Auftakt in Birmingham: Yemisi Mabry - mit Wucht und Freude zur ersten deutschen EM-Medaille?

Kugelstoßerin Yemisi Mabry

Stand: 09.08.2026 • 18:20 Uhr

Sie liebt die große Bühne, sie freut sich auf den Wettkampf: Kugel-Olympiasiegerin Yemisi Mabry ist bereit für die erste deutsche Medaille bei der Leichtathletik-EM in Birmingham.

Jens Mickler

Ein volles Alexander Stadium mit 18.000 Zuschauern, eine ausgelassene Stimmung und tosender Applaus gleich am ersten Tag der EM in Birmingham. Das wäre so ganz nach dem Geschmack von Yemisi Mabry. "Ich liebe es, wenn es laut ist", sagt die 27-Jährige, die mit ihren Konkurrentinnen am Montag ab 11.35 Uhr (live im Ersten und bei sportschau.de) die Qualifikation im Kugelstoßen und somit den Leichtathletik-Höhepunkt in diesem Jahr eröffnen wird.

Erster Wettkampf, erste deutsche Medaille? Mabry trägt auf jeden Fall gleich die Hoffnungen des DLV-Teams auf einen guten Start in die Titelkämpfe. Sie zählt zu den Favoritinnen im Wettbewerb mit der Vier-Kilo-Kugel, der am Abend (20.03 Uhr) im Finale entschieden wird. "Das Ziel ist definitiv, um die Medaillen mitzukämpfen", so die Mannheimerin.

Mit Gospels auf den Kugel-Thron

Schließlich geht sie als Olympiasiegerin in den kleinen Betonring. Als relativ unbekannte Athletin und noch unter ihrem Mädchennamen Ogunleye stieß Mabry vor zwei Jahren in Paris mit genau 20 Metern zu Gold.

In Erinnerung geblieben sind dabei nicht nur ihr überraschender Triumph, sondern auch ihre ansteckende Fröhlichkeit und die Art und Weise, wie ihn die junge Frau feierte. Den Weg auf den Kugel-Thron begleitete nämlich ihre Liebe zum Gospelgesang. Schon während des Wettkampfs stimmte sie sich immer wieder mit spirituellen Songs auf ihre Auftritte ein und setzte diese dann in TV-Interviews und in der offiziellen Pressekonferenz fort. Eine singende und tanzende Athletin, die sich nicht ziert, gibt es schließlich nicht so oft auf Großevents.

Mabry: "Ich bin eine Überwinderin"

Aus dem christlichen Glauben zieht Yemisi Mabry viel Kraft für ihre Auftritte auf internationaler Bühne. Und er hilft ihr auch in schwierigen Momenten. Davon gab es bereits einige in ihrem Leben. In der pfälzischen Heimat wurde die gebürtige Germersheimerin zu Schulzeiten gehänselt und "gemobbt", sie machte unschöne Rassismus-Erfahrungen und erlitt in ihrem Sport schwere Knieverletzungen.

"Ich bin eine Überwinderin. Ich bin jemand, die fällt, die Fehler macht, die aber wieder aufsteht", sagt sie in einer aktuellen ZDF-Dokumentation, die ihr nicht immer leichtes Leben eindrucksvoll nachzeichnet.

Mit Power-Nap und Cappuccino ins Finale

Im vergangenen Jahr bei den Weltmeisterschaften in Tokio wurde sie Sechste, "nur Sechste", las sie dann in den Medien. Sie drehte es für sich um und sagte: "Hey, ich bin die Sechstbeste auf der ganzen Welt."

In Birmingham darf es aber wieder etwas mehr sein. Einen Nervenkitzel möchte sich Mabry ersparen. "Ich schätze, dass die Norm bei 18,50 Meter, 18,60 Metern liegt", erklärte die 27-Jährige, die in diesem Jahr schon 19,93 Meter gestoßen hat. Direkt im ersten Versuch will sie die Quali fürs Finale packen und dann so schnell wie möglich ins Hotel. Ein kleiner Power-Nap und ein Cappuccino sind dann ihre Rituale, um sich für die Abendsession vorzubereiten.

Schilder mit Respekt vor Mabry

Die Last der Favoritenrolle trägt sie nicht, die gehört Jessica Schilder, mit 21,09 Metern die Beste in diesem Jahr. Die Niederländerin freut sich schon auf das Duell mit der Deutschen: "Ich habe die Bilder von ihrer Hochzeit gesehen, und ich war sehr neidisch. Wir werden uns gegenseitig zu tollen Weiten pushen." Ende März hatte die Olympiasiegerin in Macon im US-Bundesstaat Georgia den US-amerikanischen American-Football-Profi Tyler Mabry geheiratet.

Mit Lockerheit und Freude, so hat sich die Athletin vorgenommen, will sie am Eröffnungstag im Alexander Stadium ans Werk gehen. Wenn es dann noch richtig laut sein sollte, stehen die Chancen gut, dass Mabrys Kugel ganz weit fliegt.