Wolff Fuss: „Nagelsmann wollte es allen recht machen, aber das ist nicht der Job des Bundestrainers“

Stand: 29.07.2026, 13:20 Uhr

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Wolff Fuss, Julian Nagelsmann - Wolff Fuss (links) glaubt, dass Julian Nagelsmann die nötige Erfahrung und Reife für den Job des Bundestrainers gefehlt habe.

Wolff Fuss, Julian Nagelsmann - Wolff Fuss (links) glaubt, dass Julian Nagelsmann die nötige Erfahrung und Reife für den Job des Bundestrainers gefehlt habe. © Getty Images

WM-Reporter Wolff Fuss spricht Julian Nagelsmann in einem Podcast rückblickend die nötige Führungsqualität und Reife für den Job des Nationaltrainers ab. Der Bundestrainer Jürgen Klopp, prophezeit er, werde es schwerer haben als der Vereinstrainer Klopp.

Als Live-Kommentator für Magenta TV hat Wolff Fuss das enttäuschende Abschneiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft hautnah miterlebt. Im „TOMorrow Business Podcast“ machte sich der erfahrene Reporter nun Gedanken über die Gründe und kam dabei ausführlich auf den zurückgetretenen Bundestrainer zu sprechen.

Jürgen Klopp - Jürgen Klopp hat sein Amt als Bundestrainer angetreten.

Jürgen Klopp - Jürgen Klopp hat sein Amt als Bundestrainer angetreten. © 2026 Getty Images/Christian Kaspar-Bartke

Dass Julian Nagelsmann „ein guter Trainer“ sei, stehe für ihn außer Frage, sagte Fuss: „Aber vielleicht war er für diesen Job letztlich einfach zu jung im Sinne von zu unerfahren.“ Der 50-Jährige macht die Beobachtung an einer Reihe augenscheinlich nicht konsistenter Entscheidungen fest, etwa beim Standing der Angreifer Deniz Undav und Leroy Sané oder bei Torwart Manuel Neuer, den der Bundestrainer „in vorauseilendem Gehorsam“ in die Nationalmannschaft zurückgeholt habe.

Fuss lobt Tuchel: „Er trifft harte Entscheidungen“

Nagelsmann habe „offensichtlich nicht die Führungsqualität“ gehabt, „um dann auch taktisch vorzuspuren“, glaubt Fuss. Das sei der große Unterschied etwa zum älteren Trainerkollegen Thomas Tuchel, der England auf Platz drei geführt hat. Tuchel sei ein sehr erfahrener Trainer, der das System vorgebe: „Er trifft harte Entscheidungen, indem er vier Top-Stars einfach nicht mitnimmt“, sagte Fuss. „Und dann gucke ich auf Julian Nagelsmann und frage, wo hat er harte Entscheidungen getroffen, und sehe, eigentlich hat er keine harten Entscheidungen getroffen. Er hat versucht, es allen recht zu machen und das ist nicht der Job des Bundestrainers.“

In diesem Sinne habe Julian Nagelsmann „eine gewisse Reife gefehlt für den Job des Bundestrainers“. Deshalb sei es ihm nicht möglich gewesen, „seine Entscheidung, gegen alle Widerstände durchzudrücken in einer vollkommenen Klarheit und in einer vollkommenen Überzeugung“.

Der Nationaltrainer Klopp wird es schwerer haben als der Vereinstrainer Klopp

Vom neuen Bundestrainer Jürgen Klopp - während der WM noch Fuss' Expertenkollege bei Magenta TV - erwarte er aufgrund der langjährigen Erfahrung „eine andere Herangehensweise“. Wunderdinge, mahnt Fuss, könne aber auch der 59-Jährige nicht vollbringen: „Die Nationalmannschaft hat im Moment eine extrem hohe Bedürftigkeit, und dementsprechend ist Jürgen Klopp derjenige, der bei den Problemen helfen kann.“ Ob er sie beheben könne, stehe auf einem anderen Blatt: „Weil er ja auch nur auf den Spielerfundus zurückgreifen kann, der ihm eben vorliegt.“

Dies sei der „große Unterschied zum Vereinstrainer Klopp, der nachverpflichten konnte, und je weiter er sich entwickelt hat mit den Clubs, umso hochpreisiger konnte er nachverpflichten“. Als Nationaltrainer könne der frühere Mainzer, Dortmunder und Liverpooler nun lediglich in den deutschen U-Auswahlen „wildern“, erklärte Fuss. „Aber er kann jetzt nicht dafür sorgen, dass irgendein brasilianischer Torhüter noch kommt oder ein holländischer Innenverteidiger, den man mal eben für 100 Millionen verpflichtet.“ (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)