bolivianischen Yungas lebt eine bislang völlig unbekannte Wildkatze: Leopardus tilcayo, der Tilcayo.
Neue Katzenart entdeckt: Tilcayo ist kleiner als eine Hauskatze
Das Tier ist unscheinbar, aber einzigartig: hellbraun gefleckt, etwa 46 Zentimeter lang und rund 1,4 Kilogramm leicht – damit kleiner als die meisten Hauskatzen. Es lebt in den feuchten Bergwäldern an den Osthängen der bolivianischen Anden, in einer Region, die Einheimische schon lange kennen und die Katze schlicht „Tilcayo“ nennen. Diesen Namen übernahmen die Wissenschaftler bewusst, „um ihre kulturelle und regionale Bedeutung beizubehalten“, wie es in der am 17. September 2026 im Fachjournal Current Biology veröffentlichten Studie heißt.
Tilcayo in Bolivien: Genomanalyse bringt Klarheit über neue Katze
Das Forschungsteam um Jonas Lescroart und Paola Nogales-Ascarrunz analysierte die vollständigen Genome von 38 Wildkatzen der Gattung Leopardus – darunter auch Exemplare aus Museumssammlungen. Das Ergebnis: Was Wissenschaftler jahrzehntelang für eine einzige Tigerkatzen-Art mit Unterarten hielten, sind in Wirklichkeit fünf eigenständige Arten.
Neben dem neu beschriebenen Leopardus tilcayo gehören dazu L. tigrinus, L. guttulus, L. emiliae und L. pardinoides. Zusätzlich beschrieben die Forscher eine neue Unterart aus den peruanischen Yungas: Leopardus tigrinus antisuyo. „Wir hatten niemals erwartet, dass diese bolivianische Tigerkatze eine eigenständige Art sein könnte“, sagte Lescroart.
Den Berechnungen zufolge trennte sich die Abstammungslinie des Tilcayo bereits vor rund 1,4 Millionen Jahren – im frühen Pleistozän – von den übrigen Tigerkatzen. Klimaschwankungen und die Fragmentierung der Bergwälder begünstigten damals vermutlich die geografische Isolation, die zur Entstehung einer eigenen Art führte.
Konsequenzen für Tierschutz: Artenschutz muss neu gedacht werden
Die Entdeckung hat direkte Konsequenzen für den Naturschutz. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt Tigerkatzen bislang als zwei gefährdete Arten mit rückläufigen Beständen. Mit der neuen Einteilung in fünf Arten muss jede Spezies künftig separat bewertet werden. Bedrohungen wie Entwaldung, illegaler Wildtierhandel und von Haushunden übertragene Krankheiten treffen die einzelnen Populationen unterschiedlich hart, wie artensterben.de berichtet. Ganz andere Probleme hat die Toskana: Dort breitet sich die Afrikanische Schweinepest aus.
Wie stark der Tilcayo selbst gefährdet ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen – dafür fehlen Daten zu Bestand und Verbreitungsgebiet. Die bisher bekannten Tiere und Aufnahmen reichen laut dem Online-Portal ms-aktuell.de nicht aus, um eine belastbare Grenze des Vorkommens zu bestimmen. Seit August gilt eine neue EU-Verordnung mit neuen Schutzregeln für Hunde und Katzen. (Quellen: Current Biology, artensterben.de, ms-aktuell.de) (va)