Brandenburg muss beim Wolfsmanagement den Spagat schaffen

Zwischen Schutz und Abschuss

Brandenburg muss beim Wolfsmanagement den Spagat schaffen

Archivbild: Zwei Altwölfe streifen mit einem Juntier durch den Wildpark Bad Mergentheim. (Quelle: picture alliance/dpa/Ronald Wittek)
Archivbild: Zwei Altwölfe streifen mit einem Juntier durch den Wildpark Bad Mergentheim. (Quelle: picture alliance/dpa/Ronald Wittek)

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Christoph Hölscher

Seit März dürfen Wölfe in Brandenburg gejagt werden – theoretisch. Doch bevor die entsprechenden Änderungen des Bundes- und Landesjagdgesetzes auch umgesetzt werden kann, muss das Land einen sogenannten Wolfsmanagementplan vorlegen.

Darin wird definiert, unter welchen Voraussetzungen wie viele Wölfe geschossen werden dürfen. Agrar- und Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD) muss dabei einen Spagat zwischen dem Schutz der Wölfe und der von ihm bedrohten Weidetiere schaffen.

Bauern fordern besseren Weidetierschutz

Jens Schreinicke, Biobauer und Wolfsbeauftragter des Landesbauernverbands, ist skeptisch, dass es bald eine für ihn zufriedenstellende Lösung geben wird. Seine Mutterkuhherde nahe Michendorf ist zwar seit einigen Jahren von Wolfsrissen verschont geblieben. Wenn aber doch ein Tier gerissen werden sollte, wünscht er sich, dass der Wolf oder notfalls auch das ganze Rudel dann schnell und unbürokratisch erlegt werden könne. Auf Dauer helfe nach seiner Überzeugung aber nur, den Bestand an Wölfen zu verringern: "Wenn wir weniger Wölfe haben, haben wir auch weniger Risse, auch wenn das immer wieder hinterfragt wird."

Ministerium plant behutsamen Umgang

Der Wolfsmanagementplan, den Ministerin Mittelstädt im Oktober vorlegen will, wird diese Wünsche aber wohl nur zum Teil erfüllen. "Wir fangen erstmal mit schadenstiftenden Wölfen an", kündigt die Ministerin an, die schnell und unbürokratisch "entnommen", also geschossen werden sollen. Dabei könnte es Abschussgenehmigungen für bestimmte Gebiete geben, in denen viele Wolfsrisse registriert werden.

Einer Abschussquote, also einer festgelegten Anzahl von Abschussgenehmigungen pro Jahr fürs ganze Land, erteilt sie dagegen eine Absage: Zum einen gehe es um den Erhalt des Wolfsbestandes. Zum anderen sieht Mittelstädt die Gefahr, dass "Problemwölfe" in bestimmten Regionen nicht mehr erlegt werden dürften, wenn die Quote durch Abschüsse in anderen Gegenden bereits erfüllt sei.

Jagdverband fordert Abschussquote

Kai Hamann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, sieht in dem jetzt vorbereiteten Wolfsmanagementplan allenfalls einen "ersten Schritt". Es gehe vor allem darum, einen "möglichst rechtssicheren Managementplan" aufzustellen, der nicht sofort wieder durch "Möchtegern-Wolfsschützer kaputtgeklagt" werde, so Hamann.

Er hoffe, dass in einem zweiten Schritt die Abschussquote irgendwann dann doch noch komme. Denn der Wolf sei in Brandenburg nicht mehr gefährdet, so Hamann. Daher müsse man darüber nachdenken, "eine Quote festzulegen, beziehungsweise eine Grenze für den Wolf in Brandenburg", fordert er. Der Jagdverband geht von bis zu 1.500 Wölfen in Brandenburg aus. Langfristig hält Hamann eine Zahl von 300 bis 400 Wölfen für angemessen.

BUND: Prävention statt Abschuss

Axel Kruschat vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hält die Schätzungen des Jagdverbandes für stark überzogen. Er stützt sich auf die Erhebungen des Landesumweltamtes, das im vergangenen Jahr 54 Rudel und circa 200 Welpen registriert hat. Das entspräche einer Zahl von einigen hundert Wölfen. Kruschat ist überzeugt: Wenn es nicht weiterhin Schutzmaßnahmen für den Wolf gebe, womöglich sogar Abschussquoten kämen, wäre er in absehbarer Zeit wieder vom Aussterben bedroht.

Er kritisiert, dass sich die aktuelle Diskussion auf den Abschuss von Wölfen konzentriere. Das helfe auch den Weidetieren nicht, da die "schadenstiftenden Wölfe" oft gar nicht identifiziert und unschädlich gemacht werden könnten. Stattdessen wünsche sich der BUND von dem künftigen Wolfsmanagementplan, dass die Prävention gestärkt werde, so Kruschat: "Noch immer ist es so, dass der Großteil der Weidetiere nicht wolfssicher gehalten wird."

Herdenschutz statt Wolfsjagd?

Wie das funktionieren könnte, zeigt Schäfermeister Felix Körner: Rund 1.500 Schafe und Ziegen hält er auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog. Wolfsrisse hatte er schon seit vier Jahren nicht mehr – trotz mehrerer Rudel in der Umgebung. Das gelänge ihm dank spezieller Elektrozäune und mehrerer Herdenschutzhunde. Anschaffung und Unterhalt werden vom Land gefördert – insgesamt gibt Brandenburg knapp zwei Millionen Euro im Jahr für die Förderung solcher Präventionsmaßnahmen aus.

Und wenn der Wolf trotz Zäunen und Hunden ein Schaf reißen sollte? "Übergriffige Wölfe müssen sofort entnommen werden, das ist Fakt", stellt Körner fest. Aber: "Das einzige, das meine Schafe wirklich schützt, sind Herdenschutzmaßnahmen und keine Entnahmen von Wölfen." Prävention und Abschuss von "Problemwölfen" – gut möglich, dass sich auch der Wolfsmanagementplan des Landes an diesen Eckepunkten orientieren wird.

Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 24.07.2026, 19:30 Uhr

Video: rbb24 Brandenburg Aktuell, 24.07.2026, Christoph Hölscher

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