Wurde zu Gewalt aufgerufen?: "Die Anstalt"-Macher und Danger Dan attackieren ZDF für Song-Verbot

Wurde zu Gewalt aufgerufen?"Die Anstalt"-Macher und Danger Dan attackieren ZDF für Song-Verbot

17.07.2026, 13:29 Uhr

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Daniel Pongratz alias Danger Dan engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus. (Foto: picture alliance/dpa)

Musiker Danger Dan provoziert gern. Seine neue Single sei der Provokation aber zu viel, meint das ZDF und untersagt kurzerhand einen Auftritt in der Satire-Sendung "Die Anstalt". Deren Macher kritisieren das scharf. Danger Dan wehrt sich gegen den Vorwurf, er rufe zu Gewalt auf.

Das Team der Satiresendung "Die Anstalt" hat die ZDF-Entscheidung zur Ausladung des Rappers Danger Dan als mutlos kritisiert. "Wir, "Die Anstalt", distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF", schrieb das Team um die Moderatoren Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl auf "Instagram".

Danger Dan - bürgerlich: Daniel Pongratz - sollte mit Starpianist Igor Levit sein neues Lied "Keine Angst" bei der 100. Ausgabe von "Die Anstalt" präsentieren. Die Jubiläumssendung beschäftigt sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF dann, den Auftritt zu streichen. Der Sender begründete das damit, dass der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne.

"Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren", schrieben die Sendungsmacher auf Instagram weiter - gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Gewalt wieder stark zunehme. "Wie es aussieht, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind, seht ihr in der nächsten Folge der Anstalt am Dienstag, 21. Juli, um 22.25 Uhr im ZDF."

Aber was singt Danger Dan denn nun in seinem gut siebenminütigen Lied? Er stellt zunächst fest, dass aus seiner Sicht politisch-gesellschaftliche Entwicklungen bevorstünden, die negativen Auswirkungen brächten. In einem Fall bereits jetzt, im zweiten Fall später. Darauf reagieren könne man auf zwei Arten: Neben dem Abwarten gäbe es die Möglichkeit, etwas zu tun - schon heute.

"Die andere Möglichkeit bedeutete schon heute, Stress mit der Polizei und den ganz besonders deutschen. Dafür 'ne kleine Chance, das Blatt nochmal zu wenden, oder vielleicht das Schlimmste noch verhindern zu können. Du weisst nicht, was du tun kannst, du weißt nicht, wie das geht. Hör mir zu, ich hab' vielleicht eine passende Idee."

Gruppe gründen, Informationen sammeln, zuschlagen?

Die folgenden Strophen können als Anleitung verstanden werden, sich mit Menschen zusammenzutun, um Rechtsradikalen, oder "Faschos", wie Danger Dan singt, entgegenzutreten. Gruppe gründen, Räume mieten, Geld sammeln. Damit sollen dann Sprühdosen, Sticker oder Marker gekauft werden, um zu zeigen, dass die eigene Stadt Rechtsextremisten nicht haben wolle.

Dass Konsequenzen durch Behörden folgen können, ist ihm ebenfalls bewusst. So weist er darauf hin, bei solchen Aktionen Handschuhe zu tragen, selbst keine Fotos oder Videos zu erstellen. Zudem solle die Kommunikation mit Gleichgesinnten verdeckt stattfinden:

"Das bedeutet: keine DMs, keine Messenger und Mails, alles was verboten sein könnte, immer Face to Face. Lasst das Handy zuhaus wegen Bewegungsprofil'n, und wenn sie euch erwischen: Redet nicht mit ihn'".

Das soll aber nur der Anfang sein. Danger Dan singt, dass Informationen zu rechten Strukturen gesammelt werden sollten. Wo wohnen sie, wo arbeiten sie, was schreiben sie in sozialen Medien? Die sollten dann dem Umfeld zur Verfügung gestellt werden. Warum? Weil Überzeugung von Rechtsextremen aus seiner Sicht nicht möglich ist. So singt er: "Faschos leben abgeschottet, sie leben im Wahn. Mit Argumenten kommt man meistens nicht mehr an sie ran."

Den Kampf gegen Rechtsextremisten soll jedoch nicht nur die Zivilgesellschaft führen. So singt er auch: "Vielleicht wird dann sogar die Staatsanwaltschaft wach. Mit etwas Glück kriegen sie Post oder gehen in den Knast." Vertrauen in die Polizei hat er dagegen offenbar weniger. "Doch ihr wärt blöd, wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst. Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil: Es gibt so viele Faschos bei der Polizei."

Erinnerung an rechtsextremes "Hannibal"-Netzwerk

Als Beleg verweist er auf Uniter, eine ehemalige Gruppe deutscher Soldaten und Polizisten, der nach seiner Auflösung im Untergrund aktiv war. Dessen Ziel war eine Vernetzung rechtsextremer Kräfte mit Elitekräften wie dem KSK (das Danger Dan nennt), Personenschützern und Polizisten. In dem Zusammenhang ist oft auch vom "Hannibal"-Netzwerk die Rede. Das war der Online-Benutzername von Gründer Andre S. Ziel des Netzwerkes war es, Waffen und Munition zu sammeln, Schießtrainings zu absolvieren, um eine Art Untergrundarmee aufzubauen, die am Tag X losschlägt und politische Gegner tötet. Der harte Kern soll nur wenige Menschen umfasst haben. Es soll aber angeblich bis zu 2000 Sympathisanten gegeben haben.

Daher singt Danger Dan auch, dass Nazis Politik "immer mit Angst" machen würden - "mit Hass, mit Terror mit roher Militanz". Und, sie würden keinerlei Hehl daraus machen. "Man kann ihnen vieles vorwerfen. Aber jedoch nicht, dass man das, was sie mit uns vorhaben, nicht wüsst'". Mit Verweis auf die deutsche Geschichte schließt er dann den Kreis zum Anfang des Liedes und begründet den Text: "Und die Geschichte hat uns schonmal gezeigt, es wird noch schlimmer, wenn man gar nichts tut und schweigt. Keine Angst, nehmt es selber in die Hand. Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang."

"Jemanden langlegen" kann tatsächlich "als jemanden verprügeln oder niederstrecken" gedeutet werden. Es kann ebenso als "jemanden hereinlegen" verstanden werden. Da er im Anschluss dann allerdings selbst von einer juristischen Grauzone singt und dann die Namen wegen Gewalttaten verurteilter Linksextremisten nennt, liegt der Schluss nahe, es geht um Gewalt. Die sieht er allerdings als Reaktion auf rechte Gewalt, wenn es heißt: "Schon am ersten Tag, wenn ihr die Party macht, besteht die Möglichkeit, dass es vor der Türe kracht. Also plant immer mit der Konfrontation..."

Danger Dan: Verabscheue Gewalt

In Reaktion auf die Ausladung durch das ZDF meldete sich Danger Dan auch beim "Spiegel" zu Wort. Er sagte dort, er rufe in dem Song niemanden auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. "Dafür muss man nicht in den Untergrund, das geht auch aus der Mitte der Gesellschaft."

Er verabscheue Gewalt, betonte Danger Dan beim "Spiegel". "Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität." In den vergangenen Jahren hätten sich viele neue Neonazi-Gruppen gebildet. "Der Staat versagt, und an der Zivilgesellschaft bleibt es hängen." Es sei wichtig, sich solchen Leuten in den Weg zu stellen.

Die "Anstalt" habe sich bis zuletzt sehr ins Zeug gelegt, seinen Auftritt mit Levit möglich zu machen, sogar das ganze Programm sei umgeschrieben worden, um das Lied in die Sendung einzubetten. Als er, Levit und sechs weitere Musiker dann für die Aufzeichnung bereits in München gewesen seien, habe die Intendanz des ZDF ihr Veto eingelegt. Ihm mache das Angst und es sei eine Bestätigung dafür, dass ein Lied wie "Keine Angst" genau im richtigen Moment komme.

Das ZDF erklärte, bei der Vorbereitung der Sendung habe man sich redaktionell intensiv damit beschäftigt, auch die Geschäftsleitung des Senders sei beteiligt gewesen. Man sei zu der Bewertung gekommen, dass der Widerspruch zu den ZDF-Programmrichtlinien im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht mehr aufzulösen gewesen wäre. Welche Textpassagen gegen diese genannten Richtlinien verstießen, teilte der Sender dagegen nicht mit. Daniel Pongratz munkelt im "Spiegel", er habe gehört, der ZDF-Intendant sei bekannt dafür, in Sendungen und Inhalte einzugreifen. Er erkennt eine politische Programmatik hinter einem solchen Schritt.

Vor diesem Hintergrund sei entschieden worden, "sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten". Das Veto gegen den Auftritt in der Sendung sei ganz kurz vor der Aufzeichnung gekommen, hieß es in einer Mitteilung der Promotion-Agentur Check Your Head.

Für den Song "Keine Angst" hätte die Werbung kaum größer sein können. Auf Youtube wurde das Video binnen elf Stunden gut 100.000 Mal aufgerufen. In den Trendcharts Musik steht es auf Platz eins. Viele Nutzer kommentieren unter dem Video entsprechend, sie hätten ohne das Vorgehen des ZDF wohl keine Notiz vom Lied genommen.

Quelle: ntv.de, als/dpa