Zehn-Euro-Flatrate weltweit: Xing-Gründer will Mobilfunk mit KI revolutionieren

Stand: 05.10.2026, 20:16 Uhr

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Mobilfunkmarkt im Wandel: Neue eSIM-Anbieter fordern die etablierten Netzbetreiber mit Billig-Tarifen heraus.

Mobilfunkmarkt im Wandel: Neue eSIM-Anbieter fordern die etablierten Netzbetreiber mit Billig-Tarifen heraus. © Karl-josef Hildenbrand/dpa

Mit unbegrenztem Datenvolumen und einem Monatspreis von nur 10 Euro will Xing-Gründer Lars Hinrichs die deutschen Mobilfunk-Schwergewichte herausfordern.

Der deutsche Mobilfunkmarkt gilt als zäh und teuer, doch nun wagt ein prominenter Tech-Pionier den Frontalangriff: Lars Hinrichs, Gründer des Karriere-Netzwerks Xing und ehemaliger Aufsichtsrat der Deutschen Telekom, bringt mit seinem Startup Simsalasim ein radikales Tarifmodell an den Start, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet. Für 10 Euro im Monat verspricht das Unternehmen eine echte Daten-Flatrate ohne Drosselung in rund 100 Ländern sowie Telefonie- und SMS-Flats in 50 Staaten. Physische SIM-Karten oder eigene Funkmasten gibt es nicht – der Dienst läuft komplett digital via eSIM, in Deutschland über das Netz von Telefónica (O₂), mit der von der Bundesnetzagentur neu zugeteilten Vorwahl 015333.

Möglich werden soll der Kampfpreis durch maximale Automatisierung: Simsalasim agiert mit einem Rumpfteam von nur rund 25 Mitarbeitern, während Künstliche Intelligenz Abrechnung, Netzkapazitäten, Kundenservice und Übersetzungsdienste in Echtzeit übernimmt. Ob sich das Modell gegen die Platzhirsche behaupten kann, bleibt abzuwarten: Während etablierte Unlimited-Tarife hierzulande meist 25 bis 85 Euro kosten, sehen Branchenbeobachter bei 10 Euro extrem dünne Margen und offene Fragen beim reinen KI-Support. Zudem verbietet der Tarif die Nutzung als mobiler WLAN-Hotspot (Tethering).

Xing-Gründer Lars Hinrichs mit Kampfansage an sich entwickelnde Mobilfunk-Branche

Hinrichs ist mit seinem rein digitalen Ansatz nicht allein. Auch der Einzelhandelsriese Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) setzt verstärkt auf digitale Konnektivität: Über eine Beteiligung am Tech-Startup 1global von Auto1-Mitgründer Hakan Koç treibt der Discounter den Angriff auf die Netzbetreiber voran. Ziel ist es, Lidl Connect rein digital über die App in 30 Ländern ohne klassische Plastik-SIM-Karte anzubieten.

Dass neue Marktteilnehmer den Wettbewerb beleben, zeigt auch das Beispiel des österreichischen Mobilfunkanbieters Spusu, der kürzlich im Vodafone-Netz in Deutschland gestartet ist. Spusu wirbt mit flexiblen Verträgen ohne Mindestlaufzeit und einem „Datenpolster“, setzt beim Kundenservice im Gegensatz zu Simsalasim jedoch bewusst auf persönliche Telefonberatung statt automatisierter Chatbots, während Spusu-Chef Franz Pichler zugleich vor steigenden Kosten durch Marktregulierungen warnt.

Gleichzeitig gerät das Gefüge der großen Betreiber durch den Ausbau des vierten deutschen Netzes in Bewegung. Der Provider 1&1 hat Millionen Kunden auf sein eigenes Kernnetz migriert und tritt mit aggressiven Flatrates als Preisdrücker auf. Parallel tobt eine juristische Auseinandersetzung zwischen 1&1 und Vodafone über den Zugang zu Funkturmstandorten, was den enormen Konkurrenzkampf um die mobile Infrastruktur verdeutlicht. (Verwendete Quellen: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Focus Online, Bildzeitung, echo24.de, Gießener Allgemeine, op-online.de, eigenes Archiv) (stma)