Ostsee-Resort wird teurer – und der Streit eskaliert
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Meck-Pomm
Zeitverzug, höhere Kosten, Widerstand: Ringen um das XXL-Ferienresort an der Ostsee
Auf einem Ex-Militärflughafen soll ein Ferienresort entstehen – das derzeit größte touristische Projekt Meck-Pomms. Doch während die einen auf Arbeitsplätze und Einnahmen hoffen, versuchen die anderen das Mega-Projekt zu verhindern.
Die Vorbereitungen für das Großprojekt Bernsteinresort laufen. Auf der Fläche wird belastete Erde abgefahren und Altmunition geräumt. Aber alles dauert länger, es wird teurer – und es gibt Widerstand.
Auf dem ehemaligen Militärflughafengelände auf der Halbinsel Pütnitz sind bei den Erschließungsarbeiten für das geplante Bernstein-Ferienresort bislang rund 25.000 Tonnen belastete Erde abgetragen und entsorgt worden.
An der Ostsee: XXL-Resort kostet wohl mehr als 350 Millionen Euro
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Die Erde werde geprüft, separiert und gegebenenfalls auf die Deponie gebracht, sagte der stellvertretende Bürgermeister von Ribnitz-Damgarten, Heiko Körner, der Deutschen Presse-Agentur. Im Oktober hoffe man, mit dem Abbruch von drei Pumpenhäusern auf dem Gelände beginnen zu können. Dafür sei eine entsprechende Entscheidung des Landkreises Vorpommern-Rügen notwendig.
Die Halbinsel Pütnitz liegt auf einer Landzunge direkt am Saaler Bodden und die „Bernsteinstadt” Ribnitz-Damgarten ist Eigentümerin der Fläche. Das Areal wurde seit 1935 als Militärflughafen genutzt. Von 600 Hektar Gesamtfläche sollen etwa 250 Hektar für das sogenannte Bernstein-Resort genutzt werden, dessen Name sich auf die Verbindung der Region zum Bernsteinhandwerk bezieht.
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Die Gesamtinvestition wurde bislang mit etwa 350 Millionen Euro veranschlagt. „Das dürften aber inzwischen eher 400 Millionen Euro sein”, so Körner, der auch Leiter des Amtes für Bau, Wirtschaft und Liegenschaften ist.
Bernsteinresort: „Das Projekt lebt”
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Auch wenn es manchmal wegen der Komplexität des Projektes erscheine, als geschehe wenig, gingen Planungen und Genehmigungsverfahren weiter. „Das Projekt lebt. Mehr denn je. Es ist nicht die Frage, ob es realisiert wird, sondern nur noch wann”, so Körner. Der Zeithorizont für einen rechtskräftigen Bebauungsplan verschob sich aber in den vergangenen Jahren immer wieder. Nun sei davon auszugehen, dass es 2028 Baurecht geben werde.
Inzwischen liege der Entwurf eines Bebauungsplanes (B-Plan) vor. Nach der Sommerpause werde man im September mit den Trägern öffentlicher Belange dazu den Austausch suchen. Am 4. Oktober sei dann auf dem Gelände auf der Pütnitz-Halbinsel ein weiterer Informationstag geplant, bei dem auch aktuelle Gutachten vorgestellt und über den B-Plan-Entwurf gesprochen werde. Die Veranstaltung war wegen der hohen Temperaturen am 27. Juni auf Oktober verschoben worden.
Großprojekt: Deshalb dauert's länger
Hauptinvestor ist der Freizeitpark-Betreiber Center Parcs, der in Deutschland sechs Anlagen betreibt. Zudem will die Supreme GmbH (Rostock) eine Sport- und Erlebniswelt („Pangea Island”) entstehen lassen. Die Bernsteinreiter planen einen weiteren Reiterhof, auch das bestehende Technikmuseum gehört zum Konzept.
Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung bereits Ende 2025, dann Ende 2026 mit Baurecht für den Ferien- und Freizeitpark gerechnet. Jetzt wird es frühestens 2028. Auch das Wirtschaftsministerium in Schwerin hatte die Verzögerungen im vergangenen Jahr auf die Komplexität des Vorhabens und die sich teilweise widersprechenden öffentlichen Belange wie Denkmal-, Natur-, Umwelt- und Artenschutz sowie Forstrecht zurückgeführt.
Für die Erschließung des „maritim-touristischen Gewerbegebiets” auf der Halbinsel Pütnitz wurden nach aktuellen Angaben des Ministeriums bislang Fördermittel in Höhe von rund 19,5 Millionen Euro ausgezahlt. Noch bis 30. Juni 2028 könne die Stadt Ribnitz-Damgarten zudem bereits bewilligte Fördermittel in Höhe von rund 26 Millionen Euro für die Kampfmittelberäumung, die Munitionsbergung und die Altlastensanierung abrufen.
Militärflugplatz: Munitionsräumung in vollem Gang
Die Munitionsräumung auf dem Gelände läuft bereits seit Herbst 2022. Für die Arbeiten können wegen der Vegetationsperioden nur die Zeiträume von Oktober bis Februar genutzt werden. Die Verdachtsflächen seien inzwischen nur mit Ausnahme von überbauten oder abzubrechenden Flächen komplett von Munition geräumt, so Körner.
Bei den Arbeiten wurden bislang vor allem Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Ab 1945 nutzte die Rote Armee das Gelände. 1994 verließ die letzte Kampffliegereinheit der Westgruppe der russischen Streitkräfte den Militärflugplatz.
Widerstand gegen Großprojekt: Die Stimmung ist vergiftet
Gegen das Projekt gibt es seit Jahren deutlichen Widerstand. Der kommt vor allem von der Bürgerinitiative „Kein Massentourismus auf Pütnitz. Für unsere Heimat e.V.” und dem Verein für Landschaftspflege & Artenschutz in Mecklenburg-Vorpommern (VLAMV). Beide gehen vor Gericht oder beim Landkreis immer wieder gegen die Gemeinde Ribnitz-Damgarten vor und erreichten zuletzt einen Stopp von Abrissarbeiten.
Der Ton zwischen Stadtverwaltung und den Gegnern ist seit Jahren mehr als angespannt. Die Gemeinde wirft der Initiative vor, Unwahrheiten zu verbreiten und das Tourismusprojekt zu verzögern, indem sie den Planern unentwegt Knüppel in den Weg lege. Die Bürgerinitiative hält dagegen und wirft der Gemeindeführung vor, mit Propaganda Meinungen zugunsten des Projektes zu beeinflussen.
Auch zum Informationstag im Juni habe man die Initiative anders als bei einer vorherigen Veranstaltung nicht mit einem eigenen Stand eingeladen, kritisierte Vorstand Steffen Lott, der seit Juli 2024 auch Stadtvertreter in Ribnitz-Damgarten ist. Das gelte auch nach der Terminverschiebung. „Die Stadt redet nicht mit uns”, bedauert Lott.
Die Stimmung ist vergiftet. Vielleicht kann es auch gar nicht anders sein, wenn sich zwei Seiten so frontal gegenüberstehen. Die einen erhoffen sich Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Investitionen, die anderen fürchten Massentourismus, einen Verkehrskollaps auf der Straße und ein Millionengrab. Lott glaubt jedenfalls nicht daran, dass es mit dem Baurecht bis 2028 klappt: „Es gibt immer noch die Möglichkeit zu klagen. Und das werden wir tun.” (dpa/mp)
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